{"id":4213,"date":"2014-10-20T09:35:59","date_gmt":"2014-10-20T09:35:59","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=4213"},"modified":"2025-06-03T10:32:53","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:53","slug":"canal-du-midi","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/autor\/kontakt\/aktuelle-reisen\/canal-du-midi\/","title":{"rendered":"Canal du Midi"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-08.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4256\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-08-900x600.jpg\" alt=\"b (08)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-08-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-08-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/h3>\n<h3>\u00a0<a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-12.jpg\"><strong>Himmel, H\u00fcgel und Wein\u00a0<\/strong><strong>so weit das Auge reicht<\/strong><br \/>\n<\/a><\/h3>\n<p><strong>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong><strong><em>Ein Weltkulturerbe, auf dem man reisen kann: \u00a0<\/em><\/strong><strong><em>Auf dem Canal du Midi \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0zwischen Beziers und Carcassonne<\/em><\/strong><\/p>\n<p>(Panorama-Animation der Hausboote von Christoph Witzani am Ende der Seite)<\/p>\n<p>Drei\u00a0 Gr\u00fcnde gibt es, den<a href=\"https:\/\/www.hapimag.com\/de\/resorts\/frankreich\/hausboote-midi.html\"> Canal du Midi mit dem Hausboot<\/a> zu befahren: <em>den Wein, den Wein und noch mal den Wein &#8211;<\/em>\u00a0 ein Glas\u00a0 Wein\u00a0 zur Begr\u00fc\u00dfung, wenn man auf dem Boot eincheckt, ein Glas Wein,\u00a0 wenn\u00a0 man die erste Schleuse gemeistert hat und eine Flasche, wenn das Abendessen an Bord serviert wird.\u00a0 Wem diese Meinung der einheimischen Winzer zu dionysisch klingt, der sollte bedenken, dass wir uns im Languedoc befinden, im gr\u00f6\u00dften Weinanbaugebiet der Welt, wo Mourvr\u00e9dre, Syrah, Cinsault, Carignan\u00a0 und Grenache an den H\u00e4ngen eines gewaltigen geographischen Amphitheaters gedeihen, das sich von den Ufern des Mittelmeeres in Richtung\u00a0 Toulouse erstreckt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-061.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4252\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-061-900x675.jpg\" alt=\"b (06)\" width=\"900\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-061-900x675.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-061-1600x1200.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Geh\u00f6rt neben dem Wein und der Landschaft auch die Abenteuerlust zu den Gr\u00fcnden einer Bootsfahrt durch den Midi? Ja und nein. Niemand wird eine Bootsfahrt auf dem Kanal mit einem Segelt\u00f6rn nach Korsika vergleichen, aber die Fortbewegung mit Hausbooten auf einem unbekannten Gew\u00e4sser\u00a0 enth\u00e4lt f\u00fcr den\u00a0 Touristen unserer Tage offenbar so viel Anregungspotential, dass sich\u00a0 Bootsreisen auf dem Canal du Midi einer wachsenden Beliebtheit erfreuen &#8211; und das um so mehr, als weder ein Bootsf\u00fchrerschein noch Vorkenntnisse\u00a0 erforderlich sind, um die Hausboote zu steuern. Sogar die Passage der zahlreichen Br\u00fccken erfordert keinerlei seem\u00e4nnisches Geschick, und das Anlegen an platanenges\u00e4umten Ufern ist \u00fcberall erlaubt.\u00a0\u00a0 So hat sich der Canal du Midi\u00a0 dieses Paradeprojekt aus dem Jahrhundert Ludwig XIV, von dem\u00a0 nach dem Ende seiner \u00f6konomischen Bedeutsamkeit niemand mehr so recht gewusst hatte, was man mit ihm anfangen sollte,\u00a0 seit zwei Generationen zu einer\u00a0 touristische Sehensw\u00fcrdigkeit erster Ordnung entwickelt &#8211; manche sagen: zu einem Weltkulturerbe, auf dem man reisen kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4242\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-20-900x600.jpg\" alt=\"b (20)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-20-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-20-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der zweifellos reizvollste Teil dieses Weltkulturerbes f\u00fchrt auf einer Strecke von knapp einhundert Kilometern von Beziers nach Carcassonne. In Columbiers, einem kleinen Ort nur wenige Kilometer von Beziers entfernt, besteigen die Reisenden an der Basisstation die Hausboote und erhalten neben einer kurzen\u00a0 Einf\u00fchrung in die Technik der Bootssteuerung sp\u00e4testens hier die ersten Einblicke in die\u00a0 Geschichte des Kanals\u00a0 Es war der\u00a0 geniale Kaufmann Paul Riquet aus Beziers gewesen, dem es\u00a0 gelang, Finanzminister Colbert und K\u00f6nig Ludwig XIV f\u00fcr die Idee einer Kanalverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer\u00a0\u00a0 zu gewinnen. \u00dcber zwanzigtausend Arbeiter gruben ab 1667 f\u00fcnfzehn\u00a0 Jahre lang an den\u00a0 Kanalgr\u00e4ben zwischen Toulouse und dem Mittelmeer,\u00a0 einhunderttausend Platanen wurden an den Kanalufern gepflanzt, unz\u00e4hlige Schleusen konstruiert, bis die Wasserverbindung kurz nach dem Tode Riquets 1681 feierlich er\u00f6ffnet werden konnte. In einer Zeit, in der nur bessere Trampelpfade die Handelszentren verbanden, war eine Wasserstra\u00dfe diesen Ausma\u00dfes eine Sensation. Der Austausch von Textilien, Gebrauchswaren und Holz, sp\u00e4ter von Wein und Nahrungsmitteln wurde im Languedoc erheblich intensiviert, der allgemeine Lebensstandard stieg, und erst als der Bau der Eisenbahnenlinien begann, verlor der Kanal seine wirtschaftliche Bedeutung<\/p>\n<p>Die Reise auf dem Hausboot beginnt jenseits von Columbiers\u00a0 jedoch ziemlich genau an jenem Ort, an dem das ganze Kanalprojekt zu scheitern drohte. Bereits dreizehn Jahre waren vergangen, Riquets private Mittel waren nahezu aufgebraucht, als der Berg von Malpas im Jahre 1680 kurz vor Beziers den Weg zum Mittelmeer versperrte.\u00a0 Riquet l\u00f6ste das Problem, indem er den Berg durchtunneln lie\u00df und damit bewies, das es m\u00f6glich ist, einen Kanal auch durch einen Berg zu f\u00fchren.\u00a0 Heute\u00a0 stellt die Durchfahrt von Malpas auch f\u00fcr Bootsnovizen kein Problem mehr dar, und wer etwas Zeit mitbringt, kann vor oder nach dem Tunnel anlegen und nur einen Kilometer vom Kanal entfernt den H\u00fcgel von Enserune besichtigen, ein altes keltisches Oppidum, von dem aus die Gallier den s\u00fcdlichen Zugang zum Tal der Aude kontrollierten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-09.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4244\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-09-900x600.jpg\" alt=\"c (09)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-09-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-09-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schon auf dem ersten Tag der Bootsreise mahnen \u00fcberall gut sichtbare Schilder auf beiden Uferseiten zur Geschwindigkeitsbegrenzung. Obwohl die Boote gut 15 Stundenkilometer schaffen, sind nur acht Stundenkilometer erlaubt, da die Gefahr besteht, dass die Erzeugung eines zu intensiven Wellenganges die naturbelassenen Uferb\u00f6schungen untersp\u00fclt. Gottlob ist die Zahl der Raser und \u00dcberholer gering, denn die Bootsreisenden wissen, dass sie mit einem solchen Verhalten die touristische Substanz des Kanals langfristig gef\u00e4hrden. Aus diesem Grunde sind auch immer st\u00e4rkere Bestrebungen im Gange, die Boote mit umweltgerechten Abw\u00e4ssertanks auszustatten, um eine \u00fcberm\u00e4\u00dfige Verschmutzung des Kanals zu verhindern.<\/p>\n<p>Der Ort Capestang ist die erste gr\u00f6\u00dfere Siedlung nach der Basisstation von Columbiers. Wahrzeichen des Ortes ist eine weithin sichtbare Kathedrale, die eher zu einer Metropole als zu einer Kleinstadt passen w\u00fcrde. Auf dem Marktplatz kann man sich zwischen einem Cafe de la Paix und einem Cafe de la Grill entscheiden, was immer man zu dieser Entgegensetzung auch denken mag. Unterhalb der Kathedrale befindet sich die Altstadt, die mit ihren engen Gassen und\u00a0 dem Putz, der malerisch von den H\u00e4userfassaden br\u00f6ckelt, unwillk\u00fcrlich an den Schaubplatz des Chabrol Films \u201eBlutige Hochzeit\u201c erinnert, in dem Michel Piccoli und Stepanie Audran ihre verh\u00e4ngnisvolle Leidenschaft hinter den zugezogenen Gardinen eines franz\u00f6sischen Landnestes durchlebten.<\/p>\n<p>Hinter Capestang gleichen die Ausblicke\u00a0 auf die umgebende Landschaft einer Reise durch ein Renaissancegem\u00e4lde.\u00a0\u00a0 Wie\u00a0 auf einer Loge f\u00fchrt der Canal du Midi\u00a0 durch eine Traumwelt aus harmonisch anmutenden Formen und zur\u00fcckhaltenden Farben hoch \u00fcber das Tal der Aude,\u00a0 Stra\u00dfen kommen n\u00e4her und entfernen sich wieder, und wo entlang von Rhein und Mosel Ritterburgen hinter jeder Wegbiegung eine Geschichte von Raub und Macht erz\u00e4hlen, folgt in diesem Teil des\u00a0 Canal du Midi ein Weingut auf das n\u00e4chste.\u00a0 Bis an die Grenzen des Horizontes beherrschen Myriaden von\u00a0 Weinst\u00f6cken wie eine unbesiegbare Armee knorriger Zwerge die Szene.\u00a0 Manche sind botanische Greise, die mehr als f\u00fcnfzig Jahre auf dem runzeligen Holzbuckel haben, manche sind Frischlinge, die bald ihre ersten Trauben tragen werden, ihnen allen aber ist gemeinsam, dass sie von ihren Dienern, den Menschen, auf das Innigste umhegt werden m\u00fcssen. Vielleicht ist im Languedoc nicht der Mensch die Krone der Sch\u00f6pfung sondern der Wein, um dessen Werden und vergehen, Entwickeln und Veredeln sich alles dreht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-32.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4245\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-32-900x600.jpg\" alt=\"c (32)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-32-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-32-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auch Argeliers, zwei Kanalstunden von Capestang entfernt, ist von Weinfeldern umgeben. Ein Ferienhaus nach dem n\u00e4chsten s\u00e4umt die\u00a0 Peripherie des Ortes, aber Touristen sind zu kaum sehen.\u00a0\u00a0 Mit gro\u00dfen Traktoren fahren die Weinbauern\u00a0 zwischen den Weinst\u00f6cken umher um das Unkraut auszuj\u00e4ten, wettergegerbte Gestalten wie einem Album mediterraner Klischees entsprungen &#8211; mit schlohwei\u00dfen\u00a0 Haaren und einer Freundlichkeit, die verbirgt, wie stringent die Winzer des Languedoc ihre Interessen in Paris und Br\u00fcssel bisher zu vertreten wussten. Nicht weit hinter Argeliers erreicht der Kanal die Kreuzung Port la Robine, an der es m\u00f6glich ist, \u00fcber den Canal de Robine durch f\u00fcnf Schleusen in das Tal der Aude hinunterzufahren.\u00a0\u00a0 Der Hauptverkehr\u00a0 verbleibt jedoch auf dem\u00a0 Canal du Midi, wobei das Vergn\u00fcgen je nach Jahreszeit durchaus unterschiedlich ist. Im Sommer reist\u00a0 man praktisch niemals ohne Sichtkontakt zu einem entgegenkommenden oder vorausfahrenden Hausboot, im Fr\u00fchjahr dagegen kann es passieren, dass man eine ganze Stunde auf keine anderen Boote trifft als auf die schweren Lastk\u00e4hne, von denen noch immer einige wenige den Kanal befahren. Allerdings kommt ein\u00a0 normaler Frachtkahn mit einer L\u00e4nge etwa 3o Metern nur mit allergr\u00f6\u00dfter M\u00fche um die Kurven \u2013 und dass auch nur, wenn er nicht voll beladen ist. Um einen wirtschaftlich lohnenden Frachtverkehr auf dem Canal du Midi neu aufzubauen, m\u00fcsste der\u00a0 Verlauf begradigt, ein gro\u00dfer Teil des Kanals tiefer ausgebaggert und etwa die H\u00e4lfte der B\u00fcckensdurchfahrten erweitert werden. Soll man froh sein, dass es dazu wohl niemals kommen wird? Den Touristen auf seinem Hausboot wird es freuen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-31.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4247\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-31-900x600.jpg\" alt=\"c (31)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-31-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-31-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der malerische kleine Ort\u00a0 Le Somail gilt als eine der Bilderbuchstationen auf dem Kanal, in dem die Geschichte wie die sch\u00f6ne Prinzessin im M\u00e4rchen zur andauernden Begutachtung erstarrt ist Eine palmenbestandene\u00a0 Br\u00fccke bildet das Zentrum des Dorfes, sie wird flankiert durch eine winzige Kirche und pittoreske Cafes mit Klappst\u00fchlen unter Aleppokiefern, Croissants und Plate du Jour\u00a0 zu jeder Tageszeit. Fr\u00fcher mussten die Passagiere auf dem langen Weg von Toulouse nach Sete hier umsteigen, zu ihrem Komfort gab einen gro\u00dfen Turm mit eingelagertem Eis, der auch heute noch zu besichtigen ist, ebenso wie ein weithin ger\u00fchmtes und ungew\u00f6hnlich reichhaltiges Antiquariat, vor dessen Eingang die Portraits von Flaubert, Baudelaire, Hugo und anderen literarischen Geistesgr\u00f6\u00dfen den Besucher einladen, sich f\u00fcr die fernsehfreien Abende auf den Booten mit Lesestoff zu versorgen.<\/p>\n<p>Wer nicht am Ufer von Le Somail \u00fcbernachten will, kann nach\u00a0 Ventenac,\u00a0 Paraza oder Roubia weiterfahren,\u00a0 lauter Postkartenidyllen mit Palmen an den Uferpromenaden,\u00a0 winzigen Marktpl\u00e4tzen, kleinen Boulangerien und\u00a0 leeren Blument\u00f6pfen auf den Fensterb\u00e4nken. Dass sonderliches Passantenaufkommen in diesen D\u00f6rfern herrscht, wird man nicht sagen k\u00f6nnen, hier und da l\u00e4uft\u00a0 ein kleiner Hund kl\u00e4ffend \u00fcber die Stra\u00dfe, und\u00a0 auch von den Gro\u00dfm\u00fctter, von denen man doch im S\u00fcden als sicher annimmt, sie s\u00e4\u00dfen permanent vor dem Haus und w\u00fcrden die Leibchen f\u00fcr die Enkel h\u00e4keln, ist nichts zu sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-36.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4251\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-36-900x600.jpg\" alt=\"c (36)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-36-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-36-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Kurz vor Argens d`Minervois\u00a0 taucht pl\u00f6tzlich die erste von\u00a0 insgesamt 16 Schleusen auf, die\u00a0 auf der Strecke von Beziers nach Carassonne\u00a0 den Kanalverlauf um\u00a0 etwa 75 Meter erh\u00f6hen.\u00a0 Dabei handelt es sich um \u00fcberwiegend noch von Paul Riquet konstruierte, etwa\u00a0 40 Meter lange und 20 Meter breite Steinwannen,\u00a0 die mit Hilfe eisenbeschlagener Holztore verschlie\u00dfbar sind und durch Flutungen an den Wasserstand vor und hinter der Schleuse angepasst werden k\u00f6nnen.\u00a0 Ist man einmal in der Schleuse, kommt es darauf an, das Boot sachte an eine der W\u00e4nde heranzufahren und es mit\u00a0 Seilen vorne und hinten an Poller zu befestigen, um zu verhindern, dass das\u00a0 Schiff bei der Flutung hin und her geworfen wird.\u00a0 Das h\u00f6rt sich sehr einfach an, ist es aber leider nicht, da man bei der Einfahrt in das schmale Schleusentor langsamer werden muss, womit man sofort erheblich an Man\u00f6vrierf\u00e4higkeit verliert, so dass sich das Boot manchmal vor der Einfahrt in die Schleuse zur Gaudi der Zuschauer erst einmal um die eigene Achse dreht. Der einzige, der bei diesen manchmal recht turbulenten Ein- und Ausfahrten\u00a0 die Ruhe beh\u00e4lt ist der franz\u00f6sische Schleusenw\u00e4rter, der zwischen 9.00 und 16.00 Uhr seine 35 Stundenwoche ableistet und den man niemals in seiner Mittagspause zwischen 12.30 bis 13.30 st\u00f6ren sollte. Dazu muss man wissen, dass der franz\u00f6sische Schleusenw\u00e4rter\u00a0 in seiner lebenslang unk\u00fcndbaren und allzeit streikbereiten Position zum\u00a0 Weltkulturerbe\u00a0 Canal du Midi geh\u00f6rt wie die Wei\u00dfwurst zum Oktoberfest.\u00a0 Er ist einer der letzten Erben der neuzeitlichen Emanzipationsbewegung und l\u00e4sst in seiner Erscheinungsform als zeitgen\u00f6ssischer Sansculotte die\u00a0 wohlhabenden Feuillantes und Girondisten unserer Tage in ihren Hausbooten vor den Schleusen mitunter reichlich warten, bis er\u00a0 ihnen als staatlicher Hoheitstr\u00e4ger gn\u00e4digst Durchlass gew\u00e4hrt. Die meisten W\u00e4rter sind\u00a0 schweigsam wie Trappisten, sie erscheinen wie die \u00dcberraschungsg\u00e4ste auf der B\u00fchne des Geschehens,\u00a0 dr\u00fccken auf die Startkn\u00f6pfe ihrer elektrischen Schleusen, um dann\u00a0 gru\u00df- und wieder ger\u00e4uschlos zu entschwinden. Ihren Dienst versehen sie \u00fcbrigens ohne Ausnahme mit einem vierbeinigen Freund an ihrer Seilte, der, gerade so, als besetze er eine regul\u00e4re Planstelle als Schleusenhund, die Bootsbesatzungen je nach Laune mal freundlich wedelnd, mal knurrend angeht.\u00a0 Mitunter gibt es auch Wein und Honig beim Schleusenw\u00e4rter zu kaufen, eine Gelegenheit, die man tunlichst nutzen sollte, nicht so sehr wegen der Qualit\u00e4t der Waren, die dabei verlauft werden, als wegen des Umstandes, dass man jede Schleuse, die man von Beziers aus in Richtung Carcassonne meistert, auf der R\u00fcckweise wieder passieren muss.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4248\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-10-900x600.jpg\" alt=\"c (10)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-10-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/c-10-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Es dauert jedoch nur einen Tag, bis auch die sensibelste Crew mit\u00a0 Schleusen und W\u00e4rtern gut zurechtkommt. Anfahren, Reinfahren, Andocken, Sichern, Fluten, L\u00f6sen und Rausfahren &#8211; wie von selbst gehen diese Sequenzen bald von der Hand. Puicheric, Laredorte, Marsaillette und Treb\u00e9s\u00a0 ziehen vorbei, Kircht\u00fcrme sind in der Ferne zu sehen, dazu sachte Bergk\u00e4mme bis zum Horizont und von morgens bis abends endlose Weinfelder so weit das Auge reicht. Wie Tranquilizer senken sich diese Szenerien in das Gem\u00fct, und die wunderbaren Effekte der Langsamkeit, mit der die Bootsbesatzungen durch diesen gesegneten Teil Frankreichs kreuzen, erzeugen eine geradezu vormoderne Gelassenheit und Entspannung. Tag f\u00fcr Tag liegt das hypertransparente Licht des Midi wie ein durchsichtiges Netz\u00a0 \u00fcber dem\u00a0 Land,\u00a0 illuminiert durch die funkelnden Zwischenr\u00e4ume im Bl\u00e4tterdach, die sich nach der Regie des Windes von Sekunde zu Sekunde ver\u00e4ndern. Nat\u00fcrlich tragen auch die stetig anwachsenden Weinvorr\u00e4te das ihre zum allgemeinen Wohlbefinden bei, und manche Crew erg\u00e4nzt die visuellen Eindr\u00fccke des Tages in\u00a0 der Stunde der Abendd\u00e4mmerung durch einen <em>Corbiers<\/em>\u00a0 oder einem <em>Vin de Pay<\/em> aus der\u00a0 <em>Domaine de Guerry<\/em> zu einem Gesamterlebnis der intensiven Empfindung.\u00a0\u00a0 Wenn dann\u00a0 nach einer halben Woche die Umrisse der gigantischen Burg von Carcassonne\u00a0 im S\u00fcdwesten erscheint, ist das Ziel erreicht. Hoch \u00fcber dem Tal der Aude t\u00fcrmen sich die W\u00e4lle und T\u00fcrme \u00fcber der gr\u00f6\u00dften mittelalterlichen Stadtanlage Europas, und der weitere Verlauf des Canal du Midi verliert sich im Abendlicht. Wohl dem, der jetzt noch einen Ankerplatz findet und zur Feier des Tages einen <em>1996er Ventenac de Minervois<\/em> entkorken kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-4250\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-22-900x600.jpg\" alt=\"b (22)\" width=\"900\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-22-900x600.jpg 900w, https:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/b-22-1799x1200.jpg 1799w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Reisehinweise: Eine Reise auf dem Canal du Midi wird\u00a0 in der Saison zwischen April bis Oktober von verschiedenen Anbietern offeriert, wobei die Preise je nach Ausstattung der Hausboote betr\u00e4chtlich differieren. Empfehlenswert sind die sehr gut ausgestatteten und gewarteten Hausboote des Schweizer Touristikkonzerns Hapimag, die entweder auf der Grundlage von Partnerbeteiligungen (Informationen unter \u00a0www.hapimag.com oder telefonisch unter +41 (0)41 767 80 10.) oder neuerdings auch f\u00fcr Nicht-Hapimag-Mitglieder direkt buchbar sind ( Infos f\u00fcr Direktbuchungen\u00a0 \u00fcber : Hapimag France; Tel: +33 4 94 26 72 72.)\u00a0 Diese Hausboote besitzen eine komplett eingerichtete K\u00fcche, zwei Schlafzimmer, einen ger\u00e4umigen Wohnbereich und ein Oberdeck. Gesteuert werden kann das Boot entweder vom Oberdeck oder, bei schlechtem Wetter von einem zweiten Steuerdeck im Wohnbereich. Es werden zudem Fahrr\u00e4der gestellt, mit denen w\u00e4hrend der Kanalreise Ausfl\u00fcge in die umgebenden Ortschaften unternommen werden k\u00f6nnen. Mit im Preis inbegriffen ist eine Einf\u00fchrung in die Technik der Bootssteuerung am Beginn der Reise sowie ein Sofortservice bei m\u00f6glichen Pannen und Problemen. Die Preise variieren\u00a0\u00a0 je nach Saison zwischen 900 bis 1600 Euro pro Woche und Boot bei einer m\u00f6glichen Belegung zwischen 2-5 Personen. <\/em><\/p>\n<p><em>Beste Reisezeit: April bis Juni und Herbst, in der Hauptsaison ist mit regem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Empfohlene Reiselekt\u00fcre: Bernd-Wilfried Kiessler: Canl du Midi, Edition Maritim, Hamburg, 2003 4. Auflage ISBN 3-89225-172-X<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/a-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-4241\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/a-1.jpg\" alt=\"a (1)\" width=\"800\" height=\"561\" \/><\/a><\/p>\n<p><a title=\"Kugelpanorama von Chris Witzani\" href=\"http:\/\/360.schnurstracks.de\/panoramafotografie\/hapimag\/capestang-1\/hapimag-hausboot-venus-38.html\" target=\"_blank\">Hapimag Hausboot Kugelpanorama #1<br \/>\n<\/a><a title=\"Kugelpanorama von Chris Witzani\" href=\"http:\/\/360.schnurstracks.de\/panoramafotografie\/hapimag\/capestang-2\/hapimag-hausboot-haines-marine-venus-38.html\" target=\"_blank\">Hapimag Hausboot Kugelpanorama #2<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Himmel, H\u00fcgel und Wein\u00a0so weit das Auge reicht \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Ein Weltkulturerbe, auf dem man reisen kann: \u00a0Auf dem Canal du Midi \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 &hellip; <a href=\"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/autor\/kontakt\/aktuelle-reisen\/canal-du-midi\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Canal du Midi<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":3696,"menu_order":9,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"footnotes":""},"class_list":["post-4213","page","type-page","status-publish","hentry"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.4 - 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