{"id":7284,"date":"2020-04-07T08:47:59","date_gmt":"2020-04-07T08:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=7284"},"modified":"2025-06-03T10:32:51","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:51","slug":"leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/","title":{"rendered":"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag"},"content":{"rendered":"<p>Mitten in der Nacht fuhr der Zug in Moskwa ein. Die T\u00fcren gingen auf, die Soldaten sprangen in den Waggon und weckten die Schlafenden mit r\u00fcden Tritten. Eine neue Wachmannschaft war im Einsatz,&nbsp; lauter gro\u00df gewachsene Uniformierte, die mit ihren Gewehren vor den Augen der H\u00e4ftlinge herumfuchtelten. Die Deportierten wurden zu zwei&nbsp; Gef\u00e4ngnisbussen gef\u00fchrt, die sie vom Bahnhof in die Stadt fuhren.&nbsp; Nirgendwo brannte eine Stra\u00dfenlaterne. Unrat h\u00e4ufte sich auf den B\u00fcrgersteigen, und&nbsp; manche H\u00e4user wirkten mit ihren schadhaften Fassaden wie Ruinen nach einem B\u00fcrgerkrieg. War das Moskwa, die Hauptstadt der sozialistischen Welt? Obwohl bereits die ersten Lichtstreifen den Morgenhimmel durchzogen, war niemand auf den Stra\u00dfen zu sehen. &nbsp;&nbsp;Die Busse stoppten vor einem gro\u00dfen, umz\u00e4unten Gef\u00e4ngnisgeb\u00e4ude. &nbsp;Zwei Dolmetscher verk\u00fcndeten im Befehlston, dass es am Eingang des Gef\u00e4ngnisses vier Reihen g\u00e4be, je eine f\u00fcr Russen, Balten, Deutsche und eine vierte f\u00fcr Polen, und&nbsp; dass es von jetzt an streng verboten sei, auch nur ein Wort zu sprechen.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Die polnische Schlange war die l\u00e4ngste, aber es dauerte nicht lange, bis&nbsp; Marek an die Reihe kam. Er&nbsp; nannte seinen Namen, seinen Herkunftsort, unterschrieb einen Beleg,, den er nicht lesen durfte und wurde in eine Halle gef\u00fchrt, in der er seine Kleidung ausziehen musste. Seine beiden Pullover, die dicke Hose, die Unterw\u00e4sche, das Hemd und die Schuhe warf er auf einen Haufen zu den andern Sachen, um sich gleich anschlie\u00dfend nackt in einen Nachbarraum zu begeben, wo ihn ein Russe mit einem Schlauch erwartete und abspritze Der Strahl war stark, und eiskalt. Ein \u00e4lterer Mann vor Marek rutschte aus und fiel zu Boden. Wie ein Insekt, das sich nicht mehr erheben konnte, krabbelte er auf den Flie\u00dfen herum, w\u00e4hrend der Russe sich einen Spa\u00df daraus machte, den Alten durch gezieltes Bespritzen am Aufstehen zu hindern.&nbsp; Da es den Gefangenen verboten war, zu sprechen, war nur das Lachen und Gr\u00f6len der Wachmannschaften zu h\u00f6ren. Dann ert\u00f6nte ein scharfer Befehl, und der W\u00e4rter mit dem Schlauch beendete seine Schikane. Der Alte vor Marek stand auf und ging zitternd in die n\u00e4chste Halle. Hier wurden alle H\u00e4ftlinge mit Entlausungsmitteln bespr\u00fcht, ehe ein Arzt ganz am Ende des Durchlaufs die Abschlusskontrolle vornahm. Mehr als einen kurzen Blick g\u00f6nnte er keinem der H\u00e4ftlinge,. Ein Wink und weiter ging es.&nbsp; Hinter den drei Hallen erhielten die Gefangenen nummerierte H\u00e4ftlingskleidung, ein W\u00e4rter notierte die Nummern auf den H\u00e4ftlingsuniformen Mareks Nummer war 1794. &nbsp;&nbsp;\u00dcber der&nbsp; Zelle, in die Marek zusammen mit anderen H\u00e4ftlingen gef\u00fchrt wurde, prangte die Nummer 127. Als die Zellent\u00fcre ge\u00f6ffnet wurde, erblickte er einen lang gezogenen dunkeln Raum voller Menschen. Die meisten von ihnen lagen in grotesken Schlaf- und Ruhehaltungen auf dem Boden, einige lehnten sich an den W\u00e4nden, andere versuchten, in der Hocke zu schlafen. Pritschen oder Decken gab es nicht, daf\u00fcr standen zwei Kot-Eimer in der Ecke, von denen ein \u00fcbler Geruch ausging. Tageslicht kam aus einem schmalen Fenster gleich unterhalb der Decke.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Es dauerte etwas, bis Marek einen Platz an der Wand fand, und dass auch nur, weil er sich resolut in die Menschenmenge hineindr\u00e4ngte. Der Priester Mieszko, der trief\u00e4ugige Kolja und der stiernackige Tolja aus Gnesen, die auch in die Zelle gesto\u00dfen worden waren, lie\u00dfen sich nach einigen Rangeleien in seiner N\u00e4he nieder.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Drei Tage vergingen. Zweimal am Tag erscheinen die W\u00e4rter, brachten Suppe und Brot und tauschten die Koteimer aus.&nbsp; Fast st\u00fcndlich&nbsp; wurden einzelne Gefangene herausgerufen, manche kamen wieder, andere nicht. Hin und wieder waren Sch\u00fcsse aus dem Innenhof des Gef\u00e4ngnisses&nbsp; zu h\u00f6ren.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Mieszko sa\u00df direkt neben Marek und betete viel. Er besa\u00df ein grobporiges, fl\u00e4chiges Gesicht mit einer fleischigen Nase und runden, m\u00fcden Augen. Seine Stirn war von tiefen Falten durchzogen. Sein Bart mochte einmal gepflegt gewesen sein, nun war er v\u00f6llig verfilzt. Er neigte den Kopf zu Marek und sprach ihn leise an. \u201eMein Sohn, wei\u00dft du, wo wir hier sind?\u201c&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;Marek blickte auf und sch\u00fcttelte den Kopf. &nbsp;&nbsp;\u201eWir befinden uns in der Butryka, einem der schlimmsten Gef\u00e4ngnisse in Moskau.\u201c&nbsp;&nbsp; &nbsp;\u201eWoher wei\u00dft ihr das?\u201c fragte Marek. \u201eEin Priesterbruder, der nach Moskwa verschleppt worden war und wieder freikam, hat mir davon erz\u00e4hlt und mir den Bau beschrieben.\u201c &nbsp;\u201eWas ist so schlimm an diesem Gef\u00e4ngnis?\u201c schaltete sich Kolja ein.&nbsp; &nbsp;\u201eIn diesem Gef\u00e4ngnis ist alles m\u00f6glich\u201c, antwortete Miezko. \u201eUnd zwar ganz unabh\u00e4ngig von deiner Schuld. Du kannst im Hof erschossen werden, man kann dich f\u00fcr den Rest&nbsp; deines Lebens nach Sibirien schicken, oder du kommst frei.\u201c&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;Als Marek und Kolja schwiegen, fuhr Miezko fort: \u201eDieses Gef\u00e4ngnis stammt noch aus der Zeit der Zarin Katharina. Die Butryka war fr\u00fcher das Gef\u00e4ngnis des Zaren gewesen, so etwa wie die Bastille in Paris,&nbsp; nur eben in Moskau.\u201c&nbsp; Tolja&nbsp; war wachgeworden. \u201eWas f\u00fcr eine Bastille?\u201c fragte er. &nbsp;&nbsp;\u201eNa eben die Bastille in Paris, mit deren Erst\u00fcrmung die franz\u00f6sische Revolution begann\u201c, erwiderte der Priester \u201eHier in der Butryka war es im Prinzip ganz \u00e4hnlich gewesen. Nach dem Sturz des Zaren st\u00fcrmten die Arbeiter im November 1917 die Butryka und lie\u00dfen alle H\u00e4ftlinge frei.\u201c&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;\u201eHat aber nicht lange vorgehalten\u201c, merkte Kolja an. &nbsp;&nbsp;\u201eStimmt, heute ist die Butryka wieder ein politisches Gef\u00e4ngnis, nur viel \u00fcberf\u00fcllter als es in der Zarenzeit jemals gewesen war\u201c, antwortete Miezko. \u201eSo geht es halt mit den Revolutionen.\u201c&nbsp; Ein d\u00fcnner kleiner Mann mit fliehenden Kinn und einer randlosen Brille war dem Gespr\u00e4ch schweigend gefolgt. Nun drehte er den Kopf und sah den Priester an. \u201eDu quatschst zu viel\u201c warf er auf Polnisch ein. \u201eWer so viel quatscht wie du, wird hier nicht alt werden.\u201c &nbsp;&nbsp;Miezko schaute \u00fcberrascht auf. \u201eWieso das?\u201c&nbsp; &nbsp;&nbsp;\u201eDer Vergleich, den du gerade angestellt hast, ist konterrevolution\u00e4r. Au\u00dferdem sind die Revolutionen die Lokomotiven der Geschichte, das hat jedenfalls Karl Marx gesagt. Ich denke mal, f\u00fcr diese Herabsetzung der Revolution k\u00f6nnten sie dir zehn Jahre Lager aufbrummen.\u201c&nbsp; &nbsp;&nbsp;Der Mann besa\u00df ein ausgemergeltes, aber intelligentes Gesicht, das sich zu einem angedeuteten Grinsen verzog. Wenn er ein Zellenspitzel war, dann hatten sich Miezkos Aussichten soeben erheblich verschlechtert. Aber ein Zellenspion w\u00fcrde sich nicht so unverbl\u00fcmt in ein Gespr\u00e4ch einschalten. \u201e\u00dcbrigens, mein Name ist Vadim\u201c, f\u00fcgte der d\u00fcnne Mann hinzu. \u201eIch sitze schon seit drei Wochen in dieser Zelle.\u201c&nbsp; \u201eWarum? Wie lautet die Anklage?\u201c fragte Kolja. &nbsp;\u201eWahrscheinlich Versto\u00df gegen Artikel 58.\u201c \u201eWas bedeutet das?\u201c \u201eAntisowjetische Hetze\u201c, sagte Vadim. &nbsp;\u201eUnd, hast du gehetzt?\u201c fragte Kolja.&nbsp; &nbsp;\u201eNein, aber das ist egal. Nach Artikel 58 kann man dich jederzeit wegen antisowjetischer Hetze anklagen, auch wenn du nur \u00fcber das Wetter meckerst.\u201c &nbsp;&nbsp;\u201eIch habe in Gnesen dem stellvertretenden Parteisekret\u00e4r eins aufs Maul gegeben, weil er mir bl\u00f6d kam, da hatte ich wenigstens etwas davon\u201c, bemerkt Tolja.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Die Zellent\u00fcre ging auf, und ein W\u00e4rter erschien im T\u00fcrrahmen. Er rief einen Namen, ein allgemeines Geschiebe setzte ein, ehe sich ein korpulenter Mann in viel zu enger H\u00e4ftlingskleidung erhob und die Zelle verlie\u00df.&nbsp; \u201eDas war Donskoi, der Zellenspion\u201c, erkl\u00e4rte Vadim. \u201eEr muss zum Rapport.\u201c&nbsp;&nbsp; \u201eEin Zellenspion? Woher wisst ihr das?\u201c fragte Marek. &nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eDas hat er uns selbst erz\u00e4hlt, um sicherzugehen. Denn wer hier in der Butryka von&nbsp; seinen Mitgefangenen als Zellenspion enttarnt wird, hat nichts zu lachen\u201c, erkl\u00e4rte Vadim. \u201eJetzt erz\u00e4hlt er den Aufsehern alle paar Tage lauter Belanglosigkeiten aus der Zelle, damit wir Ruhe haben.\u201c&nbsp; Aber Donskoi kam nicht zur\u00fcck. Freigelassen, Zwangsarbeit, Verbannung, Tod durch Erschie\u00dfen, wer wollte das wissen?&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;Am Morgen des vierten Tages \u00f6ffnete ein&nbsp; W\u00e4rter die Zellent\u00fcre und rief: \u201eMarek Plewka\u201c. &nbsp;&nbsp;Marek schreckte hoch, als sein Namen aufgerufen wurde. Wie fremd er sich aus dem Mund eines russischen W\u00e4rters anh\u00f6rte. So fremd, wie das Schicksal, das ihn erwartete.&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;Marek wurde durch mehrere unterirdische G\u00e4nge gef\u00fchrt und atmete ein so tief ein, wie er konnte. Die Luft in den G\u00e4ngen&nbsp; war die reine Labsal gegen\u00fcber dem Zellengestank. Er erhaschte einen Blick durch ein offenes Fenster auf die H\u00e4usersilhouette der Stadt, dann betrat er Raum 082, das Arbeitszimmer es Untersuchungsrichters. &nbsp;&nbsp;In der Mitte des Raumes befand sich ein Tisch, an dem zwei Personen sa\u00dfen, der Untersuchungsrichter und eine Sekret\u00e4rin. Der Untersuchungsrichter war glatzk\u00f6pfig und besa\u00df einen&nbsp; Mund, der f\u00fcr den Rest des Gesichtes viel zu gro\u00df war. Ein grausamer Mund, der Leben frisst, schoss es Marek durch den Kopf, als er sich vor dem Tisch des Untersuchungsrichters aufstellte.&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;\u201eSprechen Sie Russisch?\u201c fragte der Beamte, ohne von seinen Akten aufzusehen.&nbsp; \u201eEtwas\u201c&nbsp; \u201eName?\u201c&nbsp;&nbsp; \u201eMarek Plewka\u201c &nbsp;&nbsp;\u201eHerkunft?\u201c&nbsp; \u201eBezirk Lukow, Polen\u201c&nbsp; \u201eVater?\u201c &nbsp;&nbsp;\u201eWieslaw Plewka\u201c \u201eVergehen?\u201c \u201eWei\u00df ich nicht.\u201c&nbsp;&nbsp; Der Untersuchungsrichter blickte hoch. Marek erkannte ein grenzenloses Erstaunen in seinem Gesicht, dann erschien eine Zornesfalte auf der Stirn des Untersuchungsrichters. \u201eWelche &nbsp;Unverfrorenheit\u201c, sagte er und f\u00fcgte hinzu;&nbsp; \u201eZwei Tage Einzelhaft.\u201c &nbsp;&nbsp;Ehe sich Marek versah, wurde er aus dem Zimmer herausgezerrt und in den Keller gef\u00fchrt. Hier stie\u00dfen ihn zwei W\u00e4rter in eine nur wenige Quadratmeter gro\u00dfe fensterlose Zelle. &nbsp;&nbsp;Als die T\u00fcre ins Schloss fiel, war es stockdunkel. Der Boden war feucht, die W\u00e4nde bemoost, und die Zelle war so eng, dass er sich nicht ausstrecken konnte. Angst \u00fcberflutete ihn, so pl\u00f6tzlich und stark, dass sie ihn \u00fcberraschte. Sein Herzschlag beschleunigte sich, und&nbsp; einen Augenblick lang f\u00fcrchtete er, wahnsinnig zu werden. Marek hockte sich mit angewinkelten Beinen an die Wand, verbarg den Kopf in seinen H\u00e4nden und schloss die Augen. Eine Stunde lag z\u00e4hlte er seinen Herzschlag, wobei er immer bei hundert neu anfing. Dann wurde er langsam ruhiger. Er versuchte so langsam wie m\u00f6glich zu atmen und seine Gedanken zu kontrollieren. Schlie\u00dflich faltete er die H\u00e4nde und betete. Doch die Stunden schlichen dahin wie Schnecken. F\u00fcr einen erholsamen Schlaf war die Zelle zu eng und zu feucht. Von Zeit zu Zeit wiederholten sich die Angstanf\u00e4lle. Am zweiten Tag halfen auch die Gebete nicht mehr.&nbsp; &nbsp;&nbsp;Nach drei Tagen wurde er wieder zum Untersuchungsrichter gef\u00fchrt. Es war der gleiche wie das letzte Mal,&nbsp; nur die Sekret\u00e4rin hatte gewechselt, eine f\u00fcllige Matrone glotze ihm mit ausdruckslosem Blick entgegen.&nbsp; \u201eName?\u201c fragte der Untersuchungsrichter.&nbsp; \u201eMarek Plewka\u201c \u201eHerkunft?\u201c \u201eBezirk Lukow, Polen\u201c \u201eVater?\u201c \u201eMieslaw Plewka\u201c \u201eVergehen?\u201c \u201eWiderstand gegen die Staatsgewalt.\u201c \u201eAha! Schildern Sie Einzelheiten.\u201c \u201eIch habe mich im polnischen Wahlkampf auf die Seite der reaktion\u00e4ren polnischen Bauernpartei geschlagen und gegen die&nbsp; russische Verwaltung konspiriert.\u201c&nbsp; Der Untersuchungsbeamte sch\u00fcrzte seinen grausamen Mund, als schmecke er Mareks Aussage nach. Dann lehnte er sich in seinem Stuhl zur\u00fcck, schlug eine Akte auf und studierte einige Papiere. Noch immer glotzte die Sekret\u00e4rin stumpfsinnig vor sich hin. Marek stand gerade wie ein Zinnsoldat vor dem Tisch des Untersuchungsrichters. &nbsp;&nbsp;Der Richter hatte genug gelesen und klappte den Aktendeckel zu. \u201eMajor Medrewzow, der sowjetische Kommandant von Lukow, spricht von einer Verschw\u00f6rung von Kirche, Bauernpartei und reaktion\u00e4ren Elementen des Kulakentums in dem Dorf Zakepie. Stimmt das?\u201c fragte er.&nbsp; \u201eSoweit ich das beurteilen kann &#8211; ja\u201c erwiderte Marek. &nbsp;&nbsp;Der Untersuchungsrichter sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eWas f\u00fcr ein Spiel spielen sie, Plewka?\u201c fragte er. \u201eVersuchen Sie mich in die Irre zu f\u00fchren, oder ist ihnen die Tragweite ihrer Vergehen nicht klar?\u201c&nbsp; \u201eDoch, die Tragweite ist mit vollkommen klar\u201c, entgegnete Marek. \u201eIch bin mir der Schwere meines Vergehens bewusst und erwarte eine gerechte Strafe.\u201c &nbsp;&nbsp;Wieder z\u00f6gerte der Untersuchungsrichter, dann gab er sich einen Ruck und schlug mit der flachen Hand auf die Tischplatte. \u201eGut, dann k\u00f6nne wir uns ja kurz fassen. Ich verurteile Sie wegen konterrevolution\u00e4rer Zersetzung zum Tode. Sie werden morgen fr\u00fch im Hof der Butryka erschossen.\u201c&nbsp; Marek schoss das Blut ins Gesicht, noch immer blickte ihn die Protokollantin teilnahmslos an.&nbsp; &nbsp;&nbsp;\u201eAber\u2026\u201c stotterte er, &nbsp;&nbsp;\u201eWas aber? Haben sie noch etwas zu sagen, H\u00e4ftling Plewka?\u201c&nbsp; \u201eIch dachte, die Gnade der Sowjetmacht\u2026\u201c \u201eSowjetmacht, Gnade, Gnade, dachte, dachte\u201c, fiel ihm der Untersuchungsrichter ins Wort und sprang auf. Er war \u00fcberraschend klein von Statur, das einzige Gro\u00dfe an ihm war sein Mund. \u201eWie mich dieses Gewinsel anwidert. Gro\u00dfe Pl\u00e4ne gegen die Vertreter des Volkes schmieden und dann um Gnade winseln, wenn es&nbsp; schiefgelaufen ist! Das k\u00f6nnte Ihnen so passen, Sie Volkssch\u00e4dling! Nein, die&nbsp; Sowjetmacht ist nicht gn\u00e4dig, die Sowjetmacht ist&nbsp; revolution\u00e4r. Sie bringt ihren Feinden den Tod \u2013 und jetzt raus!\u201c &nbsp;&nbsp;Leichenblass erreichte Marek wieder die Zelle 127. Er war so ersch\u00fcttert, dass er den Gestank im Raum kaum noch wahrnahm. \u201eIch bin zum Tode verurteilt worden\u201c, stie\u00df er hervor, als ihn Miezko und&nbsp; Kolja fragend anblickten. Auch Vadim beugte den Kopf nach vorne<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/das-dorf-zakepie\/\">Zur\u00fcck zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten in der Nacht fuhr der Zug in Moskwa ein. Die T\u00fcren gingen auf, die Soldaten sprangen in den Waggon und weckten die Schlafenden mit r\u00fcden Tritten. Eine neue Wachmannschaft war im Einsatz,&nbsp; lauter gro\u00df gewachsene Uniformierte, die mit ihren Gewehren vor den Augen der H\u00e4ftlinge herumfuchtelten. Die Deportierten wurden zu zwei&nbsp; Gef\u00e4ngnisbussen gef\u00fchrt, die &hellip; <a href=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"class_list":["post-7284","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mitten in der Nacht fuhr der Zug in Moskwa ein. Die T\u00fcren gingen auf, die Soldaten sprangen in den Waggon und weckten die Schlafenden mit r\u00fcden Tritten. Eine neue Wachmannschaft war im Einsatz,&nbsp; lauter gro\u00df gewachsene Uniformierte, die mit ihren Gewehren vor den Augen der H\u00e4ftlinge herumfuchtelten. Die Deportierten wurden zu zwei&nbsp; Gef\u00e4ngnisbussen gef\u00fchrt, die &hellip; Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag weiterlesen &rarr;\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Ludwig Witzani\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-06-03T10:32:51+00:00\" \/>\n<meta name=\"twitter:card\" content=\"summary_large_image\" \/>\n<meta name=\"twitter:label1\" content=\"Gesch\u00e4tzte Lesezeit\" \/>\n\t<meta name=\"twitter:data1\" content=\"11\u00a0Minuten\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\\\/\\\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\\\/\",\"url\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\\\/\",\"name\":\"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/#website\"},\"datePublished\":\"2020-04-07T08:47:59+00:00\",\"dateModified\":\"2025-06-03T10:32:51+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\\\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\\\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\\\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Startseite\",\"item\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/#website\",\"url\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/\",\"name\":\"Ludwig Witzani\",\"description\":\"World Wide Travel\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\\\/\\\/ludwig-witzani.de\\\/zu-den-grossen-traeumen\\\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani","og_description":"Mitten in der Nacht fuhr der Zug in Moskwa ein. Die T\u00fcren gingen auf, die Soldaten sprangen in den Waggon und weckten die Schlafenden mit r\u00fcden Tritten. Eine neue Wachmannschaft war im Einsatz,&nbsp; lauter gro\u00df gewachsene Uniformierte, die mit ihren Gewehren vor den Augen der H\u00e4ftlinge herumfuchtelten. Die Deportierten wurden zu zwei&nbsp; Gef\u00e4ngnisbussen gef\u00fchrt, die &hellip; Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag weiterlesen &rarr;","og_url":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/","og_site_name":"Ludwig Witzani","article_modified_time":"2025-06-03T10:32:51+00:00","twitter_card":"summary_large_image","twitter_misc":{"Gesch\u00e4tzte Lesezeit":"11\u00a0Minuten"},"schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/","url":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/","name":"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag - Ludwig Witzani","isPartOf":{"@id":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/#website"},"datePublished":"2020-04-07T08:47:59+00:00","dateModified":"2025-06-03T10:32:51+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/leseprobe-kapitel-8-die-reise-in-den-gulag\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Startseite","item":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Leseprobe Kapitel 8: Die Reise in den Gulag"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/#website","url":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/","name":"Ludwig Witzani","description":"World Wide Travel","potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"}]}},"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P4daYo-1Tu","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7284"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7284\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7285,"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/7284\/revisions\/7285"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}