Ural – Wolga- Kaukasus – Russland im Schweinsgalopp

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Warum in zehn Tagen? mag man fragen. Antwort: Mehr Zeit ist natürlich  besser, aber wenn man nur anderthalb Wochen Zeit hat, geht es auch. Bei uns verhielt es sich eben so. Ein Zeitfenster war entstanden und verlangte nach Füllung. Also fuhren wir nach Russland. Das komplizierteste dieser Russland Reise war die Beschaffung der Visa, die man immer mit mindestens drei Wochen Vorlauf beantragen sollte. Leider war mein alter Reisepass so zerfleddert, dass er mir von der Visa-Agentur zurückgeschickt wurde. Ich musste mir also erst einen neuen Reisepass per Expressbearbeitung (96 Euro) beschaffen, ehe ich das Visum im zweiten Anlauf beantragen konnte.  Gute Dienste leistete mir in diese Hinsicht der auf russische Visa spezialisierte  Anbieter http://www.visumcenter.de/visum-laender/russland  den ich nur weiterempfehlen kann (Preis alles in allem ca. 80-100 Euro).

Gebucht haben wir die ganze Reise über das Reisebüro Distinctravel in Köln, das IMG_3808dergleichen Aufträge schnell, günstig und professionell  abwickelt.  Danke, Frau Bonifer. Distinct Travel besorgte uns auch die drei Zugtickets für die Strecken zwischen Jekatarinburg und Sotschi. Die Hotels habe ich selbst über booking.com gebucht. Das dort vermerkte Ranking erwies sich wieder einmal als zuverlässig, das heißt, dass man Hotels mit einem Prädikat über 8.5 unbesorgt buchen kann.

Ich war schon vorher mehrfach in Russland gewesen, einmal im fernen Osten in Wladiwostok und Kamtschakta, ein andermal im Kaliningrad Oblast und St. Petersburg . Im Jahre 2002 war ich mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau bis Chabarowsk gefahren. .Auch die Krim habe ich bereist, allerdings zu einer Zeit, als sie noch zur Ukraine gehörte. Was ich nicht kannte, waren die Wolga und  die Schwarzmeerküste um Sotschi. Auch Jekaterinburg, die viertgrößte Stadt Russlands, interessierte mich als Geburtsort Jelzins und als der Ort, in dem die Kommunisten die Zarenfamilie ermordeten.

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Die Route war also klar. Wir flogen mit dem täglichen Frankfurt Moskau-Flug von Frankfurt nach Moskau (Flughafen Sheremetvejo – 3 Stunden Flugzeit) und stiegen gleich um nach Jekaterinburg (Flugzeit zwei Stunden). Von Jekaterinburg fuhren wir in drei Etappen mit der Eisenbahn zuerst nach Kazan, dann nach Wolgograd und schließlich ach Sotschi. Über Moskau flogen wir nach Frankfurt zurück. Man sieht, ein enger Plan, aber wie sich zeigen sollte absolut hinreichend. Hier der Bericht im Einzelnen:

Jekaterinburg. Wir erreichten die Stadt an der Grenze Europas und Asiens (eigentlich liegt sie schon in Asien) am Abend des 1. Tages gegen 22.00 Uhr. Am Flughafen von Jektarerinburg zogen wir an einem ATM Automaten Rubel zu einem vertretbaren Kurs (etwa 72 Rubel für 1 Euro, inzwischen liegt der Kurs bei 74 : 1) . Interessant war, dass die Stadt während unseres nächtlichen Hoteltransfers in Festbeleuchtung erstrahlte, denn wir schrieben den 9. Mai, und im ganzen Land wurde der Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gefeiert. Zehntausende waren auf den Straßen unterwegs, russische Fahnen wurden geschwenkt, und manch einer hatte seinem Patriotismus mit reichlich Wodka nachgeholfen.IMG_3314

Unser Hotel Voznesenzky erwies sich als glückliche Wahl (Doppelzimmer 5.800 Rubel mit einem sehr guten Frühstück und einem exzellenten Staff).  Es befand sich im 5. bis 8. Stock eines Hochhauses mitten in der Innenstadt von Jekaterinburg und war als Standort der Stadterkundung geradezu ideal. Vom Hotel aus erreichte man nach einem kurzen Spaziergang durch einen Park die „Kathedrale über dem Blut“, die an der Stelle steht, an der die Kommunisten (mit ausdrücklichem Einverständnis Lenins) am 16. Juli 1918 Zar Nikolaus II und seine Familie ermordet hatten.

Auf der anderen Seite des Stadtsees, ebenfalls fußläufig erreichbar, befand sich das neu erbaute Jelzin Museum, ein imposanter Museumsbau, der an den ersten Präsidenten der russischen Föderation erinnert. Bemerkenswert an diesem Museum war die multimediale Gestaltung der Ausstellungsräume, besonders die musikalische Animation zur russischen Geschichte, die gleich am Eingang IMG_3288gezeigt wurde. Mit dem bedauerlichen Verfall des großen Mannes nach 1994 beschäftigte sich das Museum nicht, aber Jelzins Aufstieg und seine weltgeschichtliche Stunde während des Augustputsches 1991 wurde anschaulich nachgezeichnet. Natürlich ließen wir es uns auch nicht nehmen, mit dem Taxi 17 km aus der Stadt herauszufahren, um einen kleinen Pylon am Rande der Autobahn zu erreichen, der die Grenze zwischen Europa und Asien markieren soll. Ob es dabei sich wirklich  um die Grenze handelt, ist allerdings umstritten. Landschaftstopografie und IMG_3253Entwässerungsscheide verlaufen im südlichen Ural nicht ganz  parallel, so dass noch eine zweite Kontinentalgrenze ca. 40 km von Jekaterinburg gleich an der Gleisstrecke der Transsibirischen Eisenbahn entfernt existiert. Dass selbst weltbekannte  geografischen Markierungen umstritten sind, ist übrigens nichs Besonderes. Am Äquator in Equador verhält es sich genauso

Übrigens ist Sibirien im Frühjahr nichts für Melancholiker. Wir kamen aus dem deutschen Frühjahr und waren geschockt über die winterliche Atmosphäre der Stadt. Die Bäume waren kahl, die Wiesen grau, und über der Stadt erstreckte sich der Himmel wie ein Leichentuch. Aber das machte im Grunde nichts, denn schon am Abend des 2. Tages ging es mit dem russischen Expresszug  105 EA weiter nach Kazan.  Auf unseren Tickets war als Abfahrtzeit 20.25 Uhr Moskauer Zeit vermerkt,  so dass wir in Wahrheit erst um 22.25 Uhr Ortszeit in den Zug nach Kazan stiegen (Zwei Stunden Zeitverschiebung).  Auf unseren schon zuhause ausgedruckten Tickets war der Waggon verzeichnet, in den wir einsteigen mussten, auch unsere Bettennummern waren bereits festgelegt worden. Die Provodnitza (Waggonschaffnerin) kontrollierte kurz unsere Pässe und ließ uns mit einem leisen Knurren einsteigen. Erst später sollte mir klar werden, dass dieses leise Knurren die russische Variante eines „Herzlichen Willkommens“ darstellt, wie man es von den Angestellten IMG_3339unserer Deutschen Bahn gewöhnt ist.

Unser Abteil war ein Kupeyny, d. h. es bestand aus vier Betten, je zwei unten und zwei oben, und einem allerdings begrenzten Stauraum.  Mit uns zusammen schlief Alexeji, ein junger russischer Boxer im Abteil, der sich kurz vorstellte, danach aber sofort in seinem Oberbett verwand und bis zum nächsten Morgen durchschlief. Auch wir richteten mit dem bereitliegenden Bettzeug unsere Betten her, machten das Licht über unserem Kopfkissen an, lasen noch ein wenig und schliefen ein. Am nächsten Morgen, dem 3. Tag,  begrüßte uns die spätwinterliche Landschaft Sibiriens. Der Zug fuhr an grauen Wiesen, halb vereisten Flüsse und  Millionen Birken vorüber.  Jenseits des Kama-Flusses, der Ural und Wolga verbindet, wurde es grüner, die Besiedlung nahm zu, und kurz nach Mittag fuhren wir bei strahlendem Sonnenschein, aber kühlen Temperaturen in den Bahnhof von Kazan ein.

Kazan ist die Hauptstadt der autonomen russischen Republik Tatarstan, eine Millionenstadt am Zusammenfluss von Kasanka und Wolga gelegen und zu gleichen Teilen von Russen und Tataren bewohnt. Mit der Eroberung des Mongolenreiches von Kazan durch Iwan den Schrecklichen im Jahre  1552 hatte der Aufstieg des Moskowiter Reiches zur Großmacht und die Erschließung des Wolgagebietes durch Russland begonnen. Innerhalb der russischen Föderation besitzt die autonome Republik Tatarstan heute ein hohes Maß an innerer Selbstverwaltung.

Zu unserer Überraschung war Kazan ein absoluter Knüller. Das Stadtbild ist geprägt durch IMG_3391breite, gepflegte Straßen, renovierte, fast großbürgerliche  Fassaden, prachtvolle Kirchen und Moscheen und vor allem durch den Kazaner Kreml. Der Kazaner Kreml liegt als eine ummauertes Gelände mit Zinnen und Türmen auf einem Hügel oberhalb der Stadt. Ihr auffallenstes Bauwerk war die im Jahre 2005 neu errrichtete Khul Sharif Moschee, ein herrlicher Bau in Weiß-Rot mit vier wunderbaren safavidischen Minaretten. Dass die Moschee nach Khul Sharif, einem der moslemischen Verteidiger Kazans gegen die russischen Eroberer, benannt worden war, galt  als Zeichen tatarische Eigenständigkeit innerhalb der russischen Föderation.

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Auch in Kazan war unser Hotel eine Wucht. Das Hotel „Guiseppe“ war vom Bahnhof aus zu Fuß erreichbar und nicht mehr als einen Katzensprung von Kreml und der Innenstadt entfernt.  (Preis für ein Doppelzimmer 6.800 Rubel) Hier in Kazan kam ich übrigens auch hinter die Geheimnisse des freien russischen Hotel W-Lans. Das funktionierte nämlich nur, wenn man sich vom Hotel aus an einen bestimmen zentralen Server anmeldete, eine Antwort mit einem Code abwartete, um sich anschließend mit diesem Code im Netz anzumelden zu können. Warum das Ganze? Damit alle Mitteilungen von den zuständigen Stellen mitgelesen werden können? Die Geheimpolizei lässt grüßen.

Am 4. Tag, dem zweiten Tag unseres Aufenthalts in Kazan, nahmen wir um 8.20 Uhr die IMG_3622tägliche Fähre zur Wolgainsel Svijashzk. Dabei handelte es sich um eine normale Personenfähre, die jeden Tag ihren Fahrplan wolgaaufwärts und wolgaabwärts abfährt und dabei die Insel Svijashzk nach etwa zweieinhalb Stunden Fahrt ansteuert (Ticket 220 Rubel). Dass die Wolga mit etwa 3500 km Länge der längste Fluss Europas war, wussten wir schon, nur dass sie zwischen zwei und sechs Kilometer breit war, verblüffte. Die Ufer waren flach, von schmucklosen Siedlungen gesäumt, einsame Angler saßen auf den Steinen und blickten den Schiffen hinterher.

Svijashzk, eine Insel am Zusammenfluss des Svijashzk-Flusses und der Wolga, galt als ein IMG_3671Kleinod der russischen Geschichte. Sie war so winzig, dass man sie an einem halben Tag bequem erwandern konnte und doch gespickt mit erstrangigen Zeugnissen der russischen Kultur. Hier hatte Iwan der Schreckliche um 1550 seinen Angriff auf Kazan geplant, hier hatte 1919 Trotzki die Kämpfe gegen die Bürgerkriegsarmee der Weißen an der mittleren Wolga koordiniert. Die Kirchen und Klöster der Insel wirkten vor der Weite der Wolga wie Elemente einer historischen Freiluftausstellung.

Am Mittag des 5. Tages stiegen wir wieder in den Zug 105EA Richtung  Wolgograd. Die Entfernung zwischen Kazan und Wolgograd betrug etwa 1000 km, für die der Zug 23 Stunden benötigte. Diesmal war das Vier-Bett-Kupeyny bereits mit zwei Personen belegt, einem freundlichen großen Russen, der sich als Michael  vorstellte, und  Zinji, einem schweigsamen Kalmücken aus Saratov.  Als Kalmücken bezeichnet man die Angehörigen eines tatarischen Volksstammes, der im 17 und 18. Jhdt. in die Gebiete nördlich des Kaspischen Meeres eingewandert war  und sich dort und an der Wolga  jahrhundertlang mit  Russen und Wolgadeutschen auseinandergesetzt hatten. Besonders warm geworden war man dabei nicht miteinander, denn Zinji zog sich sofort auf sein Oberbett zurück, von wo aus er uns mit anhaltender Skepsis betrachtete.

Die mittlere Wolga erwies sich als ein dicht besiedeltes Gebiet mit zahlreichen Dörfern und IMG_3791einigen großen Städten. Alles prangte in grün, das Obst reifte, und überall sahen wir die Russen auf ihren  Hinterhoffeldern ackern. Die meisten der großen Städte, die wir passierten, hatten nach 1991 ihre alten Namen zurückerhalten. Saratow hieß wieder Saratow, Samana wieder Samana, nur das alte Simbirsk, der Geburtsort  Gontscharows, Kerenskis und Lenins hieß noch immer Ulyanowsk nach Lenins Familiennamen. Irgendwie hat Lenin, den Alexander  Solschenyzin mit Recht als den Ahnvater des kommunistischen Mörderregiments bezeichnete, sich wie ein hässlicher Überrest im öffentlichen Leben der russischen Städte behauptet. Mehr noch: wie man hörte, war geplant, Ulyanowsk als Geburtsort Lenins in einen „Bethlehem der IMG_3885kommunistischen Welt“ (Lonely Planet Guide)  umzuwandeln.

Wir ereichten Wolgograd am Mittag des 6. Tages. Der Bahnhof war ein prächtiger palastartiger Bau, wirkte aber im Innern wie eine überfüllte Bienenwabe. In unserem bahnhofsnahen Hotel, dem Radisson Park Inn,  erwartete uns jedoch eine böse Überraschung. Es stellte sich heraus, dass ich meine Migrationskarte verloren hatte, einen kleinen, unscheinbaren Zettel, den mir der Zollbeamte bei der Einreise in Moskau in den Pass gelegt hatte und der offenbar herausgefallen war. Sofort verkrampften sich die Hotel-Managerin IMG-20180514-WA0018und die Rezeptionistin,  nur mein Reisebegleiter Bernhard  bewahrte eine bewundernswerte Ruhe. Doch die Krise war da, denn ohne  eine  Migrationskarte konnte man in kein russisches Hotel einchecken,  aber eine neue Migrationskarte gab es nur gegen den Nachweis einer  festen Unterkunft, mit der ich wegen der fehlenden Migrationskarte nicht dienen konnte. An diesem Paradoxon arbeiten wir uns in den folgenden vier Stunden und endlosen Taxifahrten  zwischen den beiden Migrationsämtern der Stadt ab, und mehr als einmal sah es so aus, als würden wir scheitern. Es war geradezu ein Erlebnis, welches monumentale Desinteresse der  durchschnittliche russische Beamte gegenüber dem Geschick eines Wald- und Wiesen-Touristen an den Tag legte. Dass es am IMG-20180514-WA0029Schluss dennoch zu einem happy-end kam, ist der tatkräftigen Hilfe von Jaroslaw Arbuznikow zu verdanken, des Rezeptionisten des Radisson Park Inns, dem es mit Ausdauer und Charme gelang, eine der vollkommen arbeitsunwilligen Beamtinnen dazu zu bewegen, mir eine neue Migrationskarte auszustellen. Selbstverständlich aber erst, nachdem ich nach allen Regeln der forensischen Kriminalistik daktyloskopisch behandelt worden war.

Wolgograd als Stadt war auch nach dem Ende der UdSSR eine Hochburg der Kommunisten gebleiben und hatte im IMG_3851Jahre 2000 kurz davor gestanden, ihren alten Namen Stalingrad wieder anzunehmen. Nur die Entmachtung der Provinzgouverneure durch Putin im Jahre 2001 hatte diesen Rollback verhindert. Auf der anderen Seite waren die Passanten, die man nach dem Weg fragte, die Garküchenbetreiber und die Straßenbahnschaffnerinnen von liebenswürdigster Freundlichkeit. Viel zu sehen aber gab es trotzdem nicht wenn man einmal von der gigantischen  87 Meter hohen Kolossalstatue „Mutter Russland“ auf dem Marmarjew Hügel am Stadtrand absah. Die zweite Sehenswürdigkeit  Stadt war das „Stalingrad Museum“, das die Schlacht um Stalingrad in allen nur denkbaren Details dokumentierte. Da gab es einen mit 187 Kugeln zersiebten Uniformrock eines russischen Helden, fünfzig Meter lange Kolossalgemälde, jede Menge Orden, Waffen und Kartenskizzen über die größte Schlacht IMG_3952der Weltgeschichte, an der zwei Millionen Soldaten, 2000 Panzer und 2000 Flugzeuge teilgenommen hatten (Eintritt 150 Rubel). Vor die Wahl gestellt, das Museum zu besuchen oder das große Stalingrad Buch „Leben und Schicksal“ von Wassili Grossmann zu lesen, würde ich mich dennoch für das Buch entscheiden.

Für  Mutter Russland und Die Schlacht von Stalingrad reichte der Vormittag und Mittag des 7. Tages. Gegen 15.30 Uhr fuhren wir mit dem Zug 013KA, der aus Moskau kam, nach Sotschi weiter.  Diesmal besaßen wir ein Abteil ganz für uns allein, konnten uns so richtig breit machen, Tee und Kaffee trinken, lesen schreiben und die Veränderungen des  der Landschaftsbildes auf uns wirken lassen. Nachträglich kann ich allen Reisenden die Fortbewegung per Zug in Russland nur empfehlen. Man erlebt während der langen Fahrten  wohltuende Stunden der Entschleunigung. Man sieht viel von der Landschaft, lernt Menschen kennen und kann sich endlos in seiner Reselektüre verlieren.

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Zuerst fuhr der Zug an der Kalmückensteppe östlich der Wolga vorbei. Ihr schloss sich später die Ebene der Kuban-Kosaken zwischen dem Kaspischen und Schwarzen Meer an. Nach etwa 15 Stunden Fahrt erschienen schließlich am Morgen des 8. Tages die Ausläufer des Kaukasus am Horizont Mächtige, grün bepelzte Berge erhoben  sich links und rechts der Gleise, Bergdörfer zogen am Fenster vorüber, Tunnel folgte auf Tunnel und schließlich erreichten wir das Schwarze Meer. an dessen Ufer der Zug die letzte Strecke bis Sotschi entlangfuhr.

IMG_4073Sotschi, seit der Putin-Olympiade von 2014, weltbekannt, entpuppte sich als ein gehobener  Badeort der russischen Mittelkasse. Trotzdem konnten die aufwändigen Hotelanlagen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Strände von Sotschi so ziemlich das Mickrigste waren, was es in Europa zu sehen gab: Lauter Kiesmulden ohne einen Hauch von Schatten, in denen die Russen ihre Winterhaut bräumen ließen. Schön war Sotschi IMG_4091nur in seinen Grünanalgen und aus der Distanz. Auf einer Bootsfahrt (anderthalb Stunden 450 Rubel) konnte man aus einiger Entfernung die Küste des Schwarzen Meeres wie ein Panoramafoto bewundern, eine endlose Kette großer, zum Teil kühner Hotelneubauten, über denen sich im Landesinnern die Berge des Kaukasus erhoben. Da der Himmel wolkenlos war, sahen wir sogar über dem Nachbarort Adler die Eisgipfel des Elbrus am Horizont.

IMG_4073Etwas Besonderes zu sehen gab es in Sotschi ansonsten nicht, wenn man einmal von den Shoppingmeilen  absah. Der Rivera Park war ein besserer Rummelplatz, im Yachthafen lagen die Boote der Reichen und der Schönen, die auf Abstand zum Volk hielten. Unser Hotel, das Marins  Park Hotel in Ufernähe kann ich allerdings empfehlen, nicht nur wegen des unschlagbaren Preises (4000 Rubel für zwei Personen mit Frühstück) sondern auch wegen des reichhaltigen Mittagsbuffets inklusive Wein für schlappe 400 Rubel.

Damit war unsere Reisen fast schon zu Ende. Am nächsten Morgen, dem 9. Tag,  spazierten wir noch einmal durch die Parks der Stadt und ließen uns anschließend  zum Flughafen in den Nachbarort  Adler fahren. Ein letzter Blick aus dem Flugzeugfenster  auf den Kaukasus, dann verschwanden die Berge und unter uns erstreckten sich wieder die endlosen Ebenen Russlands.  Wir hätten von Moskau aus auch gleich nach Frankfurt weiter fliegen können, doch ich hatte Moskau 2002 zum letzten Mal gesehen und wollte meine Eindrücke ein wenig auffrischen.

Schlecht an unserem Kurzbesuch in Moskau waren die Preise. Hatte man Pech, zahlte man 3000 Rubel für den Taxitransfer, hatte man Glück, waren es 2000 Rubel, was immer noch IMG_4275eine Menge war. Unser Hotel „Mokhovaya Moscow“ kostete das Doppelte wie die Hotels in Kazan oder Sotschi, lag aber extrem zentral in Kremlnähe. So endete unsere Reise am 10. Tag mit einem vormittäglichen Rundgang über den Roten Platz, einem Spaziergang die Moskwa entlang zur Erlöserkathedrale und schließlich zum Kreml, der mir erheblich voller vorkam als bei meinem letzten Besuch. Viel Neues im Vergleich zum letzten Mal habe IMG_4289ich nicht gesehen, allerdings brachen der Straßenverkehr und der Touristenansturm der Ostasiaten alle Rekorde.  Schon am Nachmittag fuhren wir wieder zum Flughafen. Um 21.15 Uhr landeten wir mit Aeroflot in Frankfurt, um 22.20 Uhr saß ich im Intercity nach Siegburg/Bonn, um Mitternacht erreichte ich die Nordstraße in Bonn.

Überblick über die Finanzen   pro Person

FLÜGE     Frankfurt-Moskau moskau-Jekaterinburg  Sotschi-Moskau Moskau Frankfurt  inklusive Rail and Fly               505,60 Euro
 
ZÜGE          Jekaterinburg – Kazan - Kazan – Wolgograd -  Wolgograd – Sotschi                                    325,00 E.

LEBEN Hotels, Essen, Trinken, Eintritte für 10 Tage    365,00 Euro
 
Visum                                                  85,00 Euro   

SUMME                                                  1275,00                                                        
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Das war´s
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