{"id":8423,"date":"2022-01-12T07:31:30","date_gmt":"2022-01-12T07:31:30","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=8423"},"modified":"2025-06-03T10:32:50","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:50","slug":"kapitel-4-der-kaplan-aus-kapitel-22-im-buch-s-697-710","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/kapitel-4-der-kaplan-aus-kapitel-22-im-buch-s-697-710\/","title":{"rendered":"Kapitel 4: DER KAPLAN (aus Kapitel 22 &#8211; im Buch S.697-710)"},"content":{"rendered":"<p><b> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8366 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-900x571.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-900x571.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-1893x1200.jpg 1893w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-768x487.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-1536x974.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/05_20211014_105933-1-2048x1298.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/b><strong><em>1983: Nach der Ausrufung des Kriegsrechts herrscht der Ausnahmezustand. Andrzej G\u00f3rski beobachtet im Auftrag der Spezialabteilung von Major Boranzeff den Priester Jerzy Popie\u0142uszko, dessen \u201eMessen f\u00fcr die Heimat\u201c in Warschau \u017boliborz &nbsp;massenhaften Zuspruch finden. Die Leseprobe beschreibt die Entf\u00fchrung und Ermordung des Kaplans in enger Anlehnung an die Fakten, die&nbsp; Cesare G. Zucconi in seinem Buch \u201eJerzy Popie\u0142uszko\u201c (W\u00fcrzburg&nbsp; 2020)&nbsp; \u00fcber den konkreten Ablauf des Mordes zusammengetragen hat.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Mitten in Warrschau-\u017boliborz befand sich die Kirche St. Stanis\u0142aw Kostka, ein wei\u00df gekalktes Geb\u00e4ude mit zwei Kircht\u00fcrmen und einem angeschlossenen Friedhof. Hier wirkte ein junger Kaplan namens Jerzy Popie\u0142uszko, der den Beh\u00f6rden schon mehrfach aufgefallen war. Jerzy Popie\u0142uszko war ein schlanker, hochgewachsener Geistlicher, der als Seelsorger im \u00f6rtlichen Krankenhaus arbeitete, Wallfahrten organisierte und die Solidarit\u00e4tskomitees f\u00fcr die politischen Gefangenen unterst\u00fctzte. Als sei das noch nicht genug, hielt er neuerdings an jedem letzten Sonntag im Monat eine sogenannte \u201eMesse f\u00fcr die Heimat\u201c ab, w\u00e4hrend der er die Regierung kritisierte, als g\u00e4be es keinen SB und keine ZOMO.&nbsp; Dieser Geistliche war der Partei ein Dorn im Auge, denn sein Zulauf wuchs. Wenn man hier nicht fr\u00fch genug eingriff, konnte die Anh\u00e4ngerschaft des Kaplans schnell ins Unkontrollierbare wachsen.<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej G\u00f3rski begab sich zu einer dieser Messen und stellte fest, dass die Kirche bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt war. Die \u00e4u\u00dfere Erscheinung des Kaplans wirkte wenig beeindruckend, seine Stimme war nicht besonders kr\u00e4ftig, aber was er sagte, war pr\u00e4zise und eindeutig. Akribisch berichtete er \u00fcber die Polizeieins\u00e4tze und Verhaftungen des letzten Monats, verlas Briefe, die Gefangene aus den Internierungslagern geschrieben hatten und sammelte Spenden zur Unterst\u00fctzung der Familien, die ohne ihre inhaftierten V\u00e4ter \u00fcber die Runden kommen mussten. Wenn er sich nicht gerade mit konkreten Vorf\u00e4llen besch\u00e4ftigte, verlor er sich gerne ins Philosophieren, was bei seinen Zuh\u00f6rern besonders gut anzukommen schien&nbsp; Immer wieder kam er in seinen Predigten auf das zu sprechen, was er \u201eWahrheit\u201c nannte. <em>Um seelisch frei zu bleiben, muss man in der Wahrheit leben\u201c, <\/em>predigte er.<em>&nbsp; \u201eLeben in Wahrheit bedeutet, die Wahrheit \u00e4u\u00dferlich zu bezeugen, sich zu ihr zu bekennen und in jeder Situation nach ihr zu verlangen. Die Wahrheit ist unver\u00e4nderlich. Unsere Gefangenschaft beruht darauf, dass wir uns der Herrschaft der L\u00fcge ergeben, statt sie zu demaskieren oder gegen sie t\u00e4glich zu protestieren.\u201c&nbsp;&nbsp; <\/em>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Ein andermal sprach er \u00fcber die L\u00fcge und Angst. \u201e<em>Die Angst ist der gr\u00f6\u00dfte Makel des Apostels\u201c, <\/em>rief er<em>. Sie schn\u00fcrt das Herz ein und dr\u00fcckt den Hals zu. Jeder, der gegen\u00fcber den Feinden seiner gerechten Sache schweigt, ermutigt sie. Zum Schweigen durch die Angst zu zwingen, ist die&nbsp; erste Aufgabe einer gottlosen Strategie.&nbsp; Das Schweigen hat erst dann seine apostolische Aussage, wenn ich mein Gesicht vor Schlagenden nicht abwende.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej h\u00f6rte gut zu und fragte sich, wie strafbar diese Aussagen waren. Kein Zweifel, dass der Kaplan mit denjenigen, die die Wahrheit bek\u00e4mpften und Angst verbreiteten, Parteimitglieder meinte. Das war schon an den zustimmenden Reaktionen seiner Zuh\u00f6rer zu erkennen. Aber er sagte es nicht ausdr\u00fccklich.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Zu seiner \u00dcberraschung traf Andrzej G\u00f3rski bei einem seiner Besuche Dana Kolicki. Sie sa\u00df in einer der hinteren Reihen der Kirche und h\u00f6rte der Predigt zu. Sie war etwas schwerer geworden, hatte aber ihre Schmetterlingsaugen behalten, ebenso wie ihre feinen Gesichtsz\u00fcge, auch wenn bereits die ersten Falten sichtbar wurden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;Nach dem Ende des Gottesdienstes ging Andrzej G\u00f3rski zu ihr und begr\u00fc\u00dfte sie. Dana Kolicki ben\u00f6tigte einige Sekunden, ehe sie ihn erkannte.<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eAndrzej\u201c, sagte sie, \u201ewas machst du hier?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eDas frage ich dich\u201c,&nbsp; erwiderte Andrzej, griff Dana an den Ellenbogen und zog sie aus der Menge.&nbsp; Schweigend gingen sie eine Weile durch die Stra\u00dfen. In einem einfachen Caf\u00e9 kehrten sie ein.&nbsp;&nbsp; Als Dana ihren Mantel ablegte, sah Andrzej, dass sie ihre gute Figur behalten hatte. Ihr K\u00f6rper war weniger gealtert als ihr Gesicht, und auch das kam ihm merkw\u00fcrdig vertraut vor.<\/p>\n<p>&nbsp; Ohne dass Andrzej G\u00f3rski ausdr\u00fccklich fragte, begann sie zu erz\u00e4hlen. Sie habe Nowolipie verlassen, weil das Leben bei ihren Eltern unertr\u00e4glich geworden sei, sagte sie. Eine Zeitlang habe sie in Warschau mit Waldeck gelebt, aber dann habe sie sich von ihm getrennt, weil er sie schlug und zu viel trank.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej G\u00f3rski \u00fcberging die Erw\u00e4hnung seines Bruders und fragte: \u201eWas ist mit deinem Sohn?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eEs&nbsp; ist auch dein Sohn\u201c, erwiderte Dana und sch\u00fcttelte den Kopf. Dann sah sie Andrzej G\u00f3rski in die Augen. \u201cAber ich will ganz offen sein\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eDein Sohn ist ein Ungeheuer. Er war ein Monster vom ersten Tag seiner Geburt an. Er qu\u00e4lt die Tiere ohne Grund und hat Spa\u00df daran, die Kinder meiner Br\u00fcder zu piesacken. Auf mich hat er noch nie geh\u00f6rt, und der einzige, den er f\u00fcrchtet, ist mein Vater, weil der ihn mit dem Riemen verpr\u00fcgelt. In ihm steckt der Teufel, und ich wei\u00df nicht, wie meine Familie in Nowolipie mit ihm zurechtkommen soll.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej hatte sich eine Zigarette angez\u00fcndet und Wodka bestellt. Was er h\u00f6rte wunderte ihn nicht. \u201eUnd wovon lebst du?\u201c fragte er, ohne auf seinen Sohn einzugehen.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eIch habe eine Stelle im Krankenhaus gefunden\u201c, antwortete Dana. \u201eNicht als Krankenschwester, sondern als Hilfskraft. Ich mache die Betten, verteile das Essen und bringe den Abfall zu den M\u00fclleimern. Viel verdiene ich nicht, aber ich lebe in einer Gemeinschaftsunterkunft f\u00fcr ledige Frauen und komme zurecht.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eUnd du bist gl\u00e4ubig geworden\u201c, f\u00fcgte Andrzej hinzu.<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eGl\u00e4ubig? Nein. Aber ich bin gerne unter Menschen, und der junge Priester hat eine so sch\u00f6ne, angenehme Stimme.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eAber was er sagt, ist gef\u00e4hrlich\u201c, wandte Andrzej ein.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eDavon verstehe ich nichts.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej trank ein Glas Wodka nach dem n\u00e4chsten. Danas Gesicht verschwand vor seinen Augen.&nbsp; Sie war die Mutter seines Sohnes und verrottete in irgendeinem Winkel der Gro\u00dfstadt. Sein Bruder war ein Trinker und w\u00fcrde in der Gosse enden. Seine Eltern lagen in einem verwilderten Grab. Alles auf eine sehr einleuchtende Weise traurig, ohne dass es ihn ber\u00fchrte.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Der Abend endete damit, dass er Dana Kolicki mit in seine Wohnung nahm und mit ihr mit ihr schlief. Sie lie\u00df es geschehen wie eine Pflicht, gegen die man nichts unternehmen kann. Sie war weich und willig und blieb \u00fcber Nacht.<\/p>\n<p>&nbsp; Bald kam sie regelm\u00e4\u00dfig, s\u00e4uberte seine Wohnung, erledigte seine W\u00e4sche und stand ihm als Konkubine zur Verf\u00fcgung. Sie war da, wenn er nach ihr verlangte und forderte nichts. Schlie\u00dflich blieb sie \u00fcber die Wochenenden, kochte f\u00fcr ihn und erledigte alle notwendigen Eink\u00e4ufe. In der Nacht lag sie an seiner Seite wie ein gehorsames Haustier, dessen Anwesenheit ihm gut tat. Schlie\u00dflich zog sie bei ihm ein.<\/p>\n<p>&nbsp; In der Zwischenzeit hatte Major Boranzeff die Berichte \u00fcber Jerzy Popie\u0142uszko gelesen und das Kirchenamt der Partei informiert. Eine offizielle Beschwerde \u00fcber den Kaplan erging an den vorgesetzten Bischof. Der Bischof best\u00e4tigte den Erhalt des Schreibens, ermahnte Popie\u0142uszko, unternahm aber nichts weiter.<\/p>\n<p>&nbsp; Bei der n\u00e4chsten \u201eMesse f\u00fcr die Heimat\u201c sprach Popie\u0142uszko \u00fcber die p\u00e4pstliche <em>Enzyklika laborem exercens<\/em>. \u201eEs kann doch nicht sein\u201c,&nbsp; rief der Priester von Tausenden von Zuh\u00f6ren, \u201edass die Arbeit das Material veredelt und die Menschen ausgelaugt zur\u00fcckl\u00e4sst.&nbsp; Gerade dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, ist doch der Sozialismus angetreten. Nun ist es so weit gekommen, dass&nbsp; Material&nbsp; <em>und<\/em> der Mensch gleichzeitig zuschanden gehen\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej sah sich um und sch\u00e4tzte, dass weit \u00fcber f\u00fcnftausend Menschen anwesend waren. Die Leute standen bis auf die Stra\u00dfe und hingen an den Lippen des Priesters, als k\u00e4me Gold aus seinem Mund. Die Zuh\u00f6rer geh\u00f6rten allen Altersklassen und Bev\u00f6lkerungsschichten an. Viele Jugendliche waren anwesend, von denen G\u00f3rski nicht glauben mochte, dass es nur die Religion war, die sie an diesen Ort f\u00fchrte.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Am n\u00e4chsten Tag befahl Major Boranzeff Popie\u0142uszkos Vorladung.&nbsp; Andrzej G\u00f3rski fuhr zum Pfarrhaus nach \u017boliborz, um den Priester abzuf\u00fchren, traf aber zu seiner \u00dcberraschung auf Arbeiter, die den Zugang zum Haus bewachten. Es handelte sich um Schwei\u00dfer aus dem Stahlwerk Huta Warszawa, die eine schriftliche Vorladung der Staatsanwaltschaft verlangten, ehe sie Andrzej G\u00f3rski ins Haus lassen wollten. Andrzej \u00fcberlegte, ob er sich den Weg frei schie\u00dfen sollte, besann sich aber, als der Kaplan herauskam. Popie\u0142uszko war genauso gro\u00df wie Andrzej G\u00f3rski, aber wahrscheinlich nur halb so schwer. Seine Augen lagen tief in den H\u00f6hlen, der Mund war weich, das Gehabe h\u00f6flich, aber ohne Angst. Als er den Grund f\u00fcr Andrzej G\u00f3rskis Besuch erfuhr, sagte er zu,&nbsp; freiwillig&nbsp; zum Verh\u00f6r in der Beh\u00f6rde zu erscheinen.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Tats\u00e4chlich erschien der Priester in seiner Soutane am n\u00e4chsten Tag in der Polizeistation und wurde verh\u00f6rt. Anwesend war ein kirchlicher Anwalt, Popie\u0142uszko selbst, Andrzej G\u00f3rski und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, ein junger, \u00fcbereifriger Mann, der dauernd in seinen Papieren auf dem Tisch herumkramte. \u201eSie werden beschuldigt, staatsfeindliche Hetze zu betreiben und den Sturz der Regierung anzustreben\u201c, sagte der junge Staatsanwalt&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Der Priester h\u00f6rte zu und schwieg, der Anwalt verlangte Beweise.<\/p>\n<p>&nbsp; Der junge Staatsanwalt legte Mitschriften der Predigten auf den Tisch, deren Wahrheitsgewalt der Anwalt anzweifelte. Als ihm einige Passagen vorgelesen wurden, best\u00e4tigte&nbsp; der Anwalt die Richtigkeit, behauptete aber, dass nichts von dem Gesagten die Grenzen der Meinungs- und Religionsfreiheit \u00fcberschreite. Au\u00dferdem&nbsp; habe Vater Popie\u0142uszko&nbsp; in seinen Predigten den Sozialismus immer nur positiv hervorgehoben. Allerdings, das sei richtig, habe er bedauert, dass seine Umsetzung in Polen noch nicht optimal verlaufe Mit diesem Einwand konnte der junge Staatsanwalt nichts anfangen. Er verhaspelte sich und verlor den Faden, w\u00e4hrend Popie\u0142uszko schweigend und g\u00fctig l\u00e4chelnd dem Gespr\u00e4ch folgte. Was f\u00fcr eine Farce, dachte Andrzej G\u00f3rski. Nach zweist\u00fcndigem ergebnislosen Verh\u00f6r wurde der Priester entlassen.<\/p>\n<p>&nbsp; Sofort nachdem Popie\u0142uszko ins Pfarrhaus zur\u00fcckgekehrt war, veranlasst er eine gr\u00fcndliche Untersuchung seines Wohnbereiches. Schon nach kurzer Suche fand man&nbsp; westliche&nbsp; Zeitungen,&nbsp; Dollarnoten und Pornozeitschriften unter seinem Bett. Au\u00dferdem fehlte eine silberne Marienstatue. Mit Leszek Lotkowski als Zeuge und einigen Anwohnern, die einen Einbruch gesehen hatten wollen, begab sich der Kaplan zur n\u00e4chsten Polizeistation, pr\u00e4sentierte die Fundst\u00fccke und erstattete Anzeige.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Major Bornazeff tobte. \u201eWelcher Idiot hat diesen Einbruch durchgezogen?\u201c fragte er. \u201eAm helllichten Tag ohne Sichtschutz!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Kleinlaut erkl\u00e4rte Andrzej G\u00f3rski, dass er eine Bande aus dem Warschauer Rotlichtmilieu mit dem Einbruch beauftragt hatte. Leider hatten sie sich mehr f\u00fcr die Silberstauen als daf\u00fcr interessiert, die belastenden Dokumente sicher zu verstecken.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; In der n\u00e4chsten \u201eMesse f\u00fcr die Heimat\u201c waren auch Musiker und Dichter anwesend. Es wurde rezitiert und gesungen, ehe der Priester erschien. Die Zahl der Zuh\u00f6rer war derart gewachsen, dass man die Messe mit Lautsprechern auf den Platz vor der Kirche \u00fcbertrug.&nbsp; Andrzej G\u00f3rski sah, dass auch Priester aus den Nachbargemeinden anwesend waren. Der Kaplan war dabei, eine landesweite Ber\u00fchmtheit zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp; Ein Raunen lief durch die Menge, als Popie\u0142uszko erschien. Er trug sein langes Priesterornat,&nbsp; erkletterte die Kanzel und erz\u00e4hlte von seinem Verh\u00f6r auf der Polizeistation. Er lobte den Staatsanwalt, der sich korrekt verhalten habe und berichtete von dem Einbruch in seiner Wohnung. Eine kleine Statue der Madonna sei gestohlen worden, die ihm besonders am Herzen gelegen hatte. Aber nun sei sie bei den R\u00e4ubern und vielleicht w\u00fcrde sie dort ihre segensreiche Wirkung entfalten. Er vergebe den R\u00e4ubern, sagte der Priester, weil sie nicht wirklich w\u00fcssten, welcher Macht sie folgten. Diese Macht sei der Teufel. \u201e<em>Der Teufel ist nicht tot<\/em>\u201c, fuhr Popie\u0142uszko fort, und es wurde still in der Kirche. \u201e<em>Er hat nur gelernt, sich zu verbergen. Sein Reich ist die Verlogenheit, der Hass und die Furcht. Er triumphiert \u00fcber uns, wenn wir uns nicht t\u00e4glich in Gott st\u00e4rken und f\u00fcr uns f\u00fcr unsere in den Gef\u00e4ngnissen leidenden Br\u00fcder und Schwestern einsetzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp; Dieser Priester ist lebensm\u00fcde, schoss es Andrzej durch den Kopf. Er vergleicht die Partei \u00f6ffentlich mit dem Satan. Und die Tausende, die ihn an diesem Sonntag zuh\u00f6rten, schienen ihm zu glauben.<\/p>\n<p>&nbsp; Zwei Tage sp\u00e4ter deponierte Andrzej G\u00f3rski in der Nacht einen mit Sprengstoff pr\u00e4parierten Ziegelstein vor der T\u00fcre des Pfarrhauses. Am fr\u00fchen Morgen explodierte der Stein mit gro\u00dfem Get\u00f6se und zerschmetterte die Fensterscheiben der Vorderfront. Popie\u0142uszko blieb unbeeindruckt, zeigte den&nbsp; Anschlag bei der Polizei an und fuhr mit seinen Predigten fort.<\/p>\n<p>&nbsp; Inzwischen war seine Zuh\u00f6rerschaft auf \u00fcber 20.000 Menschen angewachsen. Eine Trib\u00fcne musste auf dem Vorplatz der Kirche errichtet werden,&nbsp; Selbst die Absperrungen der Polizei in den umliegenden Stra\u00dfen konnten den Zustrom der Gl\u00e4ubigen nicht stoppen<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Andrzej G\u00f3rski hatte Dana verboten, die Predigten des Priesters zu besuchen. Dana gehorchte, denn sie hatte ja nun eine andere Gesellschaft. Ihre Stelle im Krankenhaus hatte sie beibehalten, weil es ihr Freude machte, anderen Menschen zu Diensten zu sein. Andrzej G\u00f3rski h\u00f6rte ihr zu,&nbsp; was sie aus ihrem arbeitsalltag erz\u00e4hlte, auch wenn das, was sie erz\u00e4hlte, nicht besonders erbaulich war. In einem Stra\u00dfenzug am Rand der Weichsel war die Ruhr ausgebrochen, und die Erkranken blockierten eine ganze Etage des Krankenhauses. Jeden Tag wurden M\u00e4nner mit Knochenbr\u00fcchen einliefert, die sie sich bei der Arbeit, bei Verkehrsunf\u00e4llen oder Auseinandersetzungen mit der Polizei zugezogen hatten. Ein achtzehnj\u00e4hriger Junge war von der Polizei gr\u00fcn und blau geschlagen worden und im Krankenhaus an den Folgen der Misshandlungen gestorben.<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej G\u00f3rski wurde hellh\u00f6rig. Dariusz Wenzel hatte ihm von der Verhaftung einiger Jugendlicher berichtet, deren Eltern in den Solidarit\u00e4tskomitees arbeiteten. Man hatte sie, wie sich Wenzel ausdr\u00fcckte, \u201eein wenig hart rangenommen\u201c, um ihren Eltern einen Denkzettel zu verpassen. Wie es hie\u00df, war einer von ihnen bewusstlos geschlagen worden.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; \u201eWeist du, wie der Name des Jungen war?\u201c fragte Andrzej.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; \u201eNein, ich habe nur gesehen, wie er einen&nbsp; halben Tag lang auf der Intensivstation lag und wie sich die \u00c4rzte und Schwestern um ihn bem\u00fchten. Dann ist er pl\u00f6tzlich gestorben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bei der n\u00e4chsten Messe f\u00fcr die Heimat standen die Zuh\u00f6rer bis in die Seitenstra\u00dfen. Ein dumpfes Rauschen lag \u00fcber dem Platz wie eine Ank\u00fcndigung kommenden \u00dcbels.&nbsp; \u00dcberall, wo Polizisten in Uniform auftauchen, empfing sie ein Zischen und Buhen. Andrzej G\u00f3rski, der in Zivil anwesend war, wusste, dass die Situation jederzeit eskalieren konnte. Gegen diese Masse w\u00fcrde die Polizei ohne Schusswaffeneinsatz hilflos sein, und neue Tote w\u00e4ren eine Katastrophe f\u00fcr die politische F\u00fchrung. Eine \u00e4ltere Dame mit einem Fuchsfell auf den Schultern baute sich vor einem Polizisten auf und spuckte auf den Boden. Der Mann reagierte nicht, alle anwesenden Spezialkr\u00e4fte hatten Anweisungen sich zur\u00fcckzuhalten.<\/p>\n<p>&nbsp; Vor der Kirche war eine Trib\u00fcne mit Kr\u00e4nzen und Blumen aufgebaut worden. Auf einem Sockel&nbsp; stand ein Portraitbild des ermordeten Jungen, das Abbild eines harmlos dreinblickenden Abiturienten mit wachem Gesicht und verwuschelten Haaren. Sein Name war Grzegorz Grzimek, er hatte vor wenigen Wochen das Abitur abgelegt und w\u00e4re in einigen Tagen 19 Jahre alt geworden.<\/p>\n<p>&nbsp; Popie\u0142uszko trat vor und sprach ein Gebet. Dann begann er seine&nbsp; Predigt mit der Anrufung der Jungfrau. Er erinnerte daran, wie oft die Madonna im Laufe der Geschichte zu Gunsten der polnischen Nation eingegriffen habe. <em>\u201eHeilige Madonna, du bist f\u00fcr uns heute mehr Mutter als K\u00f6nigin, du trocknest unsere Tr\u00e4nen und bis bei uns, wenn der Teufel zuschl\u00e4gt\u201c<\/em> rief er laut, aber ohne Zorn in der Stimme.&nbsp; \u201e<em>Und er hat wieder zugeschlagen. Er hat uns durch die, die ihm dienen, neues Leid zugef\u00fcgt. Es hat nicht ausgereicht, unschuldige Menschen mit Wasserkanonen zu traktieren, es hat nicht ausgereicht unschuldige Menschen, die nichts weiter wollten als Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen zu zeigen, zu misshandeln, nein, der Teufel und seine Helfershelfer haben ein unschuldiges Leben ausgel\u00f6scht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Andrzej hielt den Atem an. Es h\u00e4tte ihn nicht gewundert, wenn sich der Zorn der Menge im n\u00e4chsten Augenblick in wilder Raserei entladen h\u00e4tte. Doch es blieb ruhig, alle hingen an den Lippen des Priesters. \u201e<em>Was bleibt uns im Angesicht dieser Untaten?\u201c,<\/em> fragte Popie\u0142uszko. <em>\u201eUns bleibt das Gottvertrauen und die Zuversicht, dass der Teufel zu Schanden gehen wird. Halten wir an unserem Weg fest und lassen wir uns nicht vom Satan auf den Pfad der Gewalt f\u00fchren, denn dann h\u00e4tte der Teufel sein Ziel erreicht.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;Ein Murmeln erhob sich, und Andrzej erkannte, dass die letzten Worte des Priesters nicht bei allen Zustimmung fanden. Popie\u0142uszko sp\u00fcrte das und hob die Arme, als wolle er die Masse segnen. \u201e<em>Wir sind stark<\/em>\u201c, sagte er. \u201e<em>Der Teufel ist schwach. Er hat nur die Gewalt \u00fcber unsere sterblichen K\u00f6rper, nicht aber \u00fcber unsere Seelen. Bleibt beieinander im Namen des Friedens.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; In der n\u00e4chsten Woche wurden die Ergebnisse der \u00f6ffentlichen Untersuchung \u00fcber den Tod von Gregorz Grzimek bekanntgegeben.&nbsp; Das Fernsehen berichtete, dass ein drogenabh\u00e4ngiger junger Mann von der Polizei verhaftet und nach einer korrekten polizeilichen Vernehmung wieder freigelassen worden sei. Kurz&nbsp; darauf sei er ins Krankenhaus eingeliefert worden und verstorben.&nbsp; Eine Obduktion der Leiche habe ergeben, dass der Tod des Sch\u00fclers nichts mit dem Polizeiverh\u00f6r zu tun gehabt hatte. Vielmehr habe exzessiver Drogenkonsum zu schwerem Organversagen und zum Tod des Sch\u00fclers gef\u00fchrt.&nbsp; Alle Versuche, ihn zu retten, seien vergeblich gewesen. Allerdings habe man Vers\u00e4umnisse bei der medizinischen Betreuung aufgedeckt und zwei \u00c4rzte und zwei Krankenpfleger entlassen. Abweichende Zeugenaussagen h\u00e4tten sich als unglaubw\u00fcrdig erwiesen. Die Anw\u00e4lte der Mutter waren verhaftet worden, weil sie Falschaussagen verbreitet hatten. Die beiden Polizisten wurden von jeder Schuld freigesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Eine Welle der Emp\u00f6rung lief durch das Land, doch Major Boranzeff war hochzufrieden. \u201eWir hatten die Familie gewarnt\u201c, sagte er. \u201eAber sie hat nicht h\u00f6ren wollen. Nun werden andere vorsichtiger sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;Boranzeff hatte Andrzej G\u00f3rski, Dariusz Wenzel und Zygmunt Rolkowicz eingeladen, dazu&nbsp; Oberst Kirotkin der sicherstellen sollte, dass die Sichtweise des Innenministers zur Geltung kam.&nbsp; \u201eNun ist die Zeit gekommen auch, mit dem Priester aufzur\u00e4umen\u201c, fuhr Boranzeff fort.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eAber zum richtigen Zeitpunkt\u201c, schaltete sich&nbsp; Oberst ein. Er hatte eine knarrende Stimme und verwaschene Augen. Wieder bewegte sich sein massiger Kopf hin und her, wobei er einen nach dem anderen ansah. \u201eDer Zeitpunkt ist ung\u00fcnstig. Der Besuch des Papstes steht vor der T\u00fcre, und die Welt blickt auf Polen. Wir m\u00fcssen noch warten.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eWarum l\u00e4sst die Regierung den Papst \u00fcberhaupt ins Land?\u201c fragte Boranzeff gereizt. \u201eSeine Besuche l\u00e4hmen uns und st\u00e4rken die Opposition.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eEs ist der Wille der Regierung\u201c,&nbsp; antwortete der Oberst. \u201eUnser Land leidet unter den Wirtschaftssanktionen. Wir brauchen dringend Devisen, und ohne Regierungsgespr\u00e4che und Papstbesuche gibt es keine Kredite.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eAber der Zeitpunkt wird <em>immer<\/em> ung\u00fcnstig sein\u201c, insistierte Boranzeff und blickte sich um.&nbsp; Andrzej wunderte sich, wie offensiv der Major dem Oberst widersprach. \u201eWenn wir nichts unternehmen, dann entsteht wir in \u017boliborz ein zweites Danzig. Irgendwann wird es zu sp\u00e4t sein\u201c, bekr\u00e4ftigte Boranzeff.<\/p>\n<p>&nbsp;Der Oberst sch\u00fcttelte langsam seinen kahlen Kopf. \u201cEs gibt ein zu sp\u00e4t und ein zu fr\u00fch\u201c, sagte er.&nbsp; \u201eWir warten den richtigen Zeitpunkt ab, und der ist noch nicht gekommen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Der Papst kam nach Polen und sprach in Jasna Gora zu tausenden Jugendlichen. \u00dcberall wich er von den vereinbarten Redemanuskripten ab und fand deutliche Worte zur Lage des Landes.&nbsp; Mehrfach stand der Besuch am Rande des Abbruchs. Dem Papst wurde verboten, nach Danzig zu reisen, daf\u00fcr empfing er gegen den Willen der Regierung die Mutter des ermordeten Grzegor Grzimek und sprach ihr sein Mitgef\u00fchl aus. In einem abgelegenen Ort in der Tatra traf er sogar Lech Wa\u0142\u0119sa, der inzwischen aus der Haft entlassen worden war. Im Fernsehen war zu sehen, dass Jaruzelskis Hand zitterte, als er den Papst begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Unmittelbar nach der Abreise des Papstes hob der erste Sekret\u00e4r das&nbsp; Kriegsrecht auf und verf\u00fcgte eine Amnestie f\u00fcr die politischen Gefangenen. Nur ein knappes Dutzend Spitzenfunktion\u00e4re der Solidarno\u015b\u0107 sollten bis zu ihrem Prozessen in Haft bleiben. Wieder trat General Jaruzelski im Fernsehen auf und sprach vom Dienst am Vaterland. Z\u00f6gerlich begannen die Kredite aus dem Westen&nbsp; wieder zu flie\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Druck auf Popie\u0142uszko aber blieb. Im Fernsehen und der Staatspresse wurde eine Kampagne gegen den Kaplan losgetreten, in der er beschuldigt wurde, ein Doppelleben voller Ausschweifungen und Schweinereien zu f\u00fchren. Priester, die der Partei nahestanden, gaben Interviews, in denen sie behaupteten, Popie\u0142uszko w\u00fcrde seine geistlichen Pflichten vernachl\u00e4ssigen&nbsp; Der Regierungssprecher Jerzy Purban bezeichnete Popie\u0142uszko als einen fanatischen \u201ePolitmagier\u201c, der \u201ebald verschwinden\u201c werde. Steine flogen nachts gegen das Haus des Priesters, und die Arbeiter verst\u00e4rkten ihre Wachen. Leszek Lotkowski vergitterte die Fenster. Bald konnte Popie\u0142uszko keinen Schritt mehr tun, ohne das der SB dar\u00fcber informiert war, wo er sich gerade aufhielt.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Andrzej G\u00f3rski wusste, dass die Zeit des Priesters ablief und zwar gerade deswegen, weil er sich f\u00fcr unangreifbar hielt.&nbsp; Popieluzsko glaubte, dass ihn seine Bekanntheit sch\u00fctzen w\u00fcrde und begriff nicht, dass der Freispruch der beiden Polizisten, die den 18j\u00e4hrigen Gregorz Grzimek auf dem Gewissen hatten, sein Todesurteil gewesen war.&nbsp; Wenn es in einem so offensichtlichen Fall m\u00f6glich war, mit einem Nebelgespinst aus L\u00fcgen und Gewalt durchzukommen, dann gab es keinen Grund mehr, den Priester zu schonen. Unmerklich hatte Oberst Kirotkin genickt, als die Frage auf die physische Eliminierung des Priesters gekommen war. Major Boranzeff verstand den Wink und ernannte Andrzej G\u00f3rski zum Leiter der Aktion, ihm zur Seite standen Dariusz Wenzel und&nbsp; Zygmunt Rolkowicz. Entscheidende Leitlinie des Einsatzes war, dass kein Verdacht auf die Partei fallen durfte. Im Hinblick auf die Modalit\u00e4ten lie\u00df Major Boranzeff Andrzej G\u00f3rski freie Hand.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej \u00fcberlegte, dass der Mord am besten au\u00dferhalb der Hauptstadt stattfinden sollte, weit ab der zahlreichen Helfershelfer aus Warschau, die Popie\u0142uszko im Ernstfall sch\u00fctzen w\u00fcrden. Da es die wachsende Bekanntheit des Priesters mit sich brachte, dass er in ganz Polen zu Gebetskreisen und Gottesdiensten eingeladen wurde, bot es sich an, ihn auf einer seiner Reisen zu ermorden.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eMan k\u00f6nnte ihn in der Eisenbahn \u00fcberw\u00e4ltigen und aus dem fahrenden Zug werfen\u201c, schlug Wenzel vor, doch dieser Plan wurde fallen gelassen, weil sich im Zug zu viele Zeugen befanden. Die Idee, Popie\u0142uszko zu t\u00f6ten und in einer kompromittierenden Situation in einem Freudenhaus abzulegen, wurde als zu plakativ verworfen.<\/p>\n<p>&nbsp; Aber eine andere, bessere M\u00f6glichkeit bot sich an. Seit Neuestem absolvierte der Priester seine Reisen in einem Fahrzeug, das sein Freund Leszek Lotkowski steuerte. Informanten hatten \u00fcbereinstimmend berichtet, dass Popie\u0142uszko es nach M\u00f6glichkeit vermied, au\u00dferhalb Warschaus zu \u00fcbernachten und am liebsten noch in der Nacht heimfuhr.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eAuf einer dieser n\u00e4chtlichen Heimreisen werden wir ihn in einem Waldgebiet stoppen und erledigen\u201c, entschied Andrzej G\u00f3rski. \u201eDie Umst\u00e4nde seines Todes m\u00fcssen so gestaltet werden, dass alles auf einen kriminellen \u00dcberfall hindeutet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Am sichersten w\u00e4re es gewesen, man h\u00e4tte im Vorfeld des Attentats Leszek Lotkowski durch einen zuverl\u00e4ssigen Fahrer austauschen k\u00f6nnen, doch das lie\u00df sich in der K\u00fcrze der Zeit nicht mehr bewerkstelligen.<\/p>\n<p>&nbsp; Der erste Zugriff in einem Wald zwischen Danzig und Warschau misslang, weil Lotkowski misstrauisch wurde. Als pl\u00f6tzlich Personen auf der Fahrbahn standen und den Wagen anhalten wollten, gab der Chauffeur Gas und entkam.<\/p>\n<p>&nbsp; Popie\u0142uszko nahm diesen Vorfall nicht ernst, ganz im Unterschied zu Primas Glemp, der vertrauliche Hinweise erhalten hatte, dass das Leben des Priesters gef\u00e4hrdet sei. Wie Andrzej G\u00f3rski von einem Spitzel aus dem erzbisch\u00f6flichen Palais erfuhr, hatte der Primas Popie\u0142uszko empfohlen, sofort zu einem Studienurlaub nach Rom aufzubrechen.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Dass Popie\u0142uszko dieses Angebot ablehnte, passte zu dem Bild, das sich Andrzej G\u00f3rski von dem Priester machte. Er war ein ahnungsloses Lamm, dem nicht klar war, dass die W\u00f6lfe schon auf ihn warteten.<\/p>\n<p>&nbsp; Zwei Wochen sp\u00e4ter reiste der Kaplan wieder mit dem Auto nach Bydgoszcz, um an einer Messe und einem Rosenkranzgebet teilzunehmen. Den Wagen steuerte Leszek Lotkowski. Ausweislich der Berichte der \u00f6rtlichen SB-Agenten sollte der Besuch mit einem gemeinsamen Abendessen abschlie\u00dfen. Andrzej G\u00f3rski, Dariusz Wenzel und Zygmunt Rolkowicz gingen davon aus, dass der Priester wie immer noch am gleichen Abend zur\u00fcckfahren w\u00fcrde. Deswegen parkten sie ihren Fiat 125p direkt an der Schnellstra\u00dfe in einem Waldgebiet zwischen Bydgoszcz und Toru\u0144 und warteten.&nbsp; Alle drei trugen Uniformen der Verkehrspolizei und Gummikn\u00fcppel am Halfter. Im Kofferraum lagen Stricke und S\u00e4cke bereit.<\/p>\n<p>&nbsp; Langsam wurde es dunkel. Es war Freitagabend, und es herrschte nur wenig Verkehr.<\/p>\n<p>&nbsp; Dariusz Wenzel war nerv\u00f6s und rauchte eine Zigarette nach der n\u00e4chsten. Zygmunt Rolkowicz&nbsp; zog einen&nbsp; Flachmann in der Brustasche und nahm einen kr\u00e4ftigen Schluck.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eH\u00f6r auf zu saufen\u201c, knurrte Andrzej G\u00f3rski. \u201eWir brauchen f\u00fcr das, was wir vorhaben, einen klaren Kopf.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eWenn wir einen klaren Kopf h\u00e4tten, dann w\u00fcrden wir das, was wir vorhaben, \u00fcberhaupt nicht tun\u201c, warf Wenzel ein und steckte sich eine neue Zigarette an. \u201eWenn wir uns den Priester wirklich greifen, dann geht es uns ans Leder. Dann verschwinden wir f\u00fcr immer im Gef\u00e4ngnis oder springen gleich \u00fcber die&nbsp; Klinge.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eBl\u00f6dsinn\u201c, widersprach Andrzej G\u00f3rski&nbsp; \u201eWir folgen einem Befehl von Major Boranzeff, und der empf\u00e4ngst seine Order direkt vom Innenminister. Der wird seine Hand \u00fcber uns halten, da mache ich mir keine Sorgen\u201c, f\u00fcgte G\u00f3rski hinzu. \u201e.Aber wenn ihr Zweifel habt, dann brechen wir hier ab, und ich berichte Broanzeff von euren Bedenken.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eNein, ist schon in Ordnung\u201c, lenke Zygmunt Rolkowicz&nbsp; ein und steckte den Flachmann wieder in die Tasche. \u201eF\u00fchren wir unseren Auftrag durch. Wir sind Soldaten des Vaterlandes, und was wir tun, ist das Richtige.\u201c Dariusz Wenzel zog an seiner Zigarette und blies den Rauch aus dem Fenster.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Die Zeit verging und es wurde dunkel. Da sie die Fahrzeuge, die aus Bydgoszcz kamen, nicht genau erkennen konnten, mussten sie jeden einzelnen Wagen stoppen. Ihre Tarnung als Verkehrspolizei funktionierte. Die Fahrzeuge, die vor\u00fcberkamen hielten an und wurden gleich weitergeschickt.<\/p>\n<p>&nbsp; Endlich tauchte Popie\u0142uszkos Fahrzeug auf. Andrzej G\u00f3rski trat mit der roten Kelle auf die Stra\u00dfe und winkte. Einen Moment sah es so aus, als wollte der Wagen weiterfahren, dann stoppte er. Andrzej G\u00f3rski trat an das Fahrzeug heran und sah, dass der Kaplan auf dem R\u00fccksitz sa\u00df. Leszek Lotkowski hatte die Fensterscheibe heruntergekurbelt und schaute den Polizisten fragend an. Blitzschnell griff Andrzej G\u00f3rski in das Wageninnere und zog den Schl\u00fcssel aus dem Z\u00fcndschloss. Dann \u00f6ffnete er die Fahrert\u00fcre&nbsp; und riss den Chauffeur vom Sitz. \u201eEndstation\u201c, sagt er und stie\u00df den \u00fcberraschten Lotkowski in die Arme von Wenzel und Rolkowicz, die aus dem Dunkeln aufgetaucht waren.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201e\u00dcberfall\u201c,&nbsp; schrie Lotkowski, \u201eVater Popie\u0142uszko, fliehen Sie!\u201c Wenzel zog ihm mit dem Kn\u00fcppel einen Schlag \u00fcber den Kopf, und der Chauffeur sackte zusammen. Zygmunt Rolkowicz schleppte ihn zum Fiat, warf ihn auf den R\u00fccksitz und legte ihm Handschellen an.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Der Kaplan hatte die Szene beobachtet und stieg aus dem Wagen. Er trug eine Soutane und ein Kreuz auf der Brust.&nbsp; \u201eWas geht hier vor?\u201c&nbsp; fragte er Andrzej G\u00f3rski. \u201eDarf ich bitte Ihren Ausweis sehen?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Ohne zu antworten, griff G\u00f3rski den Priester am Kragen und zerrte ihn zum Polizeiwagen. Zuerst wunderte er sich, wie widerstandslos sich der Kaplan abf\u00fchren lie\u00df, dann aber, kurz vor bevor er in den Fiat geschoben werden sollte, riss sich Popie\u0142uszko los und versuchte, in den Wald zu fl\u00fcchten. Seine Soutane behinderter hin, und in wenigen Schritten hatten G\u00f3rski und Wenzel ihn eingeholt. Beide hatten pl\u00f6tzlich Kn\u00fcppel in den H\u00e4nden und begangen auf den am Boden liegenden Priester einzuschlagen. Immer wieder, langsam, konzentriert und mit aller Wucht zielten sie auf Knochen, Schulter, Kopf,&nbsp; Knie und Unterleib des Priesters. Popie\u0142uszko schrie im Takt der Schl\u00e4ge und hielt die H\u00e4nde sch\u00fctzend sein \u00fcber seinen Kopf. Mit voller Wucht traf ihn Andrzejs Kn\u00fcppel ins Gesicht, und er wurde ohnm\u00e4chtig.<\/p>\n<p>&nbsp; G\u00f3rski und Wenzel schleppten den Priester zur\u00fcck zum Wagen und warfen ihn in den Kofferraum. Zygmunt Rolkowicz hatte inzwischen Leszek Lotkowski auf dem R\u00fccksitz bewacht.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eIhr wisst nicht, was ihr tut\u201c, keuchte der Chauffeur, als G\u00f3rski und Wenzel in den Wagen stiegen.&nbsp; \u201eWenn ihr Vater Popie\u0142uszko etwas antut, wird euch ganz Polen verfluchen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; \u201eDie wichtigen Leute in Polen werden uns preisen, du Dummkopf\u201c, antwortete Rolkowicz und verpasste Latkoswki eine Ohrfeige. \u201eUnd jetzt halts Maul, du hast ohnehin nicht mehr lange zu leben.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Mit Vollgas verlie\u00dfen sie den Ort des \u00dcberfalls. Sie mussten noch in der gleichen Nacht in Warschau sein, um weitere Instruktionen zu erhalten. Der ganze Wagen wurde ersch\u00fcttert, als Wenzel durch ein Schlaglock fuhr<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eFahr nicht so schnell\u201c, mahnte Andrzej G\u00f3rski, \u201esonst h\u00e4lt uns eine echte Verkehrskontrolle an.\u201c&nbsp; Wenzel knurrte etwas Unverst\u00e4ndliches und reduzierte die Geschwindigkeit. Pl\u00f6tzlich rammte Lotkowski auf dem R\u00fccksitz seinen Ellbogen gegen den T\u00fcrgriff. Die Seitent\u00fcre sprang auf, und der Chauffeur warf sich aus dem Wagen. Andrzej G\u00f3rski sah im R\u00fcckspiegel, dass sich der Chauffeur trotz seiner Handschellen auf der Stra\u00dfe abrollte, aufsprang und im Wald verschwand.<\/p>\n<p>&nbsp; Wenzel verf\u00fchrt eine Vollbremsung. Im Kofferraum war der Priester aus seiner Ohnmacht erwacht und schrie um Hilfe.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eWir m\u00fcssen zur\u00fcck und den Kerl wieder einfangen\u201c stie\u00df Wenzel hervor.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eDen finden wir in dieser Dunkelheit im Wald nicht mehr\u201c,&nbsp; widersprach Rolkowicz.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eWarum haben wir keinen verfluchten Hund dabei\u201c st\u00f6hnte Dariusz Wenzel. Der Kaplan schrie immer lauter und pochte gegen die Innenverkleidung des Kofferraues.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Ein Wagen tauchte in der Dunkelheit auf, fuhr in moderater Geschwindigkeit sie heran, passierte den parkenden Fiat&nbsp; und beschleunigte wieder.<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eEs herrscht noch zu viel Verkehr auf dieser Stra\u00dfe. Wir k\u00f6nnen jetzt nicht zur\u00fcckfahren\u201c, entschied Andrzej G\u00f3rski und blickte sich um. \u201eRolkowicz, du Idiot hast den Chauffeur entkommen lassen. Nun geh raus und bring den Priester zum Schweigen. Dann fahren wir weiter\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp; Rolkowicz stieg aus, \u00f6ffnete den Kofferraum und begann, auf den Priester einzuschlagen. Durch die ge\u00f6ffnete Kofferraumhaube sahen G\u00f3rski und Wenzel nicht, was hinten geschah. Sie h\u00f6rten nur das dumpfe Klatschen der Schl\u00e4ge, das spitze Schreien des Priesters, das in ein R\u00f6cheln \u00fcberging und schlie\u00dflich verstummte.<\/p>\n<p>&nbsp; Mit einem Knall schloss Rolkowicz den Kofferraum, stieg wieder ein und nahm einen Schluck aus dem Flachmann. Wenzel lie\u00df den Motor aufheulen und gab Gas.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Kurz darauf war Toru\u0144 erreicht. An einer Verkehrskontrolle stoppten sie, zeigten ihre SB-ausweise und durften weiterfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;Hinter Toru\u0144 blinkte auf einmal eine Leuchte auf der Instrumentenanzeige. \u201eWir haben kein \u00d6l&nbsp; mehr\u201c, fluchte Wenzel. \u201eEs ist nicht zu fassen. So kommen wir nicht bis nach Warschau.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eIm Kofferraum befindet sich ein Kanister \u00d6l. Halt an, wir f\u00fcllen \u00d6l nach\u201c, sagte G\u00f3rski.<\/p>\n<p>&nbsp; Der Wagen stand noch nicht richtig, da sprang der Kofferraumdeckel wieder auf. Blut\u00fcberstr\u00f6mt und halbtot kletterte der Priester aus dem&nbsp; Kofferraum und wankte in Richtung Wald. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, ruderte mit den Armen und st\u00f6hnte.<\/p>\n<p>&nbsp; Die drei Polizisten erkannten sofort, dass der Priester nicht weit kommen w\u00fcrde. In aller Ruhe stiegen sie aus dem Auto und zogen ihre Kn\u00fcppel aus dem Halfter. Ohne besondere Eile gingen sie hinter dem Priester her und holten ihn ein.&nbsp; Kurz bevor sie ihn erreichten, drehte sich Popie\u0142uszko um und breitete seine Arme aus, als wolle er sie segnen. Sein Gesicht war von den schweren Schl\u00e4gen geschwollen, die Augen waren weit aufgerissen mit einem Rest von Unverst\u00e4ndnis \u00fcber das, was mit ihm geschah. Andrzej blickte dem Kaplan in die Augen, als er ausholte und zuschlug. Es krachte, als sein&nbsp; Kn\u00fcppel den Kopf des Priesters traf. Popie\u0142uszko wankte, da traf ihn ein zweiter Hieb von Wenzel. Sein Blick brach, als zu Boden fiel und bewegungslos liegen blieb.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eEr ist tot\u201c, sagte Rolkowicz und stie\u00df mit dem Fu\u00df gegen den reglosen K\u00f6per. \u201eDas w\u00e4re erledigt.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eAber was machen wir jetzt?\u201c fragte Wenzel. \u201eEs sollte noch so aussehen, als w\u00e4re er von Kriminellen \u00fcberfallen und ausgeraubt worden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; \u201eDie Zeit daf\u00fcr haben wir jetzt nicht mehr\u201c sagte G\u00f3rski. \u201eDer Chauffeur hat bestimmt schon Alarm geschlagen. Wir m\u00fcssen sofort hier weg und den Priester so schnell wie m\u00f6glich loswerden, am besten so, dass er nie mehr gefunden wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Sie schleppten den K\u00f6rper des Priesters wieder zum Wagen und warfen ihn erneut in den Kofferraum. Weil Andrzej G\u00f3rski keine \u00dcberraschungen mehr erleben wollte, fesselte er den reglosen K\u00f6rper an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen und legte dem Kaplan eine Schlinge so um den Hals, dass er sich w\u00fcrgen w\u00fcrde, wenn er erwachte.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Wenzel f\u00fcllte \u00d6l nach und fluchte, weil er sich dabei die H\u00e4nde schmutzig machte. Dann fuhren sie weiter. Niemand kam ihnen entgegen. Die n\u00e4chtliche Bew\u00f6lkung hatte sich aufgel\u00f6st. Ein silberner Halbmond stand am Himmel.<\/p>\n<p>&nbsp; In einem Waldgebiet auf halber Strecke nach&nbsp; Warschau, in der N\u00e4he des Ortes W\u0142oc\u0142awek bogen sie von der Stra\u00dfe ab. Zygmunt Rolkowicz kannte eine Zufahrt zum Stausee eines Wasserkraftwerks und schlug vor, die Leiche des Priesters in den Stausee zu werfen.&nbsp; G\u00f3rski stimmte zu. Wenzel hielt den Wagen auf einer Piste oberhalb des Stausees.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Weit und breit war kein Mensch zu Sehen. Es war so still, als hielte die Natur den Atem an, nur ein fahles Mondlicht erhellte die Konturen der Landschaft.<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej \u00f6ffnete den Kofferraum und schob den K\u00f6rper des Priesters in einen der gro\u00dfen S\u00e4cke.&nbsp;&nbsp; Wenzel und Rolkowicz sammelten schwere Steine, die sie in den Sack verfrachteten. Dann ging Wenzel einige Schritte abseits und steckte sich eine Zigarette an. Auch Rolkowicz wandte sich ab. Sein Flachmann war leer. W\u00fctend war er die Flasche in den See.<\/p>\n<p>&nbsp; W\u00e4hrend Andrzej G\u00f3rski den Sack zuband, sp\u00fcrte er eine Bewegung, ein Zucken, begleitet von einem kaum h\u00f6rbaren St\u00f6hnen, Der Priester ist nicht tot, durchfuhr es Andrzej. Zum Teufel mit ihm, das Leben will einfach nicht aus ihm weichen.<\/p>\n<p>&nbsp; Andrzej G\u00f3rski stand auf und rief seine Gef\u00e4hrten. \u201eLos, packt an. Bringen wir es zu Ende.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; Zu dritt schleppt sie den Sack mitsamt dem zuckenden K\u00f6rper und den Steinen zur Br\u00fcstung und warfen ihn \u00fcber eine H\u00f6he von 15 m in den Stausee.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8358\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-900x438.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-900x438.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-1920x933.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-768x373.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-1536x747.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/02_20211014_110108-2048x996.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1983: Nach der Ausrufung des Kriegsrechts herrscht der Ausnahmezustand. Andrzej G\u00f3rski beobachtet im Auftrag der Spezialabteilung von Major Boranzeff den Priester Jerzy Popie\u0142uszko, dessen \u201eMessen f\u00fcr die Heimat\u201c in Warschau \u017boliborz &nbsp;massenhaften Zuspruch finden. Die Leseprobe beschreibt die Entf\u00fchrung und Ermordung des Kaplans in enger Anlehnung an die Fakten, die&nbsp; Cesare G. 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