Senegal

2001 (177)Der Senegal ist  nicht irgendein Staat Afrikas, sondern er stand lange Zeit – zumindest was den französischen Kulturraum betrifft – für „Afrika“ schlechthin. Denn die Franzosen waren es, die im Jahre 1659 mit Saint Louis am Senegal die zweitälteste europäische Niederlassung in Afrika gründeten (nur sieben Jahre nach Kapstadt). Genau hier, an der Grenze von Maghreb und Schwarzafrika befand sich der Nukleus des französischen Kolonialreiches, das im 19. Jahrhundert ganz Westafrika umfassen sollte. Kein Wunder, der Senegal heute ein tief französisch geprägtes Land ist  – und das nicht zu seinem Nachteil. Sodann ist der Senegal ein Staat an der Grenze – an der Grenze zwischen dem arabisch-berberischen Maghreb und  Schwarzafrika, das sich in Kultur und Geschichte ganz anders darstellt als der Norden. Wer also Westafrika, eine ganz eigene Nuance der Welt, kennenlernen möchte,  findet im Senegal einen idealen Ausgangspunkt. Bereisen kann man den Senegal natürlich am bequemsten im Rahmen einer organisierten Rundreise. Die sind zwar sehr teuer, aber sicher ihr Geld wert. Wer aber mit Gruppenreisen seine Probleme hat und liebere das Land selbstorganisiert  erkunden möchte, der lese den folgenden Text.

17 Westafrika

FLUG: Die beiden gebräuchlichsten Flugverbindungen nach Dakar starten von Brüssel und Lissabon aus. Der Vorteil der belgischen Verbindung liegt darin, dass es einen Direktflug von Brüssel nach Dakar gibt. Der Vorteil der Lissabon-Verbindung besteht in der Möglichkeit von Köln aus den Zubringer nach Lissabon zu nehmen. Preislich liegen die Flüge zwischen 600 bis 700 Euro pro Person. Aber Achtung: Mache scheinbar extrem günstige Tickets beinhalten keine Koffer, für die man dann pro Gepäckstück 70 Euro extra berappen muss. Außerdem sind die Flugzeiten von Air Portugal etwas herbe. Die Maschinen landen in Dakar um 2.00 Uhr in der Nacht, und der Rückflug beginnt schon eine Stunde später. Gebucht werden können solche Flüge hier.

ANKUNFT:  Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es jedem etwas mulmig werden kann, wenn er eine unbekannte afrikanische Millionenstadt ansteuert. Ich nenne das das „Johannesburg-Syndrom“ und halte das keineswegs für übertriebene Ängstlichkeit  sondern für einen berechtigten Vorbehalt. So ging es mir auch bei Dakar, über das man durchaus Unterschiedliches hört und liest. Deswegen habe ich über booking-com vorab ein kleines Hotel in Dakar gebucht, das einen hoteleigenen vlcsnap-2017-12-07-07h43m21s541Hoteltransfer anbot, der tadellos funktionierte und nur umgerechnet 15 Euro kostete. Es war schon ein Hammer, als ein riesiger Senegalese mit meinem Namenschild um 2.00 Uhr in der Nacht am Flughafen von Dakar auf uns wartete. Die Schlepper hatten das Nachsehen. Die Einreiseprozedur unterschied sich übrigens wohltuend von der anderer afrikanischer Staaten und ging in Nullkommanichts über die Bühne.

Ein Einreisevisum war nicht erforderlich. Als Prophylaxe haben wir Malariatabletten genommen, beginnend drei Tage vor der Reise und endend eine Woche nach unserer Rückkehr Geldwechseln kann man sofort nach der Ankunft in der Eingangshalle des Flughafens von Dakar am Geldautomaten.  Die Währung im Segal ist der sogenannte CFX, der westafrikanische France. Für 100 Euro erhält man ca. 66.000 CFX.  Das heißt, man teilt die Zahl der CFX durch 1000 und schlägt noch mal 50 % drauf. Für Leute meiner Generation (Studienabschluss um 1980) ist das kopfrechnerisch kein Problem. Später geborene müssen die Rechenmaschine nehmen (Das war jetzt natürlich ein Witz).

Das Hotel „Ville Blanche kostet knapp 50 Euro pro Nacht für zwei Personen, worin auch ein gutes Frühstück enthalten war. Das Zimmer hatte  ein eigenes Bad, eine Klimaanlage und eine Terrasse, auf der wir morgens unseren ersten Kaffee tanken. Meinen 1001 (2)Heißwasserboiler hatte ich samt Kaffeevorräten wie immer dabei, die Steckeranschlüsse entsprachen den deutschen Normen. Der Manager des Hotels war auf Zack und jederzeit in der Lage, den Weitertransport zu organisieren oder entsprechende Auskünfte zu geben. Ein weiterer Vorteil des Ville Blanche bestand darin, dass es sich in fußläufiger Entfernung zum  „Monument de la Renaissance Africaine“ befand. Man ging einfach die Corniche rechts zehn Minuten nach Norden und stand plötzlich vor dem Riesenoschi. Kulturkritikern meckern über dieses gewaltige Bauwerk, mir hat es gefallen, nicht zuletzt, weil es jeden postmodernen Schickschnack vermeidet, ausdrückt, was es ausdrücken will und außerdem seinen Besuchern einen  schönen Blick auf Dakar bietet. Dabei gibt es zwar nicht viel zu sehen, weil Dakar sehr flach ist, aber man erkennt immerhin, dass man in der Nacht auf einem Flughafen gelandet ist, der inzwischen fast völlig von der Stadt umgeben war.

So begann unsere Erkundung der Millionenstadt  Dakar gleich am ersten Tag mit einem Augenöffner.  Mindestens ebenso interessant waren aber die Senegalesen selbst. Es handelte sich um hochgewachsene, fast immer sehr gut gebaute und ausgesprochen gut aussehende Männer und Frauen, die sich in bunten Gewändern durch die Straßen IMG_1764bewegten. Sie haben eine sehr dunkle Haut,  herrliche Raubtierzähne, große Augen und zeigten ein Verhalten zwischen Höflichkeit und Heiterkeit. Bedenkt man die Härten und die Enge, in denen diese Menschen leben müssen, erstaunte ihr properes Auftreten und ihre vornehme Contenance. Natürlich gab es auch Abweichungen von dieser Regel, aber sie waren wirklich selten, und es war kein Problem ihnen auszuweichen. Etwa die Hälfte der Senegalesen gehört zum Volk Wolof, im Süden gab es aber auch Mandingas, dem Publikum aus dem Leben Kunta Kintes  bekannt. Verkehrssprache ist Französisch, mit dem man gut durchs Land kommt. Inzwischen klappt es sogar mit Englisch.

Ebenfalls in der Nähe der Ville Blanche befand sich die Moschee de la Divinite unterhalb IMG_1739der Küstenstraße in einer kleinen Bucht. Das hatte etwas Malerisches, und noch malerischer wurde es, als wir heruntergingen und das kleine Dorf neben der Moschee besichtigten. Jeden Abend fand hier  eine Art öffentliche Volksertüchtigung statt, das heißt hunderte junger Männer (und auch Frauen) joggten die Treppe herauf und herunter, 2001 (126)liefen den Strand entlang und vollführten Liegestützen, als hätten sie den Gottseibeiuns im Leib. Körperliche Ertüchtigung als Vademecum gegen die Tristesse des täglichen Lebens?  Bunte Boote waren an das Ufer gezogen worden, Kinder holten Wasser aus einem Brunnen, und die älteren Anwohner saßen in einem kleinen Café´ in der Nähe des Ufers und beobachten den Sonnenuntergang. Ein Beauftragter der Gemeinde trat an mich herantrat und berechnete mit für meine Fotos eine Gebühr von  1000 CFX (1,50 Euro). Das fand ich in Ordnung.

Um vom der Ville Blanche in das Zentrum zu kommen, benötigt man allerdings ein Taxi. In Dakar ein Taxi zu bekommen ist die einfachste Sache der Welt, weil von drei Autos in Dakar 1001 (0)) Dakar-Indépendancezwei Taxen sind. Man hält die Taxen an, vereinbart den Preis (das allerdings sollte man unbedingt vorher tun) und fährt los. Der Fahrtpreis von der Ville Blanche zum „Place de la Independance“ betrug 3.000 CFX und das war wahrscheinlich noch zu viel. Unser Taxifahrer war gut gelaunt und ließ volles Rohr das Radio laufen.  Zu meiner Überraschung hörte ich Yussuf N`Dour und realisierte zum ersten Mal, dass er Senegalese ist. Manchmal hielt unser Fahrer auch ein Schwätzchen mit einem Taxifahrer, der auf der Nebenspur fuhr  In der 2001 (115)Innenstadt allerdings hörte der Spaß auf. Zweimal sind wir derart in Staus geraten, dass wir das Taxi verlassen mussten (allerdings sollte man dann einen angemessenen Preis bezahlen),  um zu Fuß weiterzulaufen. Rückblickend würde ich sagen, dass die Stadtdurchquerung mit dem Taxi auf dem Weg zur Anlagestelle der Fähre nach  Goree vollkommen genügt. Durch die Stadt und ihre Abgase zu Fuß unterwegs zu sein, ist nur was für Masochisten. Wer sich für die Geschichte Westafrikas interessiert, sollte sich aber für das  IFAN Museum of African Arts einen gesonderten Tag Zeit nehmen.

Absolutes Highlight eines Dakaraufenthaltes ist der Ausflug auf die Insel Goree im Golf von Dakar. Etwa sechs oder sieben Mal am Tag bedienen Fähren in beiden Richtungen die halbstündige Überfahrt. Seit dem Welterfolg „Roots von Alex Haley steht die Insel Goree in dem Ruf einer der großen Hauptumschlagplätze des atlantischen Sklavenhandels gewesen 2001 (40)zu sein. Wer auch nur einmal einen Fuß auf die Insel gesetzt hat, weiß, dass das nicht stimmten kann. Dafür waren die Schiffsanlagestellen in Goree viel zu ungünstig. Es gab zwar Sklavenhandel auf Goree, aber keineswegs in dem Umfang, wie es die bisherige Geschichtsschreibung unterstellte. Trotzdem waren die Überreste dieser dunklen Tage bedrückend genug: das Gefängnis mit seinen Sklavenzellen, die sogenannte „Treppe ohne Wiederkehr“ erzählten die Geschichte einer jahrhundertelangen Verschleppung, an der durchaus auch die Afrikaner als Täter aktiv waren. Kriegerische Eingeborenenvölker wie die Aschanti im Landesinnern jagten ihre Nachbarn, raubten Männer, Frauen und Kinder, und brachten sie an die Sammelstellen an der Küste, um sie  Portugiesen, Franzosen, Holländern und Engländern gegen Feuerwaffen zu verkaufen. Die Reise ohne Wiederkehr ging dann unter unvorstellbaren Bedingungen nach Nordostbrasilien und in die Karibik, wo dementsprechend heute der größte Teil der Bevölkerung westafrikanischen Ursprungs ist. Erst im 19. Jahrhundert, als die Briten den Sklavenhandel auf dem Atlantik verboten, 2001 (58)lief dieser Menschentransfer langsam aus. Die Insel Gore, eine der zahllosen Zwischenstationen dieses Menschentransfers, fiel in eine Art kolonialem Dornröschenschlaf. Nur noch das stilisierte steinerne Segel am höchsten Punkt der Insel erinnert an die Epoche des Sklavenhandels. Der Rest waren bunte Häuser, Blumen in den Seitengassen, Kolonialambiente, ein winziger Hafen und nicht zuletzt die Aussicht auf die Skylinie von Dakar.  Eine Idylle an der Küste Westafrikas, die von ihrem Mythos lebte.

Zwischen Dakar und der Grenze nach Gambia  befindet sich die sogenannte „Petite Cote“, das Zentrum des Fernreisetourismus. Hier reihen ganz ähnlich wie am Kombo Beach im benachbarten Gambia die Ressorts aneinander wie die Perlen der vielzitierten Schnur, ohne dass es deswegen so überlaufen und sextouristenverseucht wäre wie im Süden.  Wir fuhren nach Saly Portudal, dem Zentrum der Petite Cote in das Hotel Royam, das neben b (4)dem Hotel Lamartine und dem Baobab Hotel beste Haus weit und breit. Die Anlage war zum Verlieben, aber auch nicht billig. Es gab drei Bungalowkategorien: (15, 20, 25 qm): die ersten in der Parterre mit einer etwas kümmerlichen Terrasse, die zweite im ersten Stock mit einer riesigen Veranda und die dritte unmittelbar in Meeresnähe. Ein Doppelzimmer für zwei Personen mit Halbpension in der zweiten Kategoire kostete 150 Euro am Tag, was für Afrika ganz schön happig war. Aber dieses Zimmer war es wert, man war vollkommen für sich, es war ruhig und geräumig und mit jenem Quantum Luxus versehen, der zur Tiefenentspannung einfach dazugehört.  Leider fiel während unserer Anwesenheit in allen Zimmern in der ersten Etage drei Tage lang das Wasser aus, so dass ich mich an der leidlich funktionierenden Stranddusche waschen musste. Dafür wurde uns der letzte Tag, wo wir erst gegen 22.00 Uhr in der Nacht das Hotel verließen samt Halbpension praktisch geschenkt. Allerdings auch erst, nachdem ich kräftig auf den Putz gehauen hatte.

Nachdem wir uns einige Tage im Hotel Royam erholt hatten, juckte es uns, mehr vom Land zu sehen. Ich wollte,  koste es, was es wolle, unbedingt Saint Louis besuchen, die alte Hauptstadt Französisch- Westafrikas, die direkt an der Grenze zu Mauretanien liegt.  Von Saint Louis aus war Saint Exupery zu seinen Atlantikflügen aufgebrochen, von Saint Louis aus waren die Entdecker den Senegal hochgefahren und in das Innere Westafrikas 001 (72)eingedrungen. Am Ende war Saint Louis die stolze Hauptstadt ganz  Französisch Westafrikas gewesen, ehe ihm das erheblich günstiger gelegene Dakar den Rang abgelaufen hatte.

Ursprünglich hatte ich vorgehabt, von Dakar aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln  nach Saint Louis zu fahren. Das wäre verkehrstechnisch kein Problem gewesen, denn es existierte im Norden von Dakar ein Busbahnhof, von dem aus Fuhren nach Saint Louis im Viertelstundenrhythmus starteten. Außerdem verkehren regelmäßige Sammeltaxen zwischen Dakar und Saint Louis, die Platz für sieben Personen boten und für die vierstündige Fahrt nur 10.000 CFX (15 Euro) berechneten. Da ich aber mit Lilia unterwegs war, verzichte ich auf diese Variante  und beschloss, Saint Louis von der Petite Cote aus zu besuchen. Wir buchten im Hotel Royam eine  organisierte Tour mit Führung und Verpflegung, die uns  für 100 Euro pro Person im Rahmen eines sehr langen Tages von Saly Portudal nach Saint Louis und Zurück brachte. Nachträglich würde ich sagen, dass diese Tagestour tatsächlich sehr, sehr lange gewesen ist. Sie begann um 6.30 Uhr in der Frühe,

nach viereinhalb Stunden gegen  11 Uhr trafen wir in dem 260 km entfernten Saint Louis ein. Die Rückreise startete gegen 15.00 Uhr und erst gegen 21.00 Uhr waren wir wieder im Hotel. Auf der Hinreise durchquerten wir Thies und Tivaouane (letzteres ein religiöses Zentrum der Tijanidenbruderschaft) und kamen wegen der frühen Tageszeit noch ganz gut durch. Dann endete die bevölkerungsreiche Zone, und die nördliche Savanne begann, eine endlose Straße, die weit über Saint Louis hinaus, durch Mauretanien und Marokko bis nach Gibraltar führte. Diese Straße habe ich in meinem Nordafrikabuch kurz skizziert, wen es interessiert, der lese hier.

Saint Louis liegt auf einer Insel im Mündungsgebiet des Senegal.  Seit über einem Jahrhundert ist die Insel durch die berühmte Stahlbrücke von Gustave Eiffel mit dem 3001 (65)Festland verbunden. Die Eisenbahn, die früher Saint Louis mit Dakar verband, ist allerdings nicht mehr in  Betrieb. Auf den ersten Blick ähnelt die Stadt mit ihren rechtwinkligen Gassen einem (allerdings mächtig heruntergekommenen) New Orleans, wenn nicht die schiere Masse der Menschen, die in dieser Stadt lebten, die Bausubstanz weit über Gebühr beansprucht hätte. Von den meisten Gebäuden bröckelte der Putz von den Wänden, die Farben waren verblichen, und die Begrünung auf dem Rathausplatz war verdorrt. Die edle 3001 (76)Metropole Gouverneurs Faidherbes war auf den Hund gekommen, aber noch immer auf eine recht malerische Weise, wie wir bei unserer Rundfahrt mit einer Pferdedroschke feststellen konnten. Es handelte sich übrigens um die erste touristische Pferdedroschkenfahrt meines Lebens, und ich musste mir eingestehen, dass ich nun das Alter erreicht hatte, in dem diese Art der Stadterkundung nicht mehr vollkommen ausgeschlossen war. Bald verließen wir das malerisch verfallende Zentrum der Kolonialstadt und erreichten über eine weitere Brücke die lange Halbinsel hinter der Stadt, die Saint Louis gegen den Atlantik abschirmt. Was man hier in den Vierteln Goxu Mbathie und Santhiaba zu sehen bekam, war nichts für schwache Nerven. Wir durchquerten mit 3001 (120)unseren lächerlichen Pferdedroschken einen so ungeschminkten Teil Afrikas, wie ich es selbst in Madagaskar oder Sansibar nicht gesehen hatte. In einem unbeschreiblichen Chaos liefen Zehntausende Männer, Frauen und Kinder zwischen bunt bemalten Booten, 3001 (133)Baustellen, Fahrzeugwracks und Müllkippen hin und her, bewegten sich nach der Regie der Not und Knappheit wie in einem  immerwährenden Hamsterrad des Lebens. Der seltene Fall eines Ortes, in dem das reine Elend das Pittoreske überdeckte. 3001 (142)Nirgendwo habe ich eindringlicher begriffen, dass   Afrikas Problem nicht der Klimawandel oder die Arbeitsmoral, nicht die Korruption der Eliten oder die mangelnde Infrastruktur sondern die Bevölkerungsexplosion ist. Die Menschen können sich den Hintern wund arbeiten wie sie wollen. Gegenüber den Folgen ihrer rasenden Vermehrung werden alle zaghaften Produktivitätsfortschritte zu Makulatur. Afrika erstickt an den viel zu vielen und jeder dieser Vielzuvielen lebt als ein eigenes Universum mit Streben nach einem menschenwürdigen Leben. Wer soll das begreifen?

Die Rückreise wurde zu einer sechsstündigen Agonie mit mehreren schier endlosen Staus. In Tivaouane, etwa auf halber Strecke, fand genau am Tag unserer Reise eine große Wallfahrt der Tijaniden statt. Die Tijaniden sind neben den Mouriden eine der beiden großen islamischen Bruderschaften des Senegal, die das gesamte religiöse und öffentliche Leben prägen. Überall hingen Bilder frommer Scheichs, die im 19. Jahrhundert den Senegal im Kampf gegen die französische Kolonialherrschaft für den Islam missioniert hatten. Heute bilden übrigens diese moslemischen Bruderschaften die beste Sicherung gegen das Vordringen des  islamistischen Terrorismus. Tijaniden und Mouriden sind im 300px-Touba_moscheeLand verwurzelt, besitzen enge Netzwerke in allen Städten, so dass die von außen ins Land einsickernden Anhänger von Al Qaida, Boko Haram oder des islamischen Staates wenig Resonanz finden.  Der innere Aufbau dieser islamischen Bruderschaften wäre übrigens ein Thema für sich. Die Mouriden etwa, die ihre große Moschee in der heiligen Stadt Touba im Landesinnern haben, beherrschen die senegalesische Erdnussindustrie, und für einen frommen Mouriden gehört es zur Selbstverständlichkeit, regelmäßig der einer Erdnussfarm eines Mouridenscheichs zum Nulltarif zu arbeiten. Die religiösen Träume der Völker sind mitunter so rätselhaft, dass ich sie niemals ganz verstehen werde.

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Nach dem Besuch von Saint Louis war erst einmal wieder Erholung im Hotel Royam angesagt Wir waren wegen des Wassermangels von unserem wunderbaren Zimmer mit der Riesenveranda im ersten Stock in einen Bungalow direkt ans Meer gezogen. Nun war zwar die Terrasse kleiner, aber dafür  war das Zimmer größer, und wir hörten Tag und Nacht das d (46)Rauschen des Ozeans. Kaum mehr als zehn Schritte vom Bett bis zur Strandliege, das war neben der Droschkenfahrt von Saint Louis mein zweiter persönlicher Minusrekord. So verflogen die Tage zwischen einem späten Frühstück, Sonnen, Lesen und Baden, einem Mittagsschlaf, dem Sundowner und dem Abendessen am Pool. Da wir gerade beim lesen sind: Als Strandlektüre uneingeshränkt empfehlen kann ich den Roman „Segu“ von Maryse Conde. Das Hotel war durch und durch frankophil, das heißt, neunzig Prozent der Gäste waren Franzosen und Wallonen, dann und wann gab es auch ein paar Holländer und ganz wenige Engländer. Wir waren die einzigen Deutschen. An jedem zweiten Tag gab es a la b (28)Carte zum Abendessen mit drei Gängen, was ganz ausgezeichnet schmeckte. Das alternative Buffet  das es einen auf den anderen Tag gab, war dagegen, was die Breite der Auswahl  betraf, steigerungsfähig.  Nicht ganz einfach war es, sich auf die Kellner einzustellen, lauter  prächtige Kerle, die in ihrer Spontaneität und Kontaktfreude mitunter  die rechte Distanz zum Gast vermissen ließen. Viele, die das das ganz sicher nicht böse meinten, gewöhnten sich an, die Gäste am Abend mit Handschlag und Küsschen zu begrüßen. Professionelle Distanzierung als Verhaltensstil wartete im Hotel Royam noch auf ihren Durchbruch.  Wovon ich im Hotel Royam nur abraten kann, ist der Genuss von Rotwein zum Abendessen. Er wurde immer eiskalt an den Tisch gebracht. Und wenn ich ihn zurückgehen ließ und stattdessen einen Weißwein bestellte, warnte mich der Kellner, der wäre auch eiskalt.

Unser letzter Ausflug führte uns zum Bandia Reserve, einem Wildgehege auf halbem Weg 3001 (290)zwischen Saly Portudal und Dakar. Eine Rundfahrt im offenen Truck durch das Bandia Reserve war zwar nicht mit einer Serengeti- oder Ngorongorotour vergleichbar, sie ermöglichte es aber recht zuverlässig, Giraffen, Affen, Flusspferde, 3001 (313)Zebras Strauße, Krokodile und allerlei Kleingetier zu sehen. Und so etwas darf schließlich nicht fehlen, wenn man in Afrika ist, oder?

Nach anderthalb Wochen hieß es schon wieder Abschied zu nehmen. Weil die örtlichen Agenten von TUI oder Thomas Cook unverschämte Preise für den Flughafentransfer nach Dakar verlangten ( 80 Euro für zwei Personen) heuerte ich einen Taxifahrer von der Straße an, dessen Wagen zwar aussah wie frisch vom Schottplatz geklaut,  der den Transfer aber ohne Schwierigkeiten für 20.000 CFX (30 Euro) abwickelte.  Da es schon fast Mitternacht war, als wir das Hotel verließen, blieben uns große Staus erspart. Um 3 Uhr in der Nacht startete der Flieger der Air Portugal seinen dreieinhalbstündigen Flug nach Lissabon. In Bonn erwartete uns der Wintereinbruch bei null Grad.

Wie teuer war die Reise in den Senegal? Vorweg: Ganz Billig war es nicht. die Reise nach Gambia oder auf die Kapverdischen Inseln war preiswerter, dafür war die geballte Ladung Afrika, die man im Senegal mitbekam, um Klassen intensiver. Hier sind die Kosten dieser Reise für zwei Personen:

Flug Köln Lissabon Dakar und zurück        1200 Euro

Hotel mit Frühstück Dakar                              100 Euro

Hotel Royam mit Halbpension                       900 Euro

Ausflug Saint Louis                                             200 Euro

Ausflug Bandia Reserve                                      80 Euro

Taxitransfers                                                         100 Euro

Sonstiges                                                                110 Euro

SUMME                                                                    2740 Euro

 

Pro Person kostete die Reise also 1.370 Euro für anderthalb Wochen. Zum Vergleich: Eine Studiosus-Rundreise durch den Senegal, die nur drei Tage länger dauert und nicht viel mehr bietet, kostet pro Person 4.695 Euro. Da sage ich nur: Gute Reise!

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