{"id":6927,"date":"2019-09-28T08:26:54","date_gmt":"2019-09-28T08:26:54","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=6927"},"modified":"2025-06-03T10:32:51","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:51","slug":"cartagena","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/cartagena\/","title":{"rendered":"Cartagena"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6928 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-754-900x600.jpg\" alt=\"\" width=\"388\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-754-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-754-768x512.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-754-1800x1200.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/>&nbsp; War es Planung oder ein gl\u00fccklicher Zufall dass die <em>Mein Schiff 6<\/em> die gro\u00dfe Bucht von Cartagena kurz nach Sonnenaufgang erreichte? Der Himmel war von kalter Transparenz, die Luft war klar und&nbsp; das Meer spiegelglatt, als die wei\u00dfen H\u00e4user von Boca Grande am Horizont auftauchten. Viel mehr Menschen als normal hatten sich bereits vor dem Fr\u00fchst\u00fcck auf dem Oberdeck versammelt, um die Einfahrt nicht zu verpassen.&nbsp; Aus der Entfernung glich die Galerie der wei\u00dfen H\u00e4user zuerst einer \u00fcberdimensionalen Palisade, die den Zugang in eine fremde Welt versperrte. Dann differenzierte ich das Bild, einzelne Geb\u00e4ude ragten wie wei\u00dfe Tempels\u00e4ulen in den wolkenlosen Himmel.<\/p>\n<p>&nbsp; Erst als das gro\u00dfe Schiff langsam in die Bucht einfuhr, sahen wir, dass die wei\u00dfen Wolkenkratzer nichts weiter waren als eine Ansammlung wenig beeindruckender Mittelklassehotels, die aus der N\u00e4he betrachtet ihre Attraktivit\u00e4t schnell verloren. Langsam drehte sich das Schiff in der Bucht von Cartagena und legte im Kreuzfahrthafen an. Nun bot sich wieder ein anderes Bild. Die Hotelhalbinsel glich nun einem langen gekr\u00fcmmten Finger, der lockend ins Meer hineinragte. An ihrer Schnittstelle zum Festland wurden die Geb\u00e4ude flacher. An wei\u00dfen Kuppeln der&nbsp; Kirchen und den Silhouetten der Adelspal\u00e4ste waren die Umrisse der Altstadt zu erkennen, w\u00e4hrend sich hinter dem Hafen das gesichtslose Steinmeer einer Millionenstadt erstreckte.<\/p>\n<p>&nbsp; Cartagena de las Indias, heute eine Stadt von \u00fcber 1 Million Einwohnern, wurde im Jahre 1533 von Pedro de Heredia gegr\u00fcndet. Ihre hervorragende Lage zwischen dem Meer und dem s\u00fcdamerikanischen Kontinent bescherte ihr schnell eine herausgehobene Position unter allen St\u00e4dten der Neuen Welt. Alle spanischen Waren,&nbsp; die f\u00fcr S\u00fcdamerika bestimmt waren, wurden in Sevilla ein- und in Cartagena ausgeladen, was der Stadt Reichtum und <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6929 alignright\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-788-900x604.jpg\" alt=\"\" width=\"365\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-788-900x604.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-788-768x515.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-788-1789x1200.jpg 1789w\" sizes=\"auto, (max-width: 365px) 100vw, 365px\" \/>Not zugleich bescherte. Denn vor den K\u00fcsten Cartagenas lauerten englische, holl\u00e4ndische und franz\u00f6sische Piraten auf Beute. Die Einwohner von Cartagena haben sich gegen diese \u00dcberf\u00e4lle so gut es ging gewehrt und ihre Altstadt in erstaunlicher Intaktheit bis in die Gegenwart gebracht. Wogegen sie machtlos waren, war die Bev\u00f6lkerungsexplosion der Gegenwart. Denn inzwischen bildet die historische Altstadt nur noch einen winzigen Teil der expandierenden und weitgehend konturlosen Millionenstadt.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;Unser Rundgang durch die Altstadt von Cartagena begann an der Plaza de Marina in unmittelbarer Hafenn\u00e4he. Im benachbarten Schifffahrtsmuseum h\u00e4tte ich gerne die Modelle der Schaufelradampfer besichtigt, die fr\u00fcher auf den Magdalena oder den Rio Apure befahren hatten. Die lange Warteschlage vor dem Museum aber schreckte uns ab. So bestiegen wir die Stadtmauer, \u00fcber deren Br\u00fcstungen man bequem flanieren &nbsp;konnte. Das Meer zur Linken, die Altstadt zur Rechten erreichten wir ein kleines Restaurant auf der Stadtmauer und probierten den kolumbianischen Kaffee. Kolumbien geh\u00f6rt neben Brasilien und Vietnam zu den gr\u00f6\u00dften Kaffeeproduzenten der Welt und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, den schmackhaftesten Arabica-Kaffee \u00fcberhaupt anzubieten. Angebaut wurde der kolumbianische Kaffee in H\u00f6henlagen zwischen ein- und zweitausend Metern zu einem gro\u00dfen Teil von Kleinbauern, die die Kaffeebohnen per Hand&nbsp; pfl\u00fcckten. Lilia trank einen <em>Tinto<\/em>, einen milden, leicht ges\u00fc\u00dften schwarzen Kaffee, ich nahm einen <em>Cafe Cortado<\/em>, eine Art Espresso mit hei\u00dfer Milch. Beide besa\u00dfen ein rundes mildes Arabica-Aroma, aber entscheidende Unterschiede zu dem Kaffee, den ich in \u00c4thiopien oder in Brasilien getrunken hatte, konnte ich nicht feststellen. Als Kaffee Junkie schmeckte mir der Kaffee eigentlich \u00fcberall.<\/p>\n<p>&nbsp; Auffallend im Caf\u00e9, auf den Stadtmauern oder in den Gassen der Altstadt war der hohe Anteil einheimischer Touristen. Kolumbien besa\u00df offenbar eine Mittelschicht, die sich nach der Beruhigung der politischen Lage daran machte, das eigene Land zu erkunden. Die Stimmung war g\u00e4nzlich anders als in der Altstadt von Panama, wo praktisch nur europ\u00e4ische und nordamerikanische Touristen unterwegs gewesen waren. Die \u00e4u\u00dfere Erscheinung der Kolumbianer war schwer auf einen Nenner zu bringen, wenn man einmal davon absah,&nbsp; dass&nbsp; fast alle gut aussahen. Die Frauen waren auffallend gepflegt, und die Farbenfreude, mit der sie sich kleideten, kr\u00f6nte diese Sch\u00f6nheit noch durch ein exotisches Sahneh\u00e4ubchen. Die kolumbianischen M\u00e4nner verbreiteten in&nbsp; Haltung, Gang und Erscheinung eine Aura von Maskulinit\u00e4t. Man sah breite Cowboyh\u00fcte, raumgreifende Bewegungen st\u00e4mmige Figuren und jene scharf geschnittenen Gesichtsz\u00fcge, die sich sofort entspannten, wenn sie mit ihren Kindern scherzten. Nat\u00fcrlich sahen nicht alle Kolumbianer so aus, aber die Zukurzgekommenen, die Gebrechlichen und Schwachen, die Bettler und Eckensteher, die es nat\u00fcrlich auch in Cartagena gab,&nbsp; waren in der Altstadt kaum zu sehen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Nach Cafe Tinto und Cortado besuchten wir die Kirche San Pedro Claver. Sie trug ihren Namen nach dem Jesuiten Pedro Claver, der ab 1616 in Cartagena als Priester wirkte und sich in besonderer Weise f\u00fcr die Sklaven einsetze. Immer, wenn Sklavenschiffe aus Afrika im Hafen von Cartagena landeten, ging der Pater zu den Kais und brachte den Ungl\u00fccklichen Wasser und Nahrung. Die Erkrankten pflegte er in seinem&nbsp; Hospital, und einmal im Jahr veranstaltete er mit den&nbsp; Sklaven Cartagenas eine \u00f6ffentliche Prozession zur barmherzigen Jungfrau. Er nahm Sklaven regelm\u00e4\u00dfig die Beichte ab&nbsp; und wanderte sogar zu den Cimarrons der Umgebung, um sie zu missionieren. Im Alter erkrankte Pedro Claver an der Parkinsonschen Krankheit, heiliggesprochen wurde er 1881. Heute ist Pedro Claver der internationale Patron der Menschenrechte und steht w\u00fcrdig an der Seite anderer beispielhafter Menschenfreunde wie Las Casas oder Montesino. In ihrem Innern war die Kirche fast leer, als wir sie betraten. Besonders schmuckvoll war sie nicht, und auch der Glassarg unterhalb des Altars, in dem&nbsp; sich die sterbliche \u00dcberreste Clavers befanden, war f\u00fcr den Publikumsverkehr gesperrt.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Cartagena war tats\u00e4chlich ein Schmuckst\u00fcck, ein Freilichtmuseum der Kolonialzeit, aber auf eine Weise zurechtgemacht, die die Stadt eigentlich gar nicht n\u00f6tig gehabt h\u00e4tte. Ihre&nbsp; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6930 alignleft\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-804-900x604.jpg\" alt=\"\" width=\"427\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-804-900x604.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-804-768x515.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-804-1789x1200.jpg 1789w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/>Fassaden&nbsp; waren vorwiegend in Gelb, Braun oder Ocker gehalten. Die Stra\u00dfen waren sauber, die Pflaster von kleinen Steinen durchsetzt, insofern man sie vor lauter Touristen \u00fcberhaupt sehen konnte. \u00dcberall hingen Blumen \u00fcber die tadellos restaurierten Balkone der Adelspal\u00e4ste.&nbsp; Sonderlich viele repr\u00e4sentative Pl\u00e4tze gab es nicht. Einer der gr\u00f6\u00dften war der Platz vor der Dominikanerkirche, auf dem sich die Menschenmassen aus allen Gassen trafen, ineinander verkeilten, um dann weiter zu streben. Das Auff\u00e4lligste an diesem Platz war eine monumentale Bronzeskulptur des kolumbianischen Bildhauers Ferdinand Botero: ein liegendes, nacktes, unglaublich fettes Weib, das genau vor den Eingang der Kirche platziert worden war. Wusste der Geier, was die Verantwortlichen mit dieser Positionierung hatten ausdr\u00fccken wollen.<\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em>&nbsp; Einige Ecken weiter stie\u00dfen wir auf den Palast der Inquisition, einen ehemaligen Barockpalast, dessen schmucke Fassade nicht verriet, welcher Schrecken hinter seinen Mauern gew\u00fctet hatten. Mochte der Einsatz der Kirche f\u00fcr die Sklaven auch ehrenwert gewesen sein &#8211;&nbsp; wenn die Schafe vom rechen Glauben abfielen, kannten die Hirten keine Gnade mehr. Im ersten Stock des Inquisitionspalastes wurden in der \u201eCamera de los Tormentos\u201c die Folterwerkzeuge ausgestellt, mit denen die Inquisitoren den Satan aus den K\u00f6rpern der Gequ\u00e4lten jagen wollten. Ein eigener Raum war dem Verh\u00f6r und der Folter der \u201eHexen\u201c vorbehalten, ein Stockwerk h\u00f6her war das Stadtmuseum von Cartagena untergebracht. Das alles wirkte merkw\u00fcrdig&nbsp; abstrakt, doch h\u00e4tten die Mauern die Schreie der Gefolterten gespeichert, h\u00e4tte man das Inquisitionsmuseum wahrscheinlich nur mit Ohrstopfen besuchen k\u00f6nnen. Kein Wunder, dass der Inquisitionspalast das erste Geb\u00e4ude gewesen war, dass unmittelbar nach der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung in Cartagena gepl\u00fcndert wurde. . &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp; Etwas au\u00dferhalb der Altstadt erhob sich die Festung San Felipe, eine der&nbsp; gr\u00f6\u00dften Fortifikationen ganz S\u00fcdamerikas. Schon unter der Herrschaft Philipps II war mit dem Bau der gewaltigen Anlage begonnen worden. Zigtausende Sklaven hatten jahrzehntelang an der Errichtung der Schutzw\u00e4lle, unterirdischer G\u00e4nge, W\u00e4lle und T\u00fcrme gearbeitet. Mit ihrer H\u00f6he von 20 Metern und einer Dicke von bis zu sieben Metern waren die Mauern von San Felipe&nbsp; in der Mitte des 17. Jhdt. f\u00fcr die Waffen ihrer Zeit&nbsp; un\u00fcberwindbar. Fast ebenso un\u00fcberwindbar wie die W\u00e4lle waren die M\u00e4nner, die sie verteidigten. Ein kurioses Denkmal unterhalb der gro\u00dfen Festung erinnerte an den spanischen Offizier Don Blas de Lezos, der ein Wunder an Tapferkeit und Pflichterf\u00fcllung gewesen sein muss.&nbsp; Im Dienste der spanischen Krone waren ihm bereits ein Bein und ein Arm weggeschossen worden. Bei der gro\u00dfen Belagerung von Cartagena, bei der der englische Admiral Vernon im Jahre 1741 \u00fcber 20.000 Soldaten und 2000 Kanonen in Stellung brachte, wurde ihm auch noch ein Auge weggeschossen. Cartagena aber fiel nicht &#8211;&nbsp; nach Arnold Toynbee einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass heute in S\u00fcdamerika Spanisch und nicht Englisch gesprochen wurde.&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;&nbsp; Am Ende rasteten wir am Plaza Bolivar, einem umschatteten palmenbestandenen kleinen Park,&nbsp; in dessen Mitte sich eine \u00fcberlebensgro\u00dfe Reiterstatue des Generals. erhob. Die Skulptur zeigte einen schlanken Mann, der auf seinem Pferd sa\u00df und den Hut gezogen hatte. \u201eSeht, das ist mein Werk\u201c, schien er zu sagen. \u201eWenn es gescheitert ist, lag es nicht an mir.\u201c M\u00f6glich, dass in dieser Anmutung sogar ein St\u00fcck Wahrheit steckte, denn Simon Bolivar, der \u201eLibertador\u201c, der Spanisch-Amerika zusammen mit dem Argentinier San Martin in die Freiheit gef\u00fchrt hatte, war am Ende tats\u00e4chlich gescheitert. Seine gro\u00dfkolumbianische F\u00f6deration wurde zur Chim\u00e4re, als Venezuela und Ecuador austraten. Am Ende seines Lebens war Simon Bolivar&nbsp; von all seinen \u00c4mtern zur\u00fcckgetreten, um sich auf eine letzte Reise auf dem Rio Magdalena zu begeben. Dieser letzten Reise&nbsp; hatte Garcia Marquez mit seinem Roman \u201eDer General in seinem Labyrinth\u201c&nbsp; ein w\u00fcrdiges Denkmal gesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp; Das war lange her, und die Kontroversen um die Person Bolivar&nbsp; waren l\u00e4ngst seiner geschichtlichen Kanonisierung gewichen. Ganz Spanisch-Amerika war voller Bolivar Statuen, selbst auf Niederl\u00e4ndisch-Curacao hatte ich ein Bolivar Denkmal gesehen. Inzwischen war er so etwas wie der Karl der Gro\u00dfe S\u00fcdamerikas geworden, auf den sich alle spanischsprachigen Nationen beziehen.<\/p>\n<p>&nbsp; Vom Meer her zog ein k\u00fchler Wind durch die Gassen. Tauben flatterten um das Denkmal, und v\u00f6llig unbeeindruckt von dem Gewusel lie\u00df sich ein gro\u00dfer gr\u00fcner Leguan von Einheimischen f\u00fcttern. \u00dcber ein Stunde sa\u00dfen wir auf einer Bank und lie\u00dfen die Atmosph\u00e4re auf uns wirken. Die Frauen, die an uns vorbeigingen, waren als M\u00e4dchen von atemberaubender Verlockung, als erwachsene Frauen von respekteinfl\u00f6\u00dfender Stattlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp; Am Ende dr\u00e4ngte die Zeit. Doch wir wollten noch nicht Abschied nehmen, und liefen noch einmal durch die Altstadt. Worin bestand der Geist dieser Stadt? In der k\u00e4mpferischen Trotzigkeit der Festung San Felipe? In der Barmherzigkeit des heiligen Pedro Claver oder der Gnadenlosigkeit, die in den Folterkammern des Inquisitionspalastes dokumentiert wurde? Oder vielleicht in der welken cartagenischen Melancholie, wie sie Garcia Marquez in \u201eDie Liebe in den Zeiten der Cholera\u201c beschrieb: \u201cDie vormals m\u00e4chtigen Familie tauchten ein in das Schweigen ihrer ungesch\u00fctzten Stadtburgen. In den verwinkelten Kopfsteinpflastergassen, die sich bei den Kriegs\u00fcberf\u00e4llen und den Landungen der Freibeuter als so vorteilhaft erwiesen hatten, wuchs das Unkraut \u00fcber die Balkone herunter und sprengte selbst bei den gepflegtesten H\u00e4usern Risse in die festgemauerten W\u00e4nde, und um zwei Uhr nachmittags waren die scheppernden Klavier\u00fcbungen im D\u00e4mmern der Siesta das einzige Lebenzeichen. Drinnen in den k\u00fchlen, weihrauchges\u00e4ttigten Schlafzimmern sch\u00fctzten sich die Frauen vor der Sonne wie vor einer&nbsp; sch\u00e4dlichen Ansteckung, und sogar bei den Fr\u00fchmetten deckten sie das Gesicht mit einer Mantilla ab. Ihre Liebesgeschichten waren langsam und verwittert, oft gest\u00f6rt von d\u00fcsteren Voraussagen, und das Leben erschien ihnen endlos.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp; So beeindruckend wie die Einfahrt in die Bucht von Cartagena, so vollzog sich auch die abendliche&nbsp; Ausfahrt. Der ganze Himmel war blutrot gef\u00e4rbt, als die klar konturierte Sonne langsam \u00fcber der Skyline von Boca Grande niedersank. Hunderte hatten sich auf dem Oberdeck versammelt, um eine der beeindruckendsten Anblicke der ganzen Reise zu genie\u00dfen. Langsam legte die <em>Mein Schiff 6<\/em> ab, das gewaltige Tuten schallte kilometerweit \u00fcber die Bucht. Die Hymne von der \u201eGro\u00dfe Freiheit\u201c erklang, und vorbei an der langsam im Dunkel versinkenden Hochhauskulisse von Boca Grande steuerte die <em>Mein Schiff 6<\/em> die offene See an. Die Illusion der Sch\u00f6nheit, die sich am Morgen bei der Ann\u00e4herung verloren hatte, kehrte zur\u00fcck, als das Schiff die gro\u00dfe Bucht verlie\u00df und die wei\u00dfe Skyline weit hinter uns wie ein geheimnisvolles Camelot langsam im Dunst versank.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-6931\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-862-900x604.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"604\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-862-900x604.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-862-768x516.jpg 768w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/100-862-1787x1200.jpg 1787w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; War es Planung oder ein gl\u00fccklicher Zufall dass die Mein Schiff 6 die gro\u00dfe Bucht von Cartagena kurz nach Sonnenaufgang erreichte? 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