{"id":4440,"date":"2014-11-07T15:18:34","date_gmt":"2014-11-07T15:18:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=4440"},"modified":"2025-06-03T10:32:53","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:53","slug":"gambia","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/autor\/kontakt\/aktuelle-reisen\/gambia\/","title":{"rendered":"Gambia"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4487\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-4-900x675.jpg\" alt=\"b1 (4)\" width=\"900\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-4-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-4.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3>Gambia &#8211; oder: Westafrika zum Kennenlernen<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-16.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4471\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-16-900x600.jpg\" alt=\"f1 (16)\" width=\"276\" height=\"184\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-16-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-16.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/a>Wer kennt schon Guinea-Bissao? Oder noch besser: Wer wei\u00df, wo es liegt? Wer kennt Ghana, Bukina Faso, Senegal, Sierra Leone oder Togo? Nat\u00fcrlich kaum jemand. Ganz Westafrika ist eine einzige Terra Incognita, von der man nur h\u00f6rt, wenn Kindersoldaten morden, die Ebola-Seuche w\u00fctet oder Fl\u00fcchtlinge nach Norden fliehen. Dabei ist Westafrika als Ganzes fast so gro\u00df wie die USA und hat mit 340 Millionen Menschen sogar mehr Einwohner als die Vereinigten Staaten.\u00a0 Mit einem Satz: \u00a0Westafrika ein beachtlich gro\u00dfer Teil der Welt, in dem die meisten Sachen furchtbar schief laufen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-62.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4444\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-62-900x600.jpg\" alt=\"b1 (62)\" width=\"288\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-62-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-62.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/a>Aber es gibt Ausnahmen, und eine solche Ausnahme\u00a0 ist Gambia. Jedenfalls, wenn man der Tourismuswerbung glaubt, Denn Gambia, der kleinste Staat Afrikas, der nichts au\u00dfer Erdn\u00fcssen, Fischen und gut aussehenden Menschen exportiert, hat das Gl\u00fcck, einige der sch\u00f6nsten Str\u00e4nde Afrikas zu besitzen, so dass sich in den letzten zwanzig Jahren ein beachtliches Tourismusgesch\u00e4ft entwickelt hat. Dass es ein Tourismusgesch\u00e4ft mit einer leichten Schlagseite ist, sollten wir noch lernen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst Grunds\u00e4tzlichen: Gambia ist mit etwa 11.000 qkm Fl\u00e4che etwa so gro\u00df wie Korsika und Mallorca zusammen und hat knapp 2 Millionen Einwohner, von denen die H\u00e4lfte unter 18 Jahre alt ist. Das Land\u00a0 tr\u00e4gt seinen Namen vom Gambia Fluss, der in etwa so lang wie der Rhein ist\u00a0 und der als Fluss von dem gleichnamigen Staat an seiner M\u00fcndung wie ein Kondom umschlossen wird.\u00a0 Ein unanst\u00e4ndiger Vergleich, ich wei\u00df, \u00a0<a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-44.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4473\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-44-900x675.jpg\" alt=\"b1 (44)\" width=\"295\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-44-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-44.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 295px) 100vw, 295px\" \/><\/a><\/p>\n<p>aber er stammt nicht von mir, sondern von den Franzosen, die sich dar\u00fcber \u00e4rgerten, dass ihnen die Briten dieses Territorium und damit die Kontrolle der Flussm\u00fcndung im 18. Jhdt. entrei\u00dfen konnten. So ist es bis heute geblieben. Das erheblich gr\u00f6\u00dfere und franz\u00f6sisch gepr\u00e4gte Senegal umgibt Gambia als Staat wie ein Auster die Perle, und wenn ein Sengalese vom Norden in den S\u00fcden seines Landes reisen will, muss er in Gambia ein- und ausreisen und \u2013was noch viel zeitaufwendiger ist &#8211; den Gambia Fluss auf rostigen F\u00e4hren \u00fcberqueren.<\/p>\n<p>All das wusste ich noch nicht, als ich einen Erholungsurlaub in Gambia buchte. Meinen Plan, durch Bukina Faso nach Mali und von dort den Niger abw\u00e4rts bis nach Timbuktu zu reisen, hatte ich aufgeben m\u00fcssen, als die Islamisten begannen, Mali mit Krieg zu \u00fcber- ziehen und westliche Touristen, derer sie habhaft werden konnten, umzubringen. \u00a0Au\u00dferdem ben\u00f6tigte meine liebe Frau, die beste aller Gattinnen, dringend Entspannung in einem gediegenen Hotel an einem sch\u00f6nen Strand. Also ab nach Gambia, die scheinbar so gl\u00fcckliche Nussschale in einem ungl\u00fccklichen Weltenteil.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/a3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4474\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/a3-900x600.jpg\" alt=\"a(3)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/a3-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/a3.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mein erster Kontakt mit Gambianern war aufregend und lehrreich zugleich. Denn auf dem Flughafen in Serekunda, der gr\u00f6\u00dften Stadt des Landes, war pl\u00f6tzlich mein Koffer verschwunden. Alle Gep\u00e4ckst\u00fccke waren bereits vom Rollband heruntergenommen worden, nur von meinem Koffern war nichts zu sehen.\u00a0 Panik kam auf, doch sofort umringten mich hilfreiche Einheimische, die beruhigend auf mich einsprachen. Es waren gro\u00dfe, gut gebaute Mandingos und Wolof mit markanten Gesichtern, deren gutturales <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-41.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4522\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-41-900x600.jpg\" alt=\"g1 (41)\" width=\"348\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-41-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-41.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 348px) 100vw, 348px\" \/><\/a>Timbre die Botschaft enthielt: &#8222;Keep cool, alles wird gut.&#8220; Und tats\u00e4chlich, ich hatte mich noch gar nicht gefasst, als mein Koffer pl\u00f6tzlich \u00a0aus dem Nachbarraum auf das Gep\u00e4ckband gelegt wurde und allgemeiner Jubel ausbrach. Nun umringten mich alle und gratulierten mir \u2013 und wollten f\u00fcr ihre Anteilnahme Bargeld sehen! Ich, von lauter Erleichterung noch ganz benebelt, lie\u00df einen Schein springen, dessen unerh\u00f6rter landesspezifische Kaufkraftwert mir erst am Ende der Reise klar wurde \u2013 ebenso wie die Tatsache, dass dieses Spiel \u201eDer Koffer ist verschwunden\u201c am Flughafen von Serekunda wohl des \u00d6fteren\u00a0 erfolgreich abgespielt wird.<\/p>\n<p>Als der Bus vom Flughafen zum Kombo Beach fuhr, war es 5.00 Uhr in der Fr\u00fche. Stockdunkle Nacht \u00fcber Afrika\u00a0 \u2013 dachte ich, aber nur so lange, bis der Bus die Strandbezirke des Kombo Beachs erreichte, in dem die Stra\u00dfen hell erleuchtet waren, die Musik dr\u00f6hnte und alle Bars, Restaurants und Bierg\u00e4rten schier aus allen N\u00e4hten zu platzen schienen. Es wurde getanzt und gesch\u00e4kert, gesoffen und antichambriert, als sei der letzte aller Tage angebrochen. Europ\u00e4ische Touristen in mittleren Jahren torkelten, nur mit ihrer Turnhose bekleidet, angetrunken \u00fcber die Stra\u00dfe, M\u00e4nner und Frauen gr\u00fc\u00dften uns mit erhobenen Bierflaschen wie\u00a0 pr\u00e4sumptive Saufkumpane, die sich bald auch in diesem Inferno tummeln w\u00fcrden. Ich schickte ein Sto\u00dfgebet zum Himmel, weil ich f\u00fcrchtete, unser Hotel k\u00f6nnte sich in der N\u00e4he dieser Rotlichtstra\u00dfe befinden.\u00a0 \u00a0Doch gottlob, unser Hotel, das \u201eKombo Beach Hotel\u201c lag in einem abgelegenen, ruhigeren <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/c1-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4478\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/c1-5-900x600.jpg\" alt=\"c1 (5)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/c1-5-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/c1-5.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Bezirk, es war sauber und ruhig, \u00a0und es wurde im Unterschied zu vielen Unterk\u00fcnften an der K\u00fcste vor allem von Paaren im mittleren und gehobenen Alter frequentiert. F\u00fcr einen kleinen Aufpreis erhielten wir noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck ein Zimmer und schliefen uns erst einmal aus.<\/p>\n<p>Als wir am Vormittag erwachten, w\u00f6lbte sich ein perfekter Himmel \u00fcber der K\u00fcste. Noch an die tr\u00fcben Tage des deutschen Novembers gewohnt, mussten wir die Augen <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d1-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4513\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d1-6-900x600.jpg\" alt=\"d1 (6)\" width=\"318\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d1-6-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d1-6.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 318px) 100vw, 318px\" \/><\/a>zusammen- kneifen, als wir den strahlend wei\u00dfen und schier endlosen Strand zum ersten Mal erblickten. Wie wir zu unserer Freude sahen, lag das Kombo Beach Hotel direkt am Meer und\u00a0 besa\u00df einen eigenen Strandabschnitt, an dem sich die Hotelg\u00e4ste auf bequemen Liegen unter Palmen an der\u00a0 Brandung des Atlantik erg\u00f6tzen konnten. Die gute Nachricht war, dass die G\u00e4ste dabei offiziell durch hotelangestellte Aufseher vor allzu aufdringlichen Strandverk\u00e4ufern abgeschirmt wurden. Die schlechte Nachricht war, dass sich dies als reine Theorie erwies, denn kaum erschien ein neues Gesicht mit kalkwei\u00dfen Beinen zum ersten Mal im Strandbezirk, da st\u00fcrzten sich Masseure, Textilverk\u00e4ufer, Musiker und Dienstleister aller Art auf den Novizen, um ihn so schnell wie m\u00f6glich abzuzapfen. Kein Denken daran, diese unerbetenen St\u00f6rer einfach \u00a0wegzuschicken, daf\u00fcr waren die <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4480\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-3-900x675.jpg\" alt=\"d3 (3)\" width=\"327\" height=\"245\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-3-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-3.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/a>Leistungstr\u00e4ger vom Kombo Beach viel zu selbstbewusst, viel zu sprachbegabt, und vor allem auch mit einem so beachtlichen pers\u00f6nlichen Standing begabt, dass die Ablehnung ihrer Angebote nicht unheikel war. Soweit ich beobachten konnte, fuhr man am besten mit freundlichem Kopfnicken und Spr\u00fcchen wie \u201eVery interesting\u201c, \u201eI\u00b4ll keep you in my Mind\u201c oder \u201eMay be tomorrow\u201c.\u00a0 Auf der Stra\u00dfe vor dem Hotel habe drei gro\u00dfe Kerle, die uns mit ihren Angeboten bedr\u00e4ngten\u00a0 auch schon mal mit dem Spruch \u201ePlease be sensible, my wife ist afraid of the big black man\u201c zum Lachen gebracht. Und wenn die Afrikaner lachen, ist alles gut. Sie klatschen dich dann ab, klopfen dir auf die Schulter und trollen sich. Manche durchhauen das Spiel und zeigen verhaltenen \u00c4rger, aber auch dann gilt es , h\u00f6flich zu bleiben, denn es ist die Not, und nicht die Kontaktfreude, die die stolzen Gambianer zu ihren Gesch\u00e4ften zwingt. Einer der H\u00e4ndler kam in den ersten Tagen mehrfach vorbei und stellte sich als \u201eKevin Costner\u201c vor, woraufhin ich mich als \u201eFrank Sinatra\u201c zu erkennen gab. Er spielte mit und spielte auf Zeit, irgendwann, so dachte er wahrscheinlich, w\u00fcrde er mich schon weichkochen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-48.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4481\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-48-900x675.jpg\" alt=\"d3 (48)\" width=\"251\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-48-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-48.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 251px) 100vw, 251px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kein Gambiaurlaub ohne \u201eBumsters\u201c. Das hatte ich zwar nicht gewusst, das musste ich aber sehr schnell lernen. Bei den Bumsters handelte sich um junge, extrem gut gebaute und meist auch relativ h\u00f6fliche und sprachgewandte M\u00e4nner, die versonnen an den Hotelabschnitten vor\u00fcbergingen, im Meer badeten, ihre herrlichen K\u00f6rper reckten und streckten und halb scheu, halb gezielt, europ\u00e4ische Frauen ansprachen (wenn diese das nicht schon von sich aus erledigten). Mit gewohnheitsrechtlichen Einverst\u00e4ndnis der Strandaufsicht wurden sie von mittelalten Frauen auf die Hotelliegen eingeladen und \u00a0mit Drinks und Speisen verw\u00f6hnt \u2013 ehe man zu gegebener Zeit die Gegenleistung einfordern w\u00fcrde. Wer wollte dar\u00fcber mosern, dass sich europ\u00e4ische Frauen in den besten Jahren nun in Afrika das holen, was die europ\u00e4ischen M\u00e4nner sich schon lange\u00a0 in Thailand oder auf den Philippinen besorgen? Besonders sch\u00f6n sieht weder das eine noch das andere aus, doch wer bin ich, hier zu rechten?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-43.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4482\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-43-900x675.jpg\" alt=\"d3 (43)\" width=\"299\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-43-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-43.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 299px) 100vw, 299px\" \/><\/a>Die jungen Frauen, die am Kombo Beach ihre Massagen, Drinks oder ihre Kuchen offerierten, hatten mit diesem Gesch\u00e4ften nichts zu tun. In ber\u00fcckender Sch\u00f6nheit und in farbige Gew\u00e4nder geh\u00fcllt, beweg- ten sie sich im vornehmen Wiegeschritt durch den Sand, ihre Gesichter waren edel und lang, ihre Nasen europid, die Augen und die Z\u00e4hne wei\u00df wie Schnee, und hohe turban\u00e4hnliche Kopfbedeckungen gaben ihnen das Aussehen von K\u00f6nigen. Wo in der Welt gibt es sch\u00f6nere Menschen? dachte ich, sagte es aber nicht, weil meine Frau, die beste aller Gattinnen, ein wachsames Auge auf mich hatte. \u00a0Erst als \u00a0ich am Nachmittag den Strand ein wenig weiter nach S\u00fcden lief, lernte ich auch ganz andere Einheimische kennen. Unter kleinen Palmenhainen waren Bretterbuden aufgebaut, vor denen korpulente Frauen auf Kunden warteten. Sofortaquise und Spontabeschlafung waren kein Problem, wohl aber die Ablehnung solcher Angebote, denn dann konnten die Damen Gift und Galle spucken. An einer besonders exponierten Stelle zwischen dem Kombo Beach Hotel und dem Senegambia Hotel war eine regelrechte Orgie im Gange: laute Trommelmusik,\u00a0<a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-30.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4511\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-30-900x675.jpg\" alt=\"d3 (30)\" width=\"252\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-30-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/d3-30.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a>europ\u00e4i-sche Frauen, die mit ihren Bumstern tanzten, m\u00e4nnliche Sextouristen beim Anbahnungs-gespr\u00e4ch mit schwarzen Prostituierten und dahinter die Baracke mit ihren Holzverschl\u00e4gen, in denen man sofort zum Vollzug schreiten konnte. M\u00f6glich, dass ich mich irrte, aber soweit ich erkennen konnte, gab es kaum gut aussehende Prostituierte, was in Westafrika nicht weiter verwunderlich war, denn sch\u00f6ne Frauen fanden auch auf normalem Weg einen Mann, der f\u00fcr sie sorgte. (Was bei uns nat\u00fcrlich ganz anders ist!) In unserem Hotel logierten sogar einige gemischte Paare, d. h. europ\u00e4ische M\u00e4nner mit schwarz-afrikanischenen Frau und schokobraunen Kindern, die zum Entz\u00fccken der \u00e4lteren G\u00e4ste laut kr\u00e4hend durch die Gegend liefen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur etwa gut zwanzig Kilometer vom Kombo Beach entfernt befindet sich Banjul, das alte <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-91.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4529\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-91-900x675.jpg\" alt=\"b1 (9)\" width=\"312\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-91-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-91.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a>Bathhurst, die Hauptstadt Gambias. \u00a0Einen regelm\u00e4\u00dfigen Busverkehr nach Banjul gab es nicht, \u00a0und wer versuchte, mit nicht lizensierten Fahrzeugen nach -Banjul zu fahren, riskierte, dass ihn die\u00a0 Polizei aus den Wagen holte und zu einer deftigen Strafe verknackte.\u00a0 So suchten wir auf der Hauptstra\u00dfe von Kota gleich vor unserem Hotel unter den anwe- senden Taxifahrern den augenscheinlich Vertrauenserweckendsten heraus und zahlten ihm 700 Dalasi (etwa 14 Euro) \u00a0daf\u00fcr, dass er uns mit seinem Taxi nach Banjul bringen, dort herumfahren und wieder zur\u00fcckfahren w\u00fcrde. Der Name unseres Taxifahrers<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4484\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-11-900x600.jpg\" alt=\"b1 (11)\" width=\"231\" height=\"154\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-11-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-11.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 231px) 100vw, 231px\" \/><\/a> war Makali (alias \u201eSea Boy\u201c) , er trug eine Ballonm\u00fctze \u00fcber seiner Rastafari-Frisur, sprach flie\u00dfendes Englisch, war 31 Jahre alt, unverheiratet und\u00a0 f\u00fcr einen Westafrikaner relativ klein aber sehr gut gebaut. Wie er erz\u00e4hlte, hatte ihm ein Finne sein Taxi finanziert, wof\u00fcr er ihm eine regelm\u00e4\u00dfige Pacht nach Helsinki \u00fcberwies. Auch eine Form des internationalen Kapitaltransfers. \u00dcbrigens kann ich ihn nur w\u00e4rmstens empfehlen, er war humorvoll und flexibel, kenntnisreich und unaufdringlich<\/p>\n<p>Zuerst passierten wir in Makali-\u201eSea Boys\u201c Taxi das Staatsgef\u00e4ngnis von Gambia, in dem aber \u2013 so \u201eSea Boy\u201c \u2013 kaum Gefangene eins\u00e4\u00dfen, weil Gambia die niedrigste <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-12.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4485\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-12-900x600.jpg\" alt=\"b1 (12)\" width=\"288\" height=\"192\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-12-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-12.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><\/a>Kriminalit\u00e4tsrate in ganz Afrika habe. Vielleicht aber war das Gef\u00e4ngnis aber auch nur deswegen so leer, weil Pr\u00e4sident Jammeh im Ruf stand, immer dann, wenn die Zellen mit Kriminellen \u00fcberf\u00fcllt waren, durch spontan angesetzte Massenhin-richtungen Raum zu schaffen. Daraufhin befragt, verweigerte Makali-Sea Boy allerdings die Auskunft. \u201eNo Politics\u201c, sagte er und gab Gas. An der Stadtgrenze von Banjul stoppte Makali-\u201eSea Boy\u201c am sogenannten \u201eArch\u201c, einer Art ungef\u00fcgem Triumphbogen, den Pr\u00e4sident Jammeh zur Erinnerung an seine Machtergreifung im Jahre 1996 und als Fanal einer neuen, besseren Zeit hatte errichten lassen. Unbeleuchtete Treppen, besch\u00e4digte W\u00e4nde und T\u00fcren, die schr\u00e4g in <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-13.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4530\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-13-900x675.jpg\" alt=\"b1 (13)\" width=\"259\" height=\"194\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-13-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-13.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><\/a>ihren Angeln hingen, zeigten allerdings, wie m\u00fchelos der Zahn der Zeit in Afrika alles zernagt \u2013 zuerst und vor allem die Hoffnung. Immerhin bestand die M\u00f6glichkeit, von der Aussichtsempore des Arch die Stadt Banjul zu \u00fcberschauen. Ich erblickte den christlichen Friedhof vor dem Ortseingang, die Umrisse der Freitagsmoschee und im Hintergrund den m\u00e4chtigen Gambia Fluss, der in hier in den Atlantik m\u00fcndet. Ansonsten wirkte die Stadt klein und gr\u00fcn, vom sechsmal gr\u00f6\u00dferen Serekunda im S\u00fcden war vom Arch aus nichts zu sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-16.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4483\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-16-900x600.jpg\" alt=\"b1 (16)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-16-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-16.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Stra\u00dfen Banjuls waren gesichtslos und h\u00e4sslich. Afrikanisches Ambiente gab es nur im Schatten der \u00fcberdachten M\u00e4rkte, auf denen die Einheimischen ihren Tagesbedarf <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4523\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-1-900x632.jpg\" alt=\"b1 (1)\" width=\"358\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-1-900x632.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-1.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px\" \/><\/a>einkauften: Gew\u00fcrze, Fisch, Fleisch, Gem\u00fcse, T\u00fccher, T\u00f6pfe und jede Menge Erdn\u00fcsse, den Grundstoff der Erdnussso\u00dfe, die in Gambia \u00fcber alles gegossen wird, was man auf einen Teller legen kann. \u00dcberall ratterten die N\u00e4hmaschinen, es wurde geb\u00fcgelt, gekocht, geb\u00fcrstet, gegessen &#8211; und geschimpft, wenn man versuchte, ein unerlaubtes Foto zu schie\u00dfen.<\/p>\n<p>Der beeindruckendste Anblick Banjuls bot der\u00a0 Banjul Harbour. Hier verengte sich die M\u00fcndung des Gambia auf drei Kilometern Breite, so dass von dieser Selle aus zu allen Tageszeiten vollgepackte Langboote, deren Reling kaum \u00fcber das Wasser reichte,\u00a0 zum anderen Ufer aufbrachen. Die Boote waren bunt bemalt und mit winzigen <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-70.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4488 \" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-70-900x600.jpg\" alt=\"b1 (70)\" width=\"315\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-70-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-70.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/a>Au\u00dfenbordmotoren versehen, von de-nen man sich fragen mochte, wie man mit solchen Rasenm\u00e4hermotoren den Riesenstrom \u00fcberqueren wollte. Au\u00dferdem schien keines der Boote, die voll beladen ihre Reise zum anderen Ufer antraten, wirklich dicht zu sein, denn kaum, dass die Boote, die Brandung verlassen hatten, mussten die Passagiere bereits mit dem Wasserschippen beginnen. Vom anderen Ufer des Gambia sollte es \u00fcbrigens nur drei bis vier Autostunden nach Dakar sein, der Hauptstadt des Senegal, die ich liebend gerne besucht h\u00e4tte, was mir aber meine Frau, die beste aller Gattinnen, strikt verbot. \u00d6stlich der schmalen Gambiam\u00fcndung verbreitete sich der Fluss fast zu einem Binnenmeer, dessen gegen\u00fcberliegende Ufer nicht mehr zu sehen waren. Noch weiter im Osten, landeinw\u00e4rts und jenseits des M\u00fcndungsmeeres, befand sich die alte Sklavenstation Fort James. Weil Alex Haleys seinen Roman \u201eRoots\u201c unter anderem in Fort James beginnen lie\u00df, hat man den Ort \u00fcbrigens in \u201eKunta Kinte Fort\u201c umbenannt.<a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-53.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4490\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-53-900x600.jpg\" alt=\"b1 (53)\" width=\"301\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-53-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-53.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 301px) 100vw, 301px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Gambia ist einer fischreichsten Str\u00f6me Afrikas, und nur ein kleiner Ausschnitt dieser F\u00fclle wurde auf dem Fischmarkt von Banjul angeboten. In allen Gr\u00f6\u00dfen und Verwesungstatdien brieten hier die Fischkadaver zur Freude der Fliegen in der prallen Sonne. Der Gro\u00dfteil des Fischfangs aber wurde im <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-71.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4494\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-71-900x600.jpg\" alt=\"b1 (71)\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-71-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/b1-71.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>benachbarten Cargohafen in K\u00fchlcontainer gepackt und exportiert. Kr\u00e4ne und Maschinen sah ich nirgendwo, alle Lasten, Kisten und Karren \u00a0wurden mit Muskelkraft bewegt.<\/p>\n<p>Nach unserem Besuch in Banjul vergingen die Tage mit Lesen, Schlafen, Essen, Trinken und Baden, dem modernen F\u00fcnfkampf des Ferntourismus. Weil das aber auch die Dauer langweilig war, buchten wir gegen Ende unseres Gambiaurlaubs f\u00fcr 160 Euro pro Person eine zweit\u00e4gige Reise nach Georgetown, einem Ort am Oberlauf der Gambia, in dem<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-25.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4495\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-25-900x675.jpg\" alt=\"e1  (25)\" width=\"285\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-25-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-25.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a>Mungo Park im Jahre 1795 seinen ber\u00fchmten Marsch zum Niger begonnen hatte. F\u00fcnf\u00a0 Deutsche, acht Holl\u00e4nder und zwei Briten hatte die gleiche Idee, so dass sich inklusive unseres F\u00fchrers und Fahrers insgesamt 19 Personen in aller Fr\u00fche mit kleinem Gep\u00e4ck in einem Reisebus auf den Weg nach Osten machten. Ibrahim, unser glatzk\u00f6pfiger Reiseleiter, sprach Deutsch und Englisch und kommentierte alles, was <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-54.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4532\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-54.jpg\" alt=\"g1 (54)\" width=\"284\" height=\"275\" \/><\/a>es am Wegesrand zu sehen gab: Baobab- \u00e4ume, Schulen, M\u00e4rkte, Polizeistationen, aber auch jede Menge Schulkinder, die zu dieser Uhrzeit in die Schule gingen.\u00a0 Unser Fahrer Jeffrey hielt sich viel darauf zugute, dass er wie Spike Lee aussah. Allerdings fuhr er auch wie ein Blade Runner, so dass er schon nach einer Stunde Fahrt eine Gro\u00dfmutter, die die Stra\u00dfe \u00fcberqueren wollte, glatt \u00fcber den Haufen raste. Es gab einen gewaltigen Bumms, als der Spiegel des Busses die alte Frau am Kopf traf und sie im hohen Bogen auf die Stra\u00dfe flog. Sofort war der Unfallort von Hundert Menschen umringt, die aus allen H\u00e4usern <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-17.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4496\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-17-900x675.jpg\" alt=\"e1  (17)\" width=\"307\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-17-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/e1-17.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/a>herangelaufen waren. Auch unter den Touristen herrschte gro\u00dfe Best\u00fcrzung, nicht nur aus Sorge um die alte Frau, sondern auch, weil man nicht wissen konnte, wie sich die Situation weiter entwickeln w\u00fcrde. In manchen L\u00e4ndern h\u00e4tte nun Lynchjustiz in der Luft gelegen, doch stattdessen erschien nach kurzer Zeit ein Krankenwagen angebraust, um die alte Frau, die erstaunlicherweise \u00fcberlebt zu haben schien, in das n\u00e4chste Krankenhaus abzutransportieren.<\/p>\n<p>Wer dachte, dass nach diesem Unfall die weitere Busfahrt etwas moderater vonstattengehen w\u00fcrde, hatte sich get\u00e4uscht, denn nun musste die Verz\u00f6gerung aufgeholt werden, so dass Jeffrey-Spike Lee erst recht Gas gab. Im Highspeed sausten westafrikanische Ansichten vor\u00fcber: Flussufer, Polizeiposten, Rinder auf kargen Feldern, ausged\u00f6rrte Buschlandschaften, D\u00f6rfer, und Lehmh\u00fctten, bis wir am fr\u00fchen Nachmittag <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4497\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-18-900x600.jpg\" alt=\"f1 (18)\" width=\"351\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-18-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/f1-18.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 351px) 100vw, 351px\" \/><\/a>den Busbahnhof der\u00a0 Stadt Soma am Gambia erreichten. Ein Gewusel aus schwarzer Haut und bunten Gew\u00e4ndern wogte zwischen den Bussen hin und her, qu\u00e4lte sich aus einem Bus heraus und in einen anderen herein. Gesichter wie\u00a0dem Holoz\u00e4n blickten mich an, kleine Kinder so liebreizend und drollig, dass man sie auf der Stelle h\u00e4tte einpacken k\u00f6nnen, liefen \u00fcber die Stra\u00dfe, Frauen balancierten Eimer auf ihren K\u00f6pfen, Rastafaris lagen im Staub und beschimpften die Passanten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-23.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4510\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-23-533x800.jpg\" alt=\"g1 (23)\" width=\"209\" height=\"314\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-23-533x800.jpg 533w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-23-800x1200.jpg 800w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-23.jpg 1067w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a>Aber wir waren nicht wegen des Busbahnhofes nach Soma gekommen sondern wegen der\u00a0 einzigen Gambia F\u00e4hre im Umkreis von Hunderten von Kilometern, einem echten afrikanischen Nadel\u00f6hr, durch das alles, was aus Nigeria, Ghana oder Liberia \u00fcberland in den Senegal oder nach Mauretanien wollte, hindurch musste. Die Schlange wartender Fahrzeuge war deprimierend lang, und wir h\u00e4tten hier eine halbe Woche warten m\u00fcssen, h\u00e4tte es nicht Ibrahim geschafft, mit einem dicken B\u00fcndel Dalasi-Scheinen uns sogleich an die Spitze der Fahrzeugschlange zu bugsieren. Der Gambia bei Soma ist nicht breiter als der Rhein bei K\u00f6ln, doch die F\u00e4hren, auf denen Mensch, Auto und Waren \u00fcbersetzten, <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-24.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4498\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-24-900x600.jpg\" alt=\"g1 (24)\" width=\"298\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-24-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/g1-24.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a>schienen aus Urzeiten zu stammen, eigentlich waren sie nichts weiter als Stahlplattformen mit einer kleinen Br\u00fcstung und einem Dieselmotor, der so j\u00e4mmerlich r\u00f6chelte, das ich mich nicht gewundert h\u00e4tte, wenn er mitten auf dem Fluss abgesoffen w\u00e4re. Doch oben auf der Empore der Stahlf\u00e4hre stand der Kapit\u00e4n vor seiner kleinen Steuereinheit und lenkte sein Schiff selbstbewusst und sicher wie Hnery Mortin Stanley seine Schaufelraddampfer \u00fcber den Kongo. Als ich die Empore \u00a0erkletterte, forderte mich der Kapit\u00e4n kurz und herrisch auf, ihm ein Geschenk zu \u00fcberreichen. Ich hatte aber nichts dabei, au\u00dfer meinen Ohrstopfen, die er gerne annahm.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite des Gambia f\u00fchrte uns die Reise weiter nach Wassu, laut Reisef\u00fchrer dem Ort einer Gambianischen Topsehensw\u00fcrdigkeit, die von UNICEF Gutachtern in den <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/h1-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4499\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/h1-6-900x600.jpg\" alt=\"h1 (6)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/h1-6-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/h1-6.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>Rang eines Weltkulturerbes erhoben worden war. Es handelte sich um eine etwa 500 Jahre alte Begr\u00e4bnisst\u00e4tte, \u00a0die aus nichts anderem bestand, als zwei Dutzend rostroter Steine, die ohne erkennbares Muster oder System aus dem Boden ragten. Ein Holl\u00e4nder, der sich als Reiseschriftsteller ausgab, der \u00fcber seine Gambiatour in einer gro\u00dfen holl\u00e4ndischen Zeitung berichten w\u00fcrde, konnte sich gar nicht fassen vor Begeisterung\u00a0 \u00fcber diesen Anblick. Mir kam es eher so \u00a0vor, als w\u00fcrde an diesem Ort nur eine geschichtliche Atmosph\u00e4re \u00a0beschworen, verbunden mit der blo\u00dfen Aufforderung, sich etwas zusammenzufantasieren, ohne dass die materiellen Objekte am Ort diese Erinnerung in irgendeiner weise stimulierten.<\/p>\n<p>Am sp\u00e4ten Nachmittag stoppten wir an einer Anlegestelle erreichten, an der wir in einen kleines Boot umstiegen, dass uns den Gambia aufw\u00e4rts bis nach Georgetown bringen <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-23.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4501\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-23-900x492.jpg\" alt=\"i1 (23)\" width=\"900\" height=\"492\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-23-900x492.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-23.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a>sollte. Nun war es also endlich soweit, die Sonne versank rotgl\u00fchend hinter dem Horizont, die afrikanische Nacht brach herein, und wir f\u00fchlten uns so, als f\u00fchren wir auf dem gro\u00dfen Strom ins Innere Afrikas. St\u00f6rche kreisten \u00fcber dem Wasser, hier und da hob ein Flusspferd seinen m\u00e4chtigen Sch\u00e4del aus dem Fluss, w\u00e4hrend sich die Reisegruppe an einem deftigen Abendessen g\u00fctlich tat. Soweit ich mich erinnere gab es Reis mit Fleisch. Oder war es Reis mit Fisch? Genaueres konnte ich nicht erkennen, weil es inzwischen dunkel geworden und die gesamte Pampe mit Erdnussbutter bedeckt war. Die Ger\u00e4usche des n\u00e4chtlichen Dschungels schallten \u00fcber den Fluss, Afrika umfing uns, und \u00a0ich schlief ein.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-25.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4500\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-25-900x473.jpg\" alt=\"i1 (25)\" width=\"900\" height=\"473\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-25-900x473.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/i1-25.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es war schon nach 2100 Uhr als wir ein Dschungelcamp direkt am Ufer des Gambia erreichten, das ganz ohne Elektrizit\u00e4t und nur mit Generatoren und Kerzen auskommen <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4524\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-4-900x675.jpg\" alt=\"j1 (4)\" width=\"208\" height=\"156\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-4-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-4.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a>musste. \u00dcbernachtet wurde in Rundh\u00fctten, in denen sich auf festgestampfter Lehmerde massive Betten unter m\u00fcckensicheren Moskitonetzen befanden. Ob diese Netze in den Rundh\u00fcten aber wirklich n\u00f6tig waren, bezweifelte ich, denn in diesem Dschungelcamp<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4502\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-2-900x675.jpg\" alt=\"j1 (2)\" width=\"191\" height=\"144\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-2-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-2.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 191px) 100vw, 191px\" \/><\/a>wurde offenbar so fl\u00e4chendeckend und ausgiebig DDT und \u00e4hnliches Vertilgungsgift benutzt, dass M\u00fccken, Schaben, K\u00e4fer, Spinnen \u00a0und welches Insektengetier sich auch immer in das Rundhaus verirrt haben mochten, bereits massenhaft tot auf dem R\u00fccken lagen, als wir die H\u00fctte betraten.<a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-33.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4514\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-33-900x600.jpg\" alt=\"j1 (33)\" width=\"312\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-33-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/j1-33.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass wir am n\u00e4chsten Morgen zwar nicht an M\u00fcckenstichen, aber unter herben Kopfschmerzen litten. Benebelt wie ich war, passte ich beim Fr\u00fchst\u00fcck einen Augenblick nicht auf, und schon hatte mir einer der Affen das Brot vom Teller stibitzt. Alle sahen reichlich mitgenommen aus, als wir schlie\u00dflich mit dem\u00a0 Bus weiterfuhren und nach einer kurzen\u00a0 F\u00e4hrpassage\u00a0 Georgetown erreichten. Georgetown, das heutige Jajanbureh, war ein abgelegenes Provinznest mit einigen tausend Einwohnern, das sich auf einer Insel am Oberlauf des Gambia befand. Eine verfallene Sklavenhalle, vergammelte Holzh\u00e4user <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-17.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4503\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-17-900x675.jpg\" alt=\"k1 (17)\" width=\"364\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-17-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-17.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/a>im Kolonialstil und eine verschlammte Anlegestelle, mehr war von dem einstmals afrikaweit bekannten Sklavenmarkt nicht geblieben. Die Gegenwart geh\u00f6rte den Mandingo und den Wolof, die auf den Stra\u00dfen und unter den Markthallen ihre Waren verkauften. Wieder empfand ich Respekt vor diesen gro\u00df gewachsenen stolzen Menschen, den Angeh\u00f6rigen eines fremden Weltteiles, die es so unendlich viel schwerer hatten als wir, auch nur die einfachsten Lebensannehmlichkeiten zu erwerben. Etwas Distanziertes, <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-4506\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-9-900x600.jpg\" alt=\"k1 (9)\" width=\"371\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-9-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/k1-9.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 371px) 100vw, 371px\" \/><\/a>H\u00f6fliches ging von den \u00e4lteren M\u00e4nnern aus, die auf St\u00fchlen unter den Arkaden sa\u00dfen und das Treiben beobachteten.\u00a0 Ein Jugendlicher mit einem Fahrrad hielt neben mir und fragte mich in holprigem Englisch, ob ich ihm eine Klingel f\u00fcr sein Fahrrad spendieren k\u00f6nne. 50 Dalasi sollte die Klingel auf dem Markt kosten, da konnte ich ihm helfen, und er fuhr von dannen.<\/p>\n<p>Sintu Balke war eine 85 Jahre alte Gambianerin, die mit ihren S\u00f6hnen und deren Frauen samt einer kaum \u00fcberschaubaren Enkelschar in einem Kral westlich von Georgetown <a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-4507\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-18-900x675.jpg\" alt=\"l1 (18)\" width=\"287\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-18-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-18.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 287px) 100vw, 287px\" \/><\/a>lebte. Der Kral war von einer Mauer aus Zweigen und Dornen umgeben und bestand aus sieben Rundh\u00fctten, in denen sich nur Schlafstellen und einige pers\u00f6nliche Sachen befanden. Gedeckt waren die Rundh\u00fctten mit pyramidalen D\u00e4chern aus Elefantengras, die alle zwei bis drei Jahre erneuert werden m\u00fcssen. Das gesamte Leben des Krals vollzog sich im Innenhof, dem so genannten \u201egambianischen Wohnzimmer\u201c, in dessen Mitte sich eine gro\u00dfe Feuerstelle befand. Ibrahim wusste unseren Besuch mit W\u00fcrde zu gestalten, er hielt vor der versammelten Gro\u00dfmutter-, Schwiegert\u00f6chter- und Enkelschar eine eine kleine Rede, als er unsere Gaben \u2013 Brot, Reis und Zucker &#8211;\u00a0 \u00fcberreichte. Anschlie\u00dfend \u00fcbersetzte er auch die Dankensworte der alten Dame, die sich daf\u00fcr entschuldigte, dass ihre Familie nicht vollst\u00e4ndig angetreten sei, denn ihre S\u00f6hne und \u00e4ltesten Enkel bef\u00e4nden sich auf den Feldern. Daf\u00fcr war jede Menge j\u00fcngerer Enkel und Enkelinnen anwesend, die von den weiblichen Besuchern so innig gefingert und geherzt wurden, als bef\u00e4nden wir uns in einem Streichelzoo f\u00fcr Kuscheltiere.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-26.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4508\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-26-900x600.jpg\" alt=\"l1 (26)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-26-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/l1-26.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Am letzten Abend im Kombo Beach Hotel wurden afrikanische T\u00e4nze vorgef\u00fchrt. Im Unterschied zum Tango, Walzer oder Bossa Nova aus unseren Breitengraden handelte es sich nach meinem Eindruck bei dem westafrikanischen Tanz, den wir zu sehen bekamen, um eine Kunstform mit drei\u00a0 Hauptelementen: Trommeln, Trillerpfeifen und Stampfen. Ma\u00dfgebliches Bewegungselement dieses Tanzes war eben dem rhythmischen Stampfen auf dem Boden ein propellerartiges Kreisen mit den Armen einerseits und ein l\u00fcsternes Wackeln mit dem Hinterteil andererseits, was, immer neu variiert, die Zuschauer in eine regelrecht promiskuitive Stimmung versetzte. Als sich schlie\u00dflich zwei gerade eingetroffene\u00a0 Touristinnen dazu hinrei\u00dfen lie\u00dfen, ihrerseits coram publico zum Trillern und Stampfen der Einheimischen mit den Armen zu schlenkern und mit ihren Hinterteilen zu wackeln, gingen wir schlafen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/x1-28.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4470\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/x1-28-900x568.jpg\" alt=\"x1 (28)\" width=\"900\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/x1-28-900x568.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/x1-28.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gambia &#8211; oder: Westafrika zum Kennenlernen Wer kennt schon Guinea-Bissao? Oder noch besser: Wer wei\u00df, wo es liegt? Wer kennt Ghana, Bukina Faso, Senegal, Sierra Leone oder Togo? Nat\u00fcrlich kaum jemand. Ganz Westafrika ist eine einzige Terra Incognita, von der man nur h\u00f6rt, wenn Kindersoldaten morden, die Ebola-Seuche w\u00fctet oder Fl\u00fcchtlinge nach Norden fliehen. 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