{"id":8161,"date":"2021-08-28T09:23:07","date_gmt":"2021-08-28T09:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=8161"},"modified":"2025-06-03T10:32:50","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:50","slug":"schweden-2021","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/schweden-2021\/","title":{"rendered":"Schweden 2021"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;In der Nacht vor unserer Abreise regnete es zum Gotterbarmen. &nbsp;Noch wusste &nbsp;niemand,<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8164 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0022-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/> dass in den n\u00e4chsten Tagen \u00fcber Westdeutschland die schlimmste \u00dcberflutung seit Menschengedenken hereinbrechen w\u00fcrde. Als wir am Morgen des 13. Juli mit vollgepacktem Wagen aufbrachen, regnete es noch immer, Wir aber&nbsp; gaben Gas, fuhren in den sonnigen Norden und lie\u00dfen den Regen hinter uns.<\/p>\n<p>&nbsp; Schon hinter Hannover riss der Himmel auf. Fettes, gr\u00fcnes Land und wellige H\u00fcgel soweit das Auge reichte. Dann war bereits das Einzugsgebiet Hamburgs erreicht. Der Elbtunnel f\u00fchrte uns unter die Stadt hindurch. Dann weiter nach Schleswig-Holstein.<\/p>\n<p>&nbsp; Am Nachmittag bogen wir in Schleswig ab, um das Wikingermuseum von Haithabu zu besuchen. In fr\u00fchmittelalterlicher Zeit war Haithabu ein Handelszentrum der d\u00e4nischen Wikinger gewesen, ein Drehkreuz der H\u00e4ndler und Pl\u00fcnderer, das erst im 11. Jahrhundert zerfallen war. Zu sehen gab es im Haithabumuseum originale \u00dcberreste eines Wikingerschiffes, jede Menge Schmuck und Waffen und als H\u00f6hepunkt eine Freiluftausstellung mit rekonstruierten Wikingerh\u00e4usern. Strohgedeckt mit massivem Holz und B\u00e4nken standen sie an einem Binnensee, der fr\u00fcher einen Meerzugang besessen hatte. In den restaurierten Wikingerh\u00e4usern standen alte \u00d6fen, grobe Keramik und kantige St\u00fchle, auf denen nur ein Wikingerhintern mit Behagen sitzen konnte. Zwischen den rekonstruierten Wikingerh\u00e4usern liefen junge Norddeutsche im Wikinger- Outfit herum und offerieren Fladen mit Wikinger M\u00fcsli zum Kauf.<\/p>\n<p>&nbsp; Die meisten Deutschen assoziieren mit Flensburg, Deutschlands n\u00f6rdlichster Stadt, ungute<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8195 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"349\" height=\"233\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0061-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/> Gef\u00fchle. Hier werden bundesweit die Strafpunkte f\u00fcr Verkehrs\u00fcbertretungen gesammelt, die irgendwann zum Entzug des F\u00fchrerscheins f\u00fchren k\u00f6nnen. Trotzdem war Flensburg. eine \u00fcberraschend einladende Stadt. Ihr Zentrum bestand&nbsp; aus einer Altstadt und einem Hafen f\u00fcr Fischtrawler und Segelboote. Tausende Flaneure waren unterwegs, sa\u00dfen an den Kais und lie\u00dfen die F\u00fc\u00dfe \u00fcber dem Wasser baumeln. Bei Gosch\/Sylt a\u00dfen wir das klassische Fischbr\u00f6tchen. Das Licht der Sonne spiegelte sich im Hafenbecken, die M\u00f6wen kreisten \u00fcber dem Wasser, und die Stimmung war entspannt.<\/p>\n<p>&nbsp; Mir kam der Gedanke, dass der Norden zwei Gesichter hat, ein tristes und ein herrliches. Das triste Regengesicht des Nordens ist so schlimm, dass sich jeder in den S\u00fcden w\u00fcnscht. Das herrliche Sommergesicht mit frischem Wind, blauem Himmel und moderaten Temperaturen ist so wunderbar, dass man froh ist, nicht im S\u00fcden zu sein. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Am n\u00e4chsten Morgen \u00fcberquerten wir ohne Schwierigkeiten die deutsch-d\u00e4nischen Grenze. Kein Denken an Einreisekontrollen. M\u00fcdes Durchwinken der Autos. D\u00e4nemark hat ebenso wie Schweden praktisch alle Corona-Beschr\u00e4nkungen abgeschafft.<\/p>\n<p>&nbsp; Die Landschaft im S\u00fcden J\u00fctlands war verbuscht, ob aus Nachl\u00e4ssigkeit oder Nachhaltigkeit musste offenbleiben. Die kleinen St\u00e4dte an der j\u00fctl\u00e4ndischen Ostseek\u00fcste waren zum Sterben langweilig, Wir machten Station in Christiansfeld, einer Herrenhutter Gemeinde mit getrenntgeschlechtlichen Friedh\u00f6fen. Tote Hose in der ganzen Stadt. Welthauptstadt der Langeweile.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8162 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/1200px-Storeb\u00e6ltsbroen_from_Sj\u00e6lland-900x675.jpg\" alt=\"\" width=\"391\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/1200px-Storeb\u00e6ltsbroen_from_Sj\u00e6lland-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/1200px-Storeb\u00e6ltsbroen_from_Sj\u00e6lland-768x576.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/1200px-Storeb\u00e6ltsbroen_from_Sj\u00e6lland.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 391px) 100vw, 391px\" \/>&nbsp; D\u00e4nemark ist mit ca. &nbsp;44.000 QuadratKilometern in etwa so gro\u00df wie die Schweiz (wenngleich viel flacher) und hat etwa 6 Millionen Einwohner. Das Land &nbsp;besteht aus der Halbinsel J\u00fctland, den beiden gro\u00dfen Inseln Seeland und F\u00fcnen sowie den mittelgro\u00dfen Insel Lolland, Langeland und Falster und jeder Menge winziger Inseln &#8211; unter anderem der \u201ed\u00e4nische S\u00fcdsee\u201c zwischen Seeland und Lowland. D\u00e4nemark ist also ein kleines Land, dessen Territorium man an einem einzigen Tag durchqueren kann \u2013 aber das auch erst, seitdem die D\u00e4nen gewaltige Br\u00fccken gebaut haben, die ihr Inselreich vorz\u00fcglich erschlie\u00dfen. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Auf der Fahrt \u00fcber die Insel F\u00fcnen zeigte die Landschaft ein sanft geschwungenes H\u00fcgelgesicht. Windr\u00e4der, Kleinbetrieb, flache H\u00e4user, viel kultiviertes Land. Manche Rasen sahen aus wie f\u00fcr ein Tennisturnier gem\u00e4ht.&nbsp; Dann wieder viel Busch und hohes Gras, als wollten sich die D\u00e4nen in ihnen verstecken. Odense, D\u00e4nemarks zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt lie\u00dfen wir links liegen. Hier wurde Hans Christian Andersen (1805-1887) geboren, der mit \u201ePrinzessin auf der Erbse\u201c, \u201eDer D\u00e4umling\u201c, \u201eDes Kaisers neue Kleider\u201c und \u201eDie kleine Meerjungfrau\u201c zu einem der gro\u00dfen M\u00e4rchenerz\u00e4hler der Weltliteratur wurde. .<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; &nbsp;S\u00fcdlich von Odense machten wir bei Schloss Edeskov Station. Leider war das Schloss in<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8163 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"390\" height=\"260\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0079-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 390px) 100vw, 390px\" \/> einen gro\u00dfen Park integriert, dessen Eintritt umgerechnet sagenhafte 35 \u20ac pro Person kostete. Da wir an diesem Tag nichts anderes mehr vorhatten, zahlten wir z\u00e4hneknirschend diesen Knochenbrecherpreis. Der Park war gut besucht, ohne dass man das Gef\u00fchl hatte, Teil einer Masse zu sein. Im Gegenteil: die Leute benehmen sich so, als w\u00e4ren sie in ihrem eigenen Garten zu Gast und genossen ausgiebig die gepflegten Gr\u00fcnanlagen, Seeufer und Picknickpl\u00e4tze. Das Sahneh\u00e4ubchen des Parks war das zauberhafte Renaissanceschloss, das von einem Seerosenteich umgeben und \u00fcber eine steinerne Br\u00fccke zu erreichen war. &nbsp;Das Interieur war ein kunterbuntes Gemisch der Jahrhunderte, von rustikalen Tischen \u00fcber Hirschgeweih an den W\u00e4nden bis zu dunklen Gem\u00e4lden auf denen die F\u00fcrsten in \u00d6l streng auf die Besucher herablegten. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Gut zwei Stunden dauerte die Fahrt von Edeskov nach Kopenhagen. Die St\u00f6rebeltbr\u00fccke zwischen F\u00fcnen und Seeland war gewaltig, auch wenn sie optisch wenig hergab. Das haben Br\u00fccken mit sch\u00f6nen Frauen gemeinsam: am besten sehen sie aus einer gewissen Distanz aus. Wenn man sich auf ihnen befindet, sieht man nichts mehr. Die Storebeltbr\u00fccke ist \u00fcber zehn km lang und kostet etwa 35 Euro Mautgeb\u00fchr.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Die Zufahrt in die Innenstadt von Kopenhagen war erstaunlich problemlos, auch das Hotel fanden wir schnell. Leider kostet das Parken in Kopenhagen sage und schreibe&nbsp; 295 d\u00e4nische Kronen am Tag (40 Euro!). Noch schlimmer war, dass in unserem Hotelzimmer die Klimaanlage defekt war und das Thermometer 29\u00b0 zeigte.<\/p>\n<p>&nbsp; Die Innenstadt, die gleich um die Ecke begann, war laut und schmutzig. Auf dem Boden lag der Unrat des Tages, viele halbseidene Figuren l\u00fcmmelten sich auf den B\u00e4nken herum. Weil wir Hunger hatten, versuchten wir bei McDonalds elektronisch einen &nbsp;Big Mac zu ordern und scheiterten. Das tr\u00fcbte die Stimmung, denn an einem langen Tag mit leeren Magen durch eine Gro\u00dfstadt zu laufen, macht wenig Freude.<\/p>\n<p>&nbsp;Als wir am Abend ins Hotel zur\u00fcckkamen, waren es noch immer 29\u00b0 in unserem Zimmer. Ich schlug Rabatz, und wir erhielten ein neues Zimmer, in dem die &nbsp;Zimmertemperatur 26 Grad betrug. Der Fortschritt ist eine Schnecke, hat Brecht gesagt. So kamen wir schwitzend durch die Nacht, und unser einziger Trost war die gut funktionierende kalte Dusche.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8165\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0243-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/> Auch der n\u00e4chste Tag war schweinehei\u00df. &nbsp;Schon am Vormittag kletterte das Thermometer in Kopenhagen auf 30\u00b0, und wir konnten uns nur von Schatten zu Schatten durch die Stadt bewegen. Der Rathausplatz sah nun etwas besser aus, weil die st\u00e4dtische Reinigung da gewesen war. Wir passierten zahlreiche Reitermonument vor gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Fassaden und jede&nbsp; Menge monumentale Repr\u00e4sentationsbauten, als bef\u00e4nden wir uns in der Hautstadt eines Imperiums.&nbsp; &nbsp;In der N\u00e4he des K\u00f6nigsschlosses liefen junge Frauen in Gruppen durch die Stra\u00dfen. Sie waren miteinander durch eine Kordel verbunden und hatten Binden vor den Augen. Sie wurde von einer altert\u00fcmlich verschleierten Frau gef\u00fchrt. Als ich fragte, ob das Kunst oder Religion sei, antwortete mir eine Frau: \u201cPolitik.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Vor der kaum noch ertr\u00e4glichen Hitze retteten wir uns auf ein Ausflugsboot, das uns eine Stunde lang durch die Kan\u00e4le von Kopenhagen schipperte. Die Fahrt begann an der martialischen &nbsp;Reiterstatue Bischof Absaloms, jedes kriegerischen Priesters, der Kopenhagen im elften Jahrhundert zur Abwehr wendischer Piraten gegr\u00fcndet hatte. Dann fuhr das Boot am Schloss Christiansborg vorbei auf den inneren Hafenkanal. &nbsp;Wir passierten das neue Kongresszentrum und die Oper auf der anderen Seite und tuckerten dann eine Weile durch enge Kan\u00e4le, in denen die Leute in ihren Yachten sa\u00dfen und Wein<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8196 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0209-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/> tranken. Viele Einheimische badeten unterhalb von Containern, die zu Wohnungen umgebaut worden waren.&nbsp; Dann kreuzten wir weiter den Inneren Kanal herauf und herunter, &nbsp;vorbei an zwei Kreuzfahrtschiffen und einem prachtvollen Segler. &nbsp;Herrlich der gro\u00dfe Springbrunnen vor dem k\u00f6niglichen Schloss. Am Ende erreichten wir sogar die kleine Meerjungfrau im Norden des gro\u00dfen Kanals, umgeben von Dutzenden von Besuchern, die sich um die Skulptur dr\u00e4ngten. Sie erinnert an ein M\u00e4rchen von Hans Christian Andersen \u00fcber eine Nixe, die sich ungl\u00fccklich in einen Menschen verliebte.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;An diesem Abend g\u00f6nnten wir uns ein Essen im Riz-Raz, einem angesagten Lokal in der Innenstadt von Kopenhagen. Wir sa\u00dfen drau\u00dfen und bestellten zwei Hamburger mit Bier. Ein bildsch\u00f6ner junger Mann aus Pal\u00e4stina bediente uns formvollendet. Er sah so gut aus, dass sich die Frauen nach ihm umdrehten. Zweifellos ein Gewinn f\u00fcr den d\u00e4nischen Genpool. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Am n\u00e4chsten Morgen, dem Tag unserer Weiterreise nach Schweden, erwartete uns eine positive \u00dcberraschung. Weil die Ticketmaschine der Tiefgarage defekt war, durften wir uns gratis vom Acker machen und sparten 80 \u20ac Parkgeb\u00fchr f\u00fcr zwei Tage. Die zweite positive \u00dcberraschung war die problemlose Passage der \u00d6resund Br\u00fccke, eine der l\u00e4ngsten Br\u00fccken der Welt, die D\u00e4nemark und Schweden verbindet. Ich hatte das Ticket bereits zu Hause online erworben und konnte auf einer eigenen Fahrbahn durchfahren. Wie schon bei der St\u00f6rebeltbr\u00fccke war der optische Ertrag der Br\u00fcckenpassage bescheiden. Es war praktisch nichts zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;In Schweden angekommen lie\u00dfen wir Malm\u00f6 rechts liegen und machten uns sofort auf in<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8197 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0314-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"441\" height=\"294\"\/> den Norden. Von irgendeiner Grenzkontrolle war nirgendwo etwas zu sehen. Auch in Schweden wird die Corona Pandemie ganz anders gehandhabt als in Deutschland. Schweden hat sich von Anfang an auf den Schutz der Risikogruppen konzentriert&nbsp; und die brutalen Lockdowns, die in Deutschland so gro\u00dfen Schaden angerichtet haben, vermieden. Dabei liegen beiden L\u00e4nder, was die Zahl der Corona-Toten pro einer Million Einwohner betrifft, fast gleichauf. In Deutschland sind etwa 1.100 Menschen auf eine Million Einwohner gestorben (0,11 %), in Schweden liegt der Wert bei 0,14%. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Eine Warnung unseres Navigators &nbsp;veranlasste uns zu einem Umweg durch das Hinterland, der sich als unerwartet lieblich herausstellte. Weizenfelder kurz vor der Heuernte wogten in einer h\u00fcgeligen Landschaft. &nbsp;Kleine Baumgruppen standen am Rande goldgelber Felder wie freundliche Wachsoldaten. Ab und an ein Hof in rostroten Farben gestrichen, umgeben von Hafer, Roggen, R\u00fcben, Raps und Hirse. Schwedens S\u00fcden, dachte ich, eine Landschaft, so proper, als w\u00fcrde man sie jeden Tag durch die Waschstra\u00dfe schieben.<\/p>\n<p>&nbsp; Am fr\u00fchen Nachmitttag erreichten wir Tylosand, die so genannte \u201eschwedische Riviera\u201c, einen &nbsp;kilometerlangen Sandstrand zwischen Helsingborg und G\u00f6teborg auf der Halbinsel von Halmstad. Das Wetter war bilderbuchm\u00e4\u00dfig, und ein frischer Wind sorgte daf\u00fcr dass es<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8166 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-341x800.jpg\" alt=\"\" width=\"272\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-341x800.jpg 341w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-511x1200.jpg 511w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-768x1804.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-654x1536.jpg 654w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-872x2048.jpg 872w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210717_093226-scaled.jpg 1090w\" sizes=\"auto, (max-width: 272px) 100vw, 272px\" \/> trotz 33\u00b0 sogar in der Sonne gut auszuhalten war. Der Himmel war makellos blau, und wir f\u00fchlten uns sauwohl. Aber nur, bis wir nach anderthalb Stunden zu unserem Auto zur\u00fcckkamen und feststellen mussten dass wir eine Knolle von sage und schreibe 90 \u20ac verpasst bekommen hatten. Schweden ist f\u00fcr Parks\u00fcnder und Schnellfahrer ein Land ohne Gnade &#8211; das lernten wir auf diese Weise schon am ersten Tag.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Der Rest des Tages verging mit der Reise nach Norden. Die schwedischen Autobahnen \u00e4hneln den amerikanischen, mehr als 110 oder 120 Stundenkilometer darf man auf Ihnen nicht fahren. Da sich aber alle an diese Geschwindigkeitsvorgaben hielten, ging es gut voran. Wir verzichteten auf einen Stopp in G\u00f6teborg und fuhren weiter nach &nbsp;Uddevalla in Richtung norwegischer Grenze. Uddevalla ist eine h\u00e4ssliche Industriestadt mit sch\u00f6nem Meereszugang, die ich als \u00dcbernachtungsetappe nur deswegen ausgew\u00e4hlt hatte, weil ich von hier aus die K\u00fcste bereisten wollte. Immerhin &nbsp;entpuppte sich das \u201eHotel Viking\u201c, das von einem britischen Ehepaar gef\u00fchrt wurde, als ein wahres Juwel. Jeder Raum war mit Liebe und Geschick im britischen Landhausstil eingerichtet. Es gab sogar eine Bibliothek und einen Schachtisch. Am Abend a\u00dfen wir im zauberhaften Garten des Hotels einen leckeren Salat, den Lilia angerichtet hatte. \u00dcbrigens leben wir von nun an zum gr\u00f6\u00dften Teil von unseren eigenen Nahrungsmittelvorr\u00e4ten und gehen nur selten essen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8169 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-900x535.jpg\" alt=\"\" width=\"363\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-900x535.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-1920x1141.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-768x456.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-1536x913.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0280-2-2048x1217.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/>&nbsp; Die K\u00fcste zwischen G\u00f6teborg und Oslo wird als \u201eBoh\u00fcslan\u201c bezeichnet. Sie besteht aus unz\u00e4hligen steinernen Inseln und kleinen Fjorden, die tief ins Land reichen. &nbsp;In den siebziger Jahren hatte ich wohl ein halbes dutzendmal als Pfadfinder an dieser K\u00fcste gezeltet. Es dauerte etwas, ehe ich&nbsp; den Zeltplatz meiner Jugend in der N\u00e4he des kleinen Ortes Ljungskile wiederfand.&nbsp; Zahlreiche Ferienh\u00e4user,&nbsp; ein neuer Campingplatz und eine asphaltierte Stra\u00dfe hatten das Gel\u00e4nde komplett ver\u00e4ndert. &nbsp;Endlich, nach fast einer Stunde Fu\u00dfmarsch, erreichten wir den Eingang zum KFUM Camp von Sparreviken. Ich erkannte das alte Saunahaus am Wasser wieder, nicht aber den Zeltplatz, der in Teilen \u00fcberwachsen und verlegt worden war. Da, wo fr\u00fcher unsere Koten gestanden hatten, erhob sich nun hohes Gras. Geblieben waren nur die Felsen, auf denen ich Erinnerungen an l\u00e4ngst vergessene Gesichter und Geschichten nachhing. &nbsp;&nbsp;Im Abstand eines halben Jahrhunderts erblickte ich schwarze<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8168 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0304-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 393px) 100vw, 393px\" \/> Koten, ein gro\u00dfes wei\u00dfes Versammlungszelt und ein Fahnenmast unter einem bedeckten Himmel. Wenige Meter abseits befand sich das Ufer des Fjords, an dem wir uns allmorgendlich gewaschen hatten. Weit schweifte der Blickt \u00fcber das Wasser hinweg, \u00fcber kleine Inseln bis zum anderen Ufer. Ich wei\u00df noch, wie beeindruckt ich von den Koten gewesen&nbsp; war, schwarzen Zelten, die an drei Stangen hingen und in deren Innern man um ein Lagerfeuer herumliegen konnte, w\u00e4hrend sich der Rauch durch eine \u00d6ffnung im Zeltdach verzog. Morgens versammelten wir uns zum Fahnenappell, bei dem wir stramm &nbsp;in einer Reihe standen, die Morgenlosung h\u00f6rten und im Hinblick auf ordentliches Aussehen und Sauberkeit kontrolliert wurden. M\u00f6glich, dass meine lebenslange Vorliebe f\u00fcr Hierarchie und Ordnung auf diesen fr\u00fchen Erfahrungen beruht.&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8170 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Sm\u00f6gen-2-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"246\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Sm\u00f6gen-2-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Sm\u00f6gen-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Sm\u00f6gen-2.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/>&nbsp; Nach dem Besuch von Sparreviken fuhren wir nordw\u00e4rts in die Sch\u00e4ren nach Sm\u00f6gen, einem landesweit bekannten Fischerdorf, direkt auf Felsen am Meer gebaut.&nbsp; Von einem H\u00fcgel aus \u00fcberblickten wir die gesamte K\u00fcste, die roten H\u00e4user Sm\u00f6gens und wei\u00dfen Segelboote, die im Hafen d\u00fcmpelten. &nbsp;Auf dem h\u00f6chsten Felsen sa\u00df ich eine Weile und blickte auf das glitzernde Meer im Gegenlicht. Das Leben ist wie eine Uhr, dachte ich die abl\u00e4uft. Keiner wei\u00df, wann sie stehen bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp; Am n\u00e4chsten Morgen verlie\u00dfen wir Uddevalla in Richtung Trollh\u00e4ttan. Wieder lag ein makelloser Sommerhimmel \u00fcber Schweden. Wir passierten Trollh\u00e4ttan, die bedeutendste Schleusenstation des G\u00f6takanal. Hier bringen sechs Schleusen die Frachtschiffe von V\u00e4nersee aus auf Meeresh\u00f6he. Wie aber kam es zu diesen H\u00f6henunterschieden?&nbsp; In der Eiszeit, als Schweden von gewaltigen Gletschern bedeckt gewesen war, hatte sich das Land unter dem Gewicht des Eises abgesenkt. Als das Eis zur\u00fcckgegangen war hob es sich wieder, ein Vorgang, der bis heute anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp; Nach Trollh\u00e4ttan fuhren wir weiter nach Norden die K\u00fcste des V\u00e4nersees entlang. Der V\u00e4nersee ist mit einer Fl\u00e4che von 5640 Quadratkilometern, 2000 km K\u00fcstenl\u00e4nge und 200 Inseln der gr\u00f6\u00dfte See Schwedens (und der der drittgr\u00f6\u00dfte See Europas). Er &nbsp;befindet sich<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8171 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"423\" height=\"282\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0376-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 423px) 100vw, 423px\" \/> 35 m \u00fcber dem Meeresspiegel und hat eine durchschnittliche Tiefe von 100 m.<\/p>\n<p>&nbsp; Die beliebteste Sehensw\u00fcrdigkeit im S\u00fcdosten des V\u00e4nersees ist Schloss L\u00e4ck\u00f6 auf der Halbinsel Kalla.&nbsp; Dieses Schloss war wie eine sch\u00f6ne leere Auster, denn kaum eines der 200 R\u00e4ume war &nbsp;m\u00f6bliert. Daf\u00fcr, dass L\u00e4ck\u00f6 sein mittelalterliches Aussehen bewahrte, war die notorische Geldnot der Schlossbesitzer verantwortlich, die immer zu knapp bei Kasse gewesen waren, um das Schloss im barocken Stil umzugestalten. Gottseidank, kann man dazu nur sagen. Heute liegt Schloss L\u00e4ck\u00f6 als spektakul\u00e4rer wei\u00dfer Landschaftsschmuck am Ufer des Sees in mitten von Gras und Schilf und wirkt wie ein St\u00fcck Geschichte auf dem R\u00fcckweg in die Natur<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Zwischen der Halbinsel Kalla und Mariestad am S\u00fcdostufer des V\u00e4nersees befindet sich Kinnekule, eine Landschaftserhebung direkt am V\u00e4nersee, die man gar nicht bemerken w\u00fcrde, w\u00fcrde sie nicht von Hinweisschildern so aufdringlich angek\u00fcndigt, als handele es sich um eine Weltsensation &nbsp;Eine Stra\u00dfe direkt am Wasser f\u00fchrte an mittelalterlichen Kirchen vorbei, lauter wuchtigen Steingebilden, hart und rau wie das fr\u00fche Christentum, das den alten Glauben mit Stumpf und Stiel ausrottete. Alte Runensteine neben Findlingen aus Eiszeittagen erinnerten an die altvorderen Zeiten. Weit schweifte der Blick \u00fcber die Unendlichkeit des V\u00e4nersees. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;Unterwegs h\u00f6rten wir Selma Lagerl\u00f6fs \u201eDie wundersame Reise Nils Holgersson mit den Wildg\u00e4nsen\u201c als H\u00f6rbuch.&nbsp; Die Schweden erkennen in dieser m\u00e4rchenhaften Reise eines kleinen Jungen durch ganz Schweden den Lobgesang ihrer Heimat. Kein Wunder, dass sie ihrer Nationaldichterin daf\u00fcr im Jahr 1909 den Nobelpreis verliehen.&nbsp; Im Norden des V\u00e4nersees und der Stadt Karlstad befindet sich \u00fcbrigens Selma Lagerl\u00f6fs Gut \u201eM\u00e4rbacka\u201c, auf dem sie ihre Werke verfasste. Zeitweise hatte ich geplant, auch diese Gegend zu besuchen, dann fiel diese Idee der Zeitknappheit zum Opfer.<\/p>\n<p>&nbsp; Ziemlich genau in der Mitte der Reise hatten wir ein kleines Ferienhaus am Skagensee in<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8174 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"444\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0557-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/> der unmittelbaren Nachbarschaft des gro\u00dfen V\u00e4nersees gemietet. &nbsp;Das Haus lag kitschig sch\u00f6n in der N\u00e4he des Wassers und am Rand eines Waldes, &nbsp;besa\u00df allerdings wie die meisten schwedischen Ferienh\u00e4user nur einen klassischen \u201eDonnerbalken\u201c, den wir selbst mittels S\u00e4gesp\u00e4nen und Eimern bearbeiten und pflegen mussten.<\/p>\n<p>&nbsp; Die Inhaber des Ferienhauses waren zwei Norddeutsche, deren Geschichte mir interessant und exemplarisch vorkam, weswegen ich sie hier ohne Namensnennung kurz wiedergebe. Das bemerkenswerte an beiden war zun\u00e4chst, dass sie den Mut gehabt hatten, ihre Tr\u00e4ume von Wandel und Neuanfang tats\u00e4chlich in die Tat umzusetzen. Beide hatten vor 12 Jahren das gro\u00dfe Grundst\u00fcck am Skagensee erworben, um sich hier, abseits der st\u00e4dtischen Hektik und der deutschen Gesamtidiotie, ihr privates Shangri-La zu errichten.&nbsp; Langfristig sollten Landwirtschaft und Ferienhaus-Tourismus die wirtschaftliche Basis dieses Neustarts sichern. Damit finanziell auch nichts anbrannte, hatte sie&nbsp; zun\u00e4chst ihren gut bezahlten Job bei Radio Bremen behalten, w\u00e4hrend er ganz nach Schweden umzog. Beide mussten also \u00fcber Jahre hinweg eine Fernbeziehung f\u00fchren, was sich auf die Dauer als schwierig erwies. Denn monatelang alleine im schwedischen Winter ohne Frau zu verbringen, machte ihn m\u00fcrbe.&nbsp; Der Ausbruch der Corona-Pandemie hatte die Situation aktuell etwas&nbsp; entspannt, weil es ihr nun&nbsp; m\u00f6glich war,&nbsp; im home office zu arbeiten und l\u00e4nger in Schweden zu bleiben. Trotzdem war die Begeisterung der beiden Auswanderer etwas abgeklungen. In Schweden alt zu werden konnten sich beide nicht vorstellen, denn das Gesundheitssystem in Schweden ist viel schlechter als sein Ruf. Man wird hier bei einer Krankmeldung erst einmal von einer Krankenschwester interviewt und dann erst von ihr an einen Arzt weitergeleitet, den man sich nicht aussuchen kann. W\u00e4hrend ich mich mit ihr&nbsp; unterhielt, blieb er im Haus. Daf\u00fcr sa\u00df der&nbsp; schwarze Kater auf Lorettas Scho\u00df. Wenigstens er f\u00fchlte sich in Schweden sauwohl.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; &nbsp;&nbsp;In den n\u00e4chsten Tagen lie\u00dfen wir es ruhig angehen. Lilia legte sich tags\u00fcber zum Sonnen auf die Decke, ich vertiefte mich in die <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/die-fuenf-schubladen-der-schwedischen-geschichte\/\">schwedische Geschichte<\/a>. Langsam gewannen auch die St\u00e4dte Kontur und Bedeutung: Lund ist die Stadt der Christianisierung, Trollh\u00e4ttan die Stadt der Schleusen. Karlskroga im Norden des V\u00e4nersees ist mit dem Namen Alfred Nobels verbunden. J\u00f6rnk\u00f6pping ist die Z\u00fcndholzstadt, Ystad&nbsp; die Heimat Kommissar Wallanders, G\u00f6teborg eine Gr\u00fcndung von Gustav II Adolf als das Tor zum Westen. In Lorettas Ferienhausbibliothek entdeckte ich au\u00dferdem <a href=\"http:\/\/adrian-ambrer.de\/niemi-poularmusik-aus-vitulla\/\">Michael Niemis \u201ePopul\u00e4rmusik aus Vittula\u201c<\/a>, einen extrem unterhaltsamen Roman, der mir die Abende verk\u00fcrzte.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Geographisch ist der Skagensee nur ein kleiner Bruder des V\u00e4nersees, auch wenn er<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8172\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0414-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/> selbst so gro\u00df ist, dass man kaum auf die andere Seite sehen kann. &nbsp;&nbsp;Abends entfaltete der See ein kanadischen Flair, wenn das Licht des sp\u00e4ten Tages das Wasser tintenblau kolorierte. Der Wind strich sanft durch die B\u00e4ume, das Rauschen der Bl\u00e4tter und das Pl\u00e4tschern des Wassers vollf\u00fchrten ein Duett, und die &nbsp;Schatten der Tannen wanderten \u00fcber die Wiesen. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; &nbsp;&nbsp;Manchmal empfingen wir auch Nachrichten von den schrecklichen Verw\u00fcstungen, die die Sturzfluten zuhause angerichtet hatten. Menschen, die pl\u00f6tzlich vor den Tr\u00fcmmern ihrer H\u00e4user standen, blickten fassungslos in die Kamera. Die Politiker, die den ganzen Tag vom Klimawandel schwafeln, es aber vers\u00e4umten, f\u00fcr Abwasserkan\u00e4le und Ablaufbecken zu sorgen, soll der Teufel holen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8173 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-900x505.jpg\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-900x505.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-1920x1078.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-768x431.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-1536x862.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0034-2048x1150.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 453px) 100vw, 453px\" \/>&nbsp; Endlich rafften wir uns zu einem Ausflug in den Tiveden Nationalpark auf. Er befand sich etwa 70 km von unserem Ferienhaus entfernt, wof\u00fcr wir anderthalb Stunden Anfahrt ben\u00f6tigten. Endlos erstreckten sich die Tannenw\u00e4lder zu beiden Seiten der Stra\u00dfe. Eine Tanne ist ein stolzer Baum zweifellos, aber seine abwechslungslose Massierung deprimiert. Die Tanne, der Protestant unter den B\u00e4umen. &nbsp; Vom Eingang des Nationalparks, der direkt neben einem Bilderbuchsee lag, f\u00fchrten Wanderwege in die umgebenden W\u00e4lder. &nbsp;Manche waren nur anderthalb, andere vier bis f\u00fcnf Stunden lang. Alle boten eine Kombination von Wasser, Wald und Felsen, Bei den Felsen handelte es sich riesige Findlinge, die in der letzten Eiszeit von den Eismassen nach S\u00fcden mitgeschleppt worden waren und die dann, nach dem Schmelzen des Eises, einfach liegen geblieben sind. Heute bilden sie in ihrer au\u00dferweltlichen Klobigkeit die Attraktion des Waldes.<\/p>\n<p>&nbsp; Als wir am Abend zur\u00fcckkamen, fuhr mir kurz vor dem Ferienhaus auf einer schmalen Stra\u00dfe ein gro\u00dfer Bus entgegen. Ich versuchte mein Bestes, ihn zu passieren, rutschte dabei aber in einem Graben und kam nicht mehr hinaus. Ehe wir uns versahen, standen die Bewohner des Nachbarhofes mit Auto und Abschleppseil auf der Matte und befreiten uns aus dem Graben. Bezahlung wollten sie nicht. &nbsp;Man sieht, der Schwede ist ein hilfsbereiter Mensch. Erstgr\u00fc\u00dfen allerdings ist seine Sache nicht, im Gegenteil, schalmeienhaftes Getue, wie es dem Rheinl\u00e4nder eigen ist, kommt ihm aufdringlich vor. &nbsp;Zu Hause trinkt er wenig, weil die Alkoholpreise zu hoch sind. Daf\u00fcr l\u00e4sst er sich im Urlaub etwa in Spanien oder Griechenland gerne verlaufen so dass er insgesamt, was seinen Alkoholkonsum betrifft dem europ\u00e4ischen Durchschnitt entspricht.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Am letzten Abend im Ferienhaus gab es ein Festessen mit&nbsp; k\u00f6stlichen Schafsw\u00fcrsten unserer Vermieterin.. Zu letzten Mal spazierten wir anschlie\u00dfend das Ufer des Skagensees entlang. Lilia sichtete die H\u00f6rb\u00fccher, der Wagen wurde entr\u00fcmpelt, es wurde Zeit f\u00fcr die Weiterreise.<\/p>\n<p>&nbsp; Der lange Weg vom Skagensee nach Stockholm begann am fr\u00fchen Morgen mit der<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8175\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0570-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 603px) 100vw, 603px\" \/> Passage Dutzender Radarkontrollen, die in Gestalt schlanker, dunkler Metallst\u00e4be die schwedischen Stra\u00dfen s\u00e4umen. Einen Augenblick fantasierte ich, es w\u00e4ren Wach- und Beobachtungsstationen von Aliens, die auf diese Weise die Welt kontrollieren. Wir passten auf wie die Luchse, aber einmal blitzte es trotzdem, was wieder zu einem herben Stimmungsknick f\u00fchrte, der uns den Rest der Fahrt nach \u00d6rebro besch\u00e4ftigte.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Die gewaltige Burg von \u00d6rebro war ber\u00fchmt f\u00fcr ihre wuchtigen&nbsp; T\u00fcrme.&nbsp; Dabei war die Wuchtigkeit der T\u00fcrme vergebliche Liebsm\u00fch\u00b4 gewesen, denn milit\u00e4rtechnisch waren sie schon zum Zeitpunkt ihrer Erbauung \u00fcberholt gewesen. &nbsp;Beim &nbsp;Wettlauf zwischen Artillerie und Festungsbau hatten die Burgen sp\u00e4testens seit dem 17. Jahrhundert das Nachsehen, ganz egal, wie dick ihre Mauern waren. &nbsp;1809 wurde der Franzose Bernadotte in Schloss \u00d6rebro zum K\u00f6nig der Schweden gew\u00e4hlt. \u00dcbrigens regiert diese Dynastie noch heute. Die Amouren, f\u00fcr die der aktuelle K\u00f6nig Karl Gustav seine Landsleute unterh\u00e4lt, m\u00f6gen auf sein franz\u00f6sisches Erbteil zur\u00fcckgehen. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Schon anderthalb Stunden sp\u00e4ter erreichten wir Schloss Gripsholm, das in Deutschland<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8176 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Schloss-Gripsholm-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"436\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Schloss-Gripsholm-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Schloss-Gripsholm-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Schloss-Gripsholm.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 436px) 100vw, 436px\" \/> vielleicht bekannteste schwedische Schloss. Bekannt deswegen, weil Kurt Tucholsky hier den Roman \u201eSchloss Gripsholm\u201c schrieb. &nbsp;Ich hatte im Vorfeld der Reise versucht, das Buch zu anzulesen, hatte aber das Handtuch werfen m\u00fcssen, weil ich mit dem s\u00fc\u00dfsauren &nbsp;Tucholskystil nicht zurechtkam. Ich vermute, dass 90 % der Leute, die dieses Buch preisen, es nicht gelesen haben. Das Schloss dagegen war keine Entt\u00e4uschung. Es lag auf einer kleinen Insel, die \u00fcber eine Br\u00fccke erreichbar war und gl\u00e4nzte in einem&nbsp; milden aristokratischen Rot unter der glei\u00dfender Sonne. Umgeben war das Schloss von gepflegten Rasen und Blumeng\u00e4rten. In seinem Innern enthielt es eine Galerie von &nbsp;4000 Adelsgesichtern. Aber wer wollte die&nbsp; sehen?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8178\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/drottningholms-slott-foto-raphael-stecksen-900x450.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/drottningholms-slott-foto-raphael-stecksen-900x450.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/drottningholms-slott-foto-raphael-stecksen-768x384.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/drottningholms-slott-foto-raphael-stecksen.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/>&nbsp; Da es noch fr\u00fch am Tag war, entschlossen wir uns, Schloss Drottningholm im Osten Stockholms zu besuchen. Leider war dieses Schloss nur \u00fcber eine Reihe ineinander verschlungener Autobahnen zu erreichen, auf denen ich mich zweimal verfuhr. Als wir das pr\u00e4chtige Schloss endlich erreichten, war es bereits geschlossen, und wir mussten uns mit der Parkansicht begn\u00fcgen. Daf\u00fcr k\u00e4mpften wir \u00fcber eine halbe Stunde mit der App eines Parkautomaten, der meine Kreditkarte nicht annehmen wollte. &nbsp;Hoffentlich schickt uns der schwedische Staat keine Knolle nach Deutschland. Zweifellos befindet sich Schweden in digitaler Hinsicht bereits in einer anderen Epoche. Bei McDonald\u2019s werden die Hamburger am Automaten bestellt, Fahrkarten in Bussen und Bahnen werden nur bargeldlos bezahlt. Selbst f\u00fcr das Pinkeln braucht man&nbsp; eine App.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;Der letzte Teil der Tagesreise verlief einfacher als erwartet. Ein Tunnel f\u00fchrte uns unter die gesamte Stadt hindurch in den Westen zum N\u00e4cka Strand. Unser Hotel lag hoch \u00fcber dem Sch\u00e4renkanal und bot einen wunderbaren Blick auf Wasser und Land. Im Garten des Hotels waren St\u00fchle und Tische aufgestellt, an denen man nachmittags kostenfrei Kaffee oder Tee<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8182 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-900x675.jpg\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"312\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-1600x1200.jpg 1600w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-768x576.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_3605-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/> genie\u00dfen konnte. &nbsp;&nbsp;F\u00fcr uns gab es zum Abendesse allerdings nur Kn\u00e4ckebrot und Dosenfleisch aus eigenen Best\u00e4nden. Merkw\u00fcrdig, wie&nbsp; gut solch karge Mahlzeiten munden, wenn man Hunger hat.<\/p>\n<p>&nbsp; &nbsp;Zwei voll Tage blieben wir in Stockholm. Die Fahrt vom N\u00e4cka Strand nach Stockholm mit dem regul\u00e4ren Boot dauerte eine halbe Stunde und f\u00fchrte an den Anlegestellen gro\u00dfer Kreuzfahrtschiff, an edlen Hotels, Museen und Freizeitparks vor\u00fcber. An der Endhaltestelle Nybroplan mitten in der Innenstadt stiegen wir aus. Auf den ersten Blick erinnerte mich das Stadtbild an Luzern, nur mit weniger Menschen und flacherer Topografie. \u00dcberall sausten junge M\u00e4nner und Frauen auf E-Bikes durch die Gegend,<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8199 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"229\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0670-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/> w\u00e4hrend der Autoverkehr erfreulich bescheiden war. Das Wetter war grandios, die Luft frisch und der Menschenandrang \u00fcberschaubar. Wir liefen zuerst zur Sankt Jakobs Kirche und standen vor der \u00fcberlebensgro\u00dfen Statue Karls XII, Schwedens Heldenk\u00f6nig, dessen Schlachten den Zenit und das Ende der schwedischen Gro\u00dfmachtstellung markierten. &nbsp;Als ein junger Alexander war Karl XII am Beginn des 18. Jahrhunderts in die Tiefen Russlands gezogen, nur sein Darius war ein anderer gewesen. Pater der Gro\u00dfe, der Reformator Russlands, mache damals im Nordischen Krieg (1700-1721) der schwedischen Gro\u00dfmachtstellung ein Ende.<\/p>\n<p>&nbsp; Wir liefen weiter zu Stockholms historischer Hauptinsel Gamla Stan und sa\u00dfen eine Weile vor dem K\u00f6nigsschloss, dem gr\u00f6\u00dften bewohnten K\u00f6nigs Schloss der Welt. Vor seinem Eingang wachte Marschall Bernadotte als K\u00f6nig Karl Johann riesengro\u00df in Stein auf seinem Pferd und wies ist mit der Hand in eine imagin\u00e4re Ferne. Zuf\u00e4llig wurden wir an der k\u00f6niglichen Wache hinter dem Schloss &nbsp;Zeuge der Wachabl\u00f6sung. Eine betr\u00e4chtliche Menschenmenge hatte er sich vor dem Eingang versammelt, um diesem Schauspiel beizuwohnen. Die Soldaten bewegten sich wie die aufgezogenen Spielzeugpuppen, was vor allen den Kindern gefiel. Ein wenig vom Marionettenhaften aller Tradition wurde bei diesem Zeremoniell sichtbar.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8179\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0700-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/> Einige Ecken weiter befand sich der Storteget, der mittelalterliche Marktplatz der Stadt mit seinen roten, gelben und ockerfarbenen H\u00e4userfassaden.&nbsp; Rechter Hand erhob sich das Geb\u00e4ude des schwedischen Akademie f\u00fcr Literatur, in dem das neue Nobelpreismuseum untergebracht war. Urspr\u00fcnglich hatten die Nobelpreise nur die Naturwissenschaften betroffen. Erst sp\u00e4ter waren&nbsp; Wirtschaft und Literatur, schlie\u00dflich sogar der Friede<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8177 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-580x800.jpg\" alt=\"\" width=\"273\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-580x800.jpg 580w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-870x1200.jpg 870w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-768x1060.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-1113x1536.jpg 1113w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710-1484x2048.jpg 1484w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/20210722_170710.jpg 1717w\" sizes=\"auto, (max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/> hinzugekommen. Allerdings war, was den Friedens- und Literaturnobelpreis betraf, &nbsp;das Renommee\u00b4 des Nobelpreiskomitees inzwischen reichlich ramponiert. Man denke nur an die Friedensnobelpreise f\u00fcr einen Terroristen wie Jassir Arafat oder die Literaturnobelpreise f\u00fcr&nbsp; Jelinek, Fo und Tokaczuk. Das typisch skandinavische Missverst\u00e4ndnis, Gerechtigkeit und Leistungen h\u00e4tten etwas mit Proporz zu tun, hatte diese Preise ruiniert.<\/p>\n<p>&nbsp;Wir spazierten weiter zum Denkmal des Stadtgr\u00fcnders Jarl Birgers vorbei und&nbsp; ein von kleinen B\u00e4umen und Sitzb\u00e4nken ges\u00e4umtes Ufer, von dem aus sich eine sch\u00f6ne Panoramaaussicht auf das Stockholmer Rathaus auf der anderen Seite des Kanals bot. &nbsp;In seiner klotzigen, fast sozialdemokratischen Eckigkeit veranschaulichte es die &nbsp;\u00e4sthetische Fallh\u00f6he, die mit dem \u00dcbergang vom aristokratischen zum demokratischen Zeitalter verbunden gewesen war. Immerhin lagen einige halbnackte Sch\u00f6ne am Ufer und lie\u00dfen sich von der Sonne bescheinen.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8180\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0711-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp; Gem\u00e4chlich schlenderten wir weiter und nahmen in dem Garten gleich neben dem Mittelaltermuseum einen kleinen Mittagssnack. Wieder genossen wir einen grandiosen Sommertag, und die Stadt pr\u00e4sentierte sich wie auf einem Hochglanzprospekt. Rechter Hand erhob sich das monumentale Reichstagsgeb\u00e4ude, jenes Parlament, in dem bereits in der fr\u00fchen Neuzeit auch die Bauern vertreten gewesen waren. H\u00f6hepunkt unseres Stockolmbesuches aber war das <a href=\"http:\/\/adrian-ambrer.de\/das-vasa-museum-in-stockholm\/\">Vasa-Museum<\/a> auf der Insel Skeppsholmen, in dem wir den ganzen zweiten Tag in Stockholm verbrachten. Dieses Museum kann ich nur jedem aus Herz legen. Es entf\u00fchrt den Besucher in&nbsp; faszinierend anschaulicher Weise in eine g\u00e4nzlich andere Epoche. Wer mehr dar\u00fcber, erfahren will, der klicke hier.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Nach drei N\u00e4chten nahmen wir Abschied von Stockholm und dem N\u00e4ckastrand. Fr\u00fch am Morgen brachen wir auf und erreichten schon am Mittag Motola, die sogenannte \u201eHauptstadt des G\u00f6takanals\u201c am V\u00e4ttersee. Im Reisef\u00fchrer las ich, dass der G\u00f6takanal inklusive der Fluss- und Seepassagen fast 400 km lang ist und mit Hilfe von 58 Schleusen einen H\u00f6henunterschied von 90 Metern \u00fcberwindet. Er verk\u00fcrzt die Seestrecke von<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8200 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/G\u00f6ta-kanal-Photo-Cred-\u00c5sa-Dahlgren-900x450.jpg\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"166\"\/> Stockholm zur Nordsee ganz erheblich, ist aber mittlerweile mehr eine touristische als eine \u00f6konomische Ressource. Auf dem G\u00f6takanal als Tourie durch Mittelschweden zu d\u00fcmpeln, gilt unter gesetzteren Semestern als der letzte Schrei und kommt gleich hinter der Durchquerung des Panamakanals. Viel gesehen haben wird davon nicht. In Motola spazierten wir das Ufer eines Auffangbeckens entlang, a\u00dfen ein Eis, vertraten uns die Beine und machten das wir weiterkamen.<\/p>\n<p>&nbsp;Von \u00d6desh\u00f6g bis Jonk\u00f6pping f\u00fchrte die Autobahn \u00fcber siebzig Kilometer lang direkt am Ufer des V\u00e4ttersees entlang.&nbsp; Der V\u00e4ttersee ist von Nord nach S\u00fcd etwa 130 Kilometer lang und 1900 qkm gro\u00df. Am Nachmittag machten wir ein&nbsp; stopp hoch \u00fcber dem See und g\u00f6nnten uns einen Milchkaffee mit Kuchen f\u00fcr 100 schwedische Kronen. &nbsp;Danach gab ich Gas und fuhr mit dem Bleifu\u00df die restlichen 350 Kilometer bis Malm\u00f6 in einem Rutsch durch.<\/p>\n<p>&nbsp; Unser \u201eHotel One\u201c in Malm\u00f6 befand sich direkt in der Innenstadt und besa\u00df einen Parkplatz gleich unter dem Hotel. Die Zimmer waren kaum gr\u00f6\u00dfer als Japanische <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8183\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0854-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/>Schlafr\u00f6hren, aber funktional und sauber. In der Innenstadt, die gleich hinter dem Hotel begann, beeindruckte uns das prachtvolle Rathaus, dessen Wirkung aber durch einen benachbarten Rummelplatz beeintr\u00e4chtigt wurde. Die Stadt als solche war unansehnlich und \u2013 ich traue mich gar nicht, es niederzuschrieben \u2013 die dreckigste Stadt, die wir in Schweden bisher gesehen hatten. \u00dcberall lagen Abf\u00e4lle, Mulch und M\u00fcll auf den Stra\u00dfen, und auch die Leute, die an uns vor\u00fcberspazierten, waren weniger proper als die Gestalten, die uns in Stockholm oder \u00d6rebro begegnet waren. Daf\u00fcr sonnte sich die Stadt im Regenbogenoutfit. M\u00fclleimer, Parkb\u00e4nke, Fahnen, sogar das Verpackungsmaterial des Hamburgers waren in Regenbogenfarben gehalten. Bei Burger King kam ich mit einem jugendlichen Libanesen ins Gespr\u00e4ch, der ganz begeistert dar\u00fcber war, in mir einen Deutschen zu treffen. Ganz im Unterschied zu dem, was uns unserer heimischen Medien erz\u00e4hlen, sind die meisten Migranten im Ausland auf Deutschland gut zu sprechen. Schweden hat \u00fcbrigens im Zuge der Massenzuwanderung des Jahres 2015 an seiner Bev\u00f6lkerung gemessen eine \u00e4hnlich gro\u00dfe Zahl von Migranten aufgenommen wie Deutschland, Gemerkt haben wir davon nichts, ganz im Gegenteil: die Migranten, die uns begegneten waren flei\u00dfig, zuvorkommend und gut integriert. Wenn sie alle so w\u00e4ren, k\u00f6nnten gerne noch ein paar Millionen kommen. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Am n\u00e4chsten Morgen fuhren wir nach Ystad, die Stadt Kommissar Wallanders. Sie war<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8185 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-900x462.jpg\" alt=\"\" width=\"409\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-900x462.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-1920x985.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-768x394.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-1536x788.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0887-2-2048x1051.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 409px) 100vw, 409px\" \/> gesichtslos und grau wie die Stimmung der Romane, mit denen Henning Mankell weltber\u00fchmt wurde. Auch die sch\u00f6nen Uferstra\u00dfen, auf denen Kommissar Wallander den \u00dcbert\u00e4tern nachsp\u00fcrt, haben wir nicht gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;Eine halbe Stunde \u00f6stlich von Ystad befindet sich Ale Stenar, das \u201egermanische Stonehenge\u201c, &nbsp;eine fr\u00fchmittelalterlichen Steinsetzung, die entweder einen Kultplatz oder ein Schiff darstellen soll. &nbsp;Ale Stenar lag auf einem H\u00fcgel oberhalb der Ostsee und bestand aus 59 etwa zwei Meter hohen Felsbl\u00f6cken, die auf einer Fl\u00e4che von ca. 60 mal 20 Metern wie die Umrandung eines&nbsp; gro\u00dfen Kultplatzes aufgestellt worden waren.&nbsp; Was immer diese Steinsetzung auch dereinst bedeutet haben m\u00f6chte,&nbsp; an diesem Sonntag str\u00f6mten tausende Schweden von den Parkpl\u00e4tzen auf den H\u00fcgel, fotografierten sich, das Meer und die Steine, um dann als Bestandteile eines menschlichen Lindwurms wieder zu ihren Fahrzeugen zur\u00fcckzustr\u00f6men. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Das so genannte \u201eGimmlinghus\u201c war unser n\u00e4chstes Ziel. Es handelte sich um ein gro\u00dfes,<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8186 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"393\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0912-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 393px) 100vw, 393px\" \/> drei\u00dfig Meter hohes Geb\u00e4ude mit wenig Fenstern, das ganz klar als Verteidigungsgeb\u00e4ude konzipiert worden war. Da der K\u00f6nig im Sp\u00e4tmittelalter den Bau von Burgen verboten hatte, verkrochen sich die Adelsfamilien in hohen, festen fensterlosen H\u00e4usern. Im 15. Jahrhundert waren ganz Schweden und D\u00e4nemark voll derartiger \u201eStronghus\u201c-Festungen. Ein wenig erinnerten mich diese H\u00e4user an die fensterlosen Geschlechtert\u00fcrme der oberitalienischen St\u00e4dte. Geschlechterturm und Stronghus waren der architektonische Ausdruck f\u00fcr eine Krise des Adels, der sich vom K\u00f6nig (Strong aus) oder den st\u00e4dtischen B\u00fcrgern (Geschlechterturm) bedr\u00e4ngt f\u00fchlt.&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Meine Idee, am Ende unserer Reise gem\u00fctlich die s\u00fcdschwedische K\u00fcste entlangzufahren und uns an den Str\u00e4nden zu erholen, erwies sich als ein Schuss in den Ofen. Denn es&nbsp; war Sonntag, und&nbsp; die Stra\u00dfen waren verstopft mit einheimischen Ausfl\u00fcglern. Wir passierten h\u00e4ssliche Rummelpl\u00e4tze, auf denen sich tausende Schweden vergn\u00fcgten, als g\u00e4be es kein Morgen. &nbsp;Das vielger\u00fchmt Ahus entpuppte sich als ein verd\u00fcmpeltes Ufer im Schatten einer , das trotzdem \u00fcberlaufen war. &nbsp;Wir machten das Beste draus, nahmen unser Picknick auf einer Bank direkt am Wasser und fuhren die restlichen 200 km direkt bis Kalmar<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8189\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0945-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp; Kalmar in S\u00fcdostschweden geh\u00f6rt zu den geschichtlich bedeutendsten St\u00e4dten des Landes. &nbsp;Hier wurde die Kalmarer Union geschlossen, die zwischen 1397 und 1521 ganz Skandinavien unter d\u00e4nischer F\u00fchrung vereinigte. Die Stadt brillierte durch das pr\u00e4chtige Wasserschloss gleich an der Ostsee, eine Stadtmauer und einen gro\u00dfen Hauptplatz mit Rathaus und Dom. &nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Weil wir es am Ende der Reise bequem haben wollten, hatte ich f\u00fcr 200 \u20ac die Nacht eine Unterkunft im sogenannten \u201eSchlosshotel\u201c gebucht. Es stellte sich aber heraus, dass das Schlosshotel kein Schloss war, sondern seinen Namen nur wegen seiner N\u00e4he zum eben erw\u00e4hnten Wasserschloss trug. Es gab weder Aircondition noch &nbsp;Room-Service. Das Fr\u00fchst\u00fcck war nichts Besonderes, und den ganzen Tag dudelte aufdringliche Schlagermusik \u00fcber das Gel\u00e4nde.<\/p>\n<p>&nbsp; Fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen machte ich mich bereits vor dem Fr\u00fchst\u00fcck zur anderen Seite der Bucht von Kalmar auf, von der aus sich das Schloss im optimalen Morgenlicht pr\u00e4sentierte. So betrachtet, ohne das Gewusel der Menschen, besa\u00df der Bau etwas Magisches. Fr\u00fcher war das Schloss der Schl\u00fcssel zur d\u00e4nisch-schwedischen Grenze gewesen. Nach dem Frieden von Roskilde, als 1658 ganz S\u00fcdschweden von D\u00e4nemark nach Schweden kam, verfiel das Schloss. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde es renoviert und geh\u00f6rt seitdem zu den touristischen Kronjuwelen der Nation.<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; \u00d6land, Schwedens zweitgr\u00f6\u00dfte Insel(nach Gotland), liegt wie eine flache Flunder vor der<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8190 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_0954-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/> K\u00fcste des Festlands. Die Insel ist 140 km lang und 11-17 km breit, und eine &nbsp;6 km lange Br\u00fccke verbindet die Stadt Kalmar mit der Insel. &nbsp;Auf der &nbsp;Hauptstra\u00dfe \u00d6lands herrschte eine Verkehrsdichte wie fr\u00fcher auf dem Autoput zwischen \u00d6sterreich und Griechenland. Borgholm die hochgelobte Hauptstadt der Insel, war ein \u00fcberlaufenes Kaffee- und Kuchennest. Wieder k\u00e4mpften wir mit den Park Apps und schafften es wieder nur mit Hilfe der Einheimischen. &nbsp;Als die ersten Regentropfen fielen, fuhren wir in den S\u00fcden, besichtigen die \u00dcberreste einer nordischen&nbsp; Fliehburg aus der Fr\u00fchphase des mittelalterlichen Christentums und fragten uns vergeblich, was an dieser Insel Besonderes sein soll. Wir dangen noch weiter in den S\u00fcden \u00d6lands vor, bis der Baumbestand ganz verschwand und sich vor unseren Augen eine regelrechte Steppe ausbreitete. W\u00e4re ich ein Gr\u00fcner, w\u00fcrde ich mir so Europa in zwanzig Jahren vorstellen, falls das 1,5 Grad Ziel verfehlt werden sollte. Am Meer besuchten wir einen tristen Campingplatz mit einem stinkenden Strand und k\u00fcmmerlichen B\u00e4umen. Der Ort war derart herbe, dass er fast schon wieder etwas Spektakul\u00e4res besa\u00df. Wer hier alleine zelten kann, hat eine Seele aus Stahl.<\/p>\n<p>&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;Langsam ging die&nbsp; endlose Gutwetterperiode zu Ende zu gehen, und es wurde Zeit f\u00fcr<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8191 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-900x515.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-900x515.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-1920x1099.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-768x439.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-1536x879.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1013-2-1-2048x1172.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/> die Abreise. Unsere F\u00e4hre nach Polen startete in &nbsp;Karlskrona, einer in Schweden hochgesch\u00e4tzten Stadt, die sich weitfl\u00e4chig \u00fcber mehrere Inseln erstreckte. Das Zentrum von Karlskrona bestand aus einem v\u00f6llig zugeparkten Hautplatz, einigen Denkm\u00e4lern und einer gro\u00dfen Kirche, die wir nicht besuchen konnten, weil wir ums Verrecken keinen Parkplatz fanden.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;Deswegen standen wir schon Stunden vor der abendlichen Abfahrt vor dem Hafenterminal der Stena Line und warteten, dass die Zeit verging. Lange blieben wir alleine, als wolle an<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8193 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-900x457.jpg\" alt=\"\" width=\"399\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-900x457.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-1920x975.jpg 1920w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-768x390.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-1536x780.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1027-2-2048x1040.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 399px) 100vw, 399px\" \/> diesem Tag au\u00dfer uns kein Mensch nach Polen reisen. Dann wurde es doch noch voller als erwartet. Pl\u00f6tzlich waren wir von regelrechten Blechlawinen umgeben, und hunderte LKWs und PKWs stauten sich gegen 20:00 Uhr vor den Auffahrtsrampen. Aber alles funktionierte wie von Geisterhand geleitet, und auch noch der dickste Brummer fand Platz im Schiff. P\u00fcnktlich um 21:00 legte die F\u00e4hre ab. Der Blick \u00fcber die Inseln von Karlskrona war unser Abschiedsblick auf Schweden, beschwingt genossen mit zwei &nbsp;gro\u00dfen Karlsberg Bier, die wir uns zur Feier des Tages g\u00f6nnten. &nbsp;Wir schliefen tief und fest in unserer Kabine und erwachen am n\u00e4chsten Morgen vor der K\u00fcste der polnischen Stadt Gdingen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-8194\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-1800x1200.jpg 1800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/IMG_1032-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p>(PS: Hier einige Details \u00fcber die <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/schweden-2021-route-hotels-preise\/\"><strong>Reiseroute und die Kosten der Schwedenreise<\/strong><\/a>&nbsp; ).&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;In der Nacht vor unserer Abreise regnete es zum Gotterbarmen. &nbsp;Noch wusste &nbsp;niemand, dass in den n\u00e4chsten Tagen \u00fcber Westdeutschland die schlimmste \u00dcberflutung seit Menschengedenken hereinbrechen w\u00fcrde. 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