{"id":1278,"date":"2013-12-23T08:06:29","date_gmt":"2013-12-23T08:06:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=1278"},"modified":"2025-06-03T10:32:54","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:54","slug":"von-rio-nach-recife-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/backpackers-welt\/von-rio-nach-recife-2\/","title":{"rendered":"Von Rio nach Recife"},"content":{"rendered":"<h3><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-146.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1286\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-146.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (146)\" width=\"785\" height=\"457\"\/><\/a><\/h3>\n<h3>Reisen an der Lambada-K\u00fcste<\/h3>\n<p><i>&nbsp;<\/i>Rio liegt hinter mir. L\u00e4nger als eine Woche sollte man in dieser Stadt nicht bleiben, sonst kommt man gar nicht mehr weg. Abschied vom Corcovado, von Ipanema, von Zuckerhut, von Irina und vom Hotel Monte Blanco. Nun fahren wir schon fast eine Stunde, und noch immer ist kein Ende der Zehn- Millionen-Metropole in Sicht. Industriegel\u00e4nde, Favelas, Autofriedhofe, triste Merkmale der Peripherie wechseln einander ab wie Bilder in einem schlechten Fotoalbum. Dann erst f\u00fchrt die Stra\u00dfe nach Norden in Richtung Minas Gerais.<\/p>\n<p>Auch wenn das heute niemand mehr interessiert: die Provinz&nbsp; Minas Gerais im Norden der Hauptstadt Rio de Janiero war einmal die Herzkammer Brasiliens. Erst als hier Ende des 18. Jahrhunderts die gro\u00dfen Edelmetallvorkommen entdeckt wurden, verwandelte sich die zerfaserte portugiesische Kolonie zu einer Wirtschaftseinheit. Innerhalb k\u00fcrzester Zeit entwickelte sich der Hauptort Ouro Preto zur gr\u00f6\u00dften Stadt in ganz Amerika, gr\u00f6\u00dfer als Mexiko-City, Havanna oder New York. Die Hauptstadt Brasiliens, bis dahin Salvador de Bahia weit im Norden, wurde wegen der N\u00e4he zu Minas Gerais nach Rio de Janiero verlegt. Zwischen Rio und Sao Paulo entstanden Exporth\u00e4fen, und als sich Brasilien im 19. Jahrhundert vom Mutterland Portugal l\u00f6ste, finanzierte man aus den Ertr\u00e4gen der Minen von Minas Gerais den Aufbau der Staatskasse.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag erreiche ich Minas Gerais, und das erste, was ich besuche, ist die weltber\u00fchmte Kirche Bom Jesus bei Congonhas do Campo. Der Himmel ist aufgerissen, und die pr\u00e4chtige Barockkirche erhebt sich wie eine Filiale des Paradieses inmitten einer palmendurchsetzen H\u00fcgellandschaft. Ein langer Steinweg f\u00fchrt bergauf zur Kirchentreppe und der gro\u00dfen Terrasse mit ihren zw\u00f6lf&nbsp; Apostelfiguren. Die \u00fcberlebensgro\u00dfen Skulpturen gleichen in ihrer Gesamtheit einer Versammlung von V\u00f6lkerf\u00fcrsten, die mit weit ausholenden Geb\u00e4rden \u00fcber Horizont und Tal hinweg gestikulieren. Einige der Figuren sind in den H\u00fcften merkw\u00fcrdig eingeknickt, als wollte ihr Sch\u00f6pfer, der leprakranke K\u00fcnstler Alehandinjo, seine Werke mit der Signatur der&nbsp; eignen Gebrechlichkeit versehen. Herzzerrei\u00dfende Geschichten erz\u00e4hlen die Reisef\u00fchrer vor der Kirche vom genialen Bildhauer Alehandinjoo, der erst im Alter an der Lepra erkrankte und am Ende nur noch mit seinen St\u00fcmpfen hat weiterarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-051.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1281\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-051.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (051)\" width=\"753\" height=\"433\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die Busreise von Congonhas nach Ouro Preto war ein lebensgef\u00e4hrliches Abenteuer. Sei es, dass der Busfahrer zugedr\u00f6hnt war oder es auch einfach nur sehr eilig hatte, er brauste mit einem derartigen Affenzahn durch die Dunkelheit, dass ich mehr als einmal dachte, wir w\u00fcrden im Graben landen. Er durchfuhr mit seinem altersschwachen Schrottbus die ganze Region von Mine zu Mine, lud hier ein paar schr\u00e4ge Figuren aus, um dort eine Gro\u00dffamilie oder eine Horde Jugendlicher mit zu nehmen Auf halber Strecke ging die Kupplung zu Bruch, wor\u00fcber lange aber folgenlos palavert wurde, ehe der Bus einfach weiterfuhr und tats\u00e4chlich mit stinkenden Gummis und kreischendem Getriebe den Busbahnhof von Ouro Preto erreichte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-057.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1280\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-057.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (057)\" width=\"741\" height=\"472\"\/><\/a><\/p>\n<p>Ouro Preto erinnert an die Silberstadt Taxco in Mexiko, denn auch hier erstreckt sich die Stadt \u00fcber mehrere H\u00fcgel, die fast alle mit sehenswerten Barockkirchen geschm\u00fcckt sind. Hat der Reichtum des 19. Jahrhunderts in \u00fcppigen Alt\u00e4ren und eitlen Herrenh\u00e4user \u00fcberdauert, kann man das von den&nbsp;&nbsp; heutigen Bewohner nicht behaupten. M\u00e4nner in abgerissenen Hosen und fadensccheinigen Jacken&nbsp; stehen wie bestellt und nicht abgeholt an den Stra\u00dfenecken, schauen L\u00f6cher in die Luft und rauchen ihre selbst gedrehten Zigaretten. Es handelt sich \u00fcberwiegend um Nachkommen europ\u00e4ischer Einwanderer, und vor der Kulisse eines pr\u00e4senten Katholizismus k\u00f6nnte man fast glauben, man bef\u00e4nde sich in Asturien oder Nordportugal.<\/p>\n<p>Als die Einwanderer aus der iberischen Halbinsel&nbsp;&nbsp; dereinst den S\u00fcden Brasiliens erreichten, h\u00e4tte \u00fcbrigens niemand voraussehen k\u00f6nnen, dass&nbsp; Lateinamerika im Vergleich zum angels\u00e4chsisch gepr\u00e4gten Norden so deutlich zur\u00fcckfallen w\u00fcrde &#8211; im Gegenteil: um 1800 besa\u00dfen der S\u00fcden Brasiliens mit seinen Rohstoffvorkommen und Argentinien mit seiner&nbsp; Viehwirtschaft sogar einen Entwicklungsvorsprung, den die L\u00e4nder des S\u00fcdens jedoch verspielten. Lag es am Katholizismus, am unzureichenden Humankapital der vorwiegend s\u00fcdeurop\u00e4ischen Einwanderer, an der Konsum- und Genussmentalit\u00e4t der mediterran gepr\u00e4gten Bev\u00f6lkerung? Oder an der mangelnden Rechts-sicherheit der lateinamerikanischen Innenpolitik, die die Entfaltung leistungsf\u00e4higer wirtschaftlicher Strukturen beihinderte?<\/p>\n<p>In Ouro Preto treffe ich Kurt, einen Deutschlehrer aus M\u00fcnster. Er hat \u00fcber Schillers Theorie des Spieles promoviert, liest den ganzen Tag Thomas Mann und ist so r\u00f6sig, dass er kaum die Hose halten kann. Wenn ich ihn richtig verstehe, dann hat er sich daheim gerade von seiner Partnerin getrennt und ist nun in Brasilien unterwegs um einmal richtig \u201edie Sau rauszulassen\u201c. Nach Minas Gerais hat es ihn nur irrt\u00fcmlich verschlagen, er hat den falschen Bus genommen, der statt nach Porto Seguro nach Bello Horizonzte fuhr.&nbsp; Da ich auch zum Meer wollte, taten wir uns zusammen und besorgten gemeinsam die Karten f\u00fcr die Nachtfahrt nach Vitoria.<\/p>\n<p>Nach den Erfahrungen der Reise von Congonhas de Campo nach Ouro Preto war ich bei dieser Fahrt auf Einiges gefasst, doch die Nachtfahrt nach Vitoria \u00fcbertraf meine schlimmsten Erwartungen. Der Bus war weit \u00fcberf\u00fcllt, in den G\u00e4ngen standen die Familien, die Kinder schrieen, einige pinkelten in ihrer Not auf den Boden des Busses, w\u00e4hrend der Busfahrer, ein m\u00e4chtiger, stiernackiger Glatzkopf, acht Stunden lang wie besessen durch den n\u00e4chtlichen Nebel raste. Er muste die Strecke in- und auswendig kennen, denn er wusste immer genau, wo im Nebel er bremsen und wo er unbesorgt Gas geben konnte. F\u00fcr Kurt und mich, die wir gleich hinter dem Busfahrer sa\u00dfen, aber war das best\u00e4ndige Bremsen, Beschleunigen und Kurven, ohne dass irgendetwas deutlich zu sehen war, eine nervenzerfetzende Tortour. Sogar die Busgemeinde wurde immer stiller, und als ich mich umdrehte, sah ich, dass kaum jemand schlief.<\/p>\n<p>Ab Vitoria wurde Brasilien endlich brasilianisch. Kaum waren wir in der Stadt aus dem Bus gestiegen, umringten uns kleine krausk\u00f6pfige Jungen und hielte ihre Chicken und Maiskloben bereit, ihre M\u00fctter offerieren gesch\u00e4ltes Gem\u00fcse, \u00c4pfel, Apfelsinen, K\u00e4se und gegrilltes Fleisch an ihren St\u00e4nden.&nbsp; Eine einheitliche Hautfarbe war nicht auszumachen, am ehesten dominierte auf dem Busbahnhof und in der Stadt ein ansehnliches Schokobraun, es gab aber auch rabenschwarze Nachfahren von Afrikanern. Es gab Hellh\u00e4utige, Mulatten, Mestizen und Zambos in allen nur denkbaren Farbschattierungen, ohne dass sich zwischen diesen Menschen irgendeine erkennbare Form der Absonderung feststellen lie\u00df. Mir fiel auf, dass auch Kurt und ich keineswegs sofort als Ausl\u00e4nder erkennbar waren. Abgerissen und&nbsp; hellh\u00e4utig wie wir waren, h\u00e4tten wir auch zwei Wanderarbeiter aus Porto Alegre sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-132.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1282\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-132.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (132)\" width=\"693\" height=\"363\"\/><\/a>&nbsp;In Vitora blieben wir nur zwei Stunden, ehe wir den n\u00e4chstbesten Bus in Richtung Porto Seguro bestiegen. Nun wurde die Wegf\u00fchrung flacher, die Natur \u00fcppiger, und doch erschien mir, je weiter wir nach Norden kamen, alles unvollst\u00e4ndiger und fragmentarischer als im S\u00fcden.&nbsp; Die Kinder waren nur noch halb angezogen, viele Geb\u00e4ude besa\u00dfen keine Fenster mehr, die Wirtschaftsgel\u00e4nde hatten keine Tore oder Umz\u00e4unungen, und selbst die Busbahnh\u00f6fe, die Zentren der meisten brasilia-nischen St\u00e4dte,&nbsp; waren mitunter nichts weiter als eine Anzahl von Laderampen f\u00fcr die \u00dcberlandbusse. In diesen \u00dcberandbussen sa\u00dfen wir neben Krausk\u00f6pfigen und Gewellthaarigen, Hell- und Dunkelh\u00e4utigen, neben dicken und d\u00fcnnen, duftenden und stinkenden Personen jedweden Alters im brasilianischen Melting-Pot. Im Bus kr\u00e4hten die Kinder munter drauflos, spielten Nachlaufen im Mittelgang, ehe sie in dicke Decken eingeh\u00fcllt, auf den Sch\u00f6\u00dfen ihrer Eltern einschliefen. Derweil f\u00fchrte die K\u00fcstenstra\u00dfe immer weiter nach Norden, die Geb\u00e4ude links und rechts der Stra\u00dfe wirkten wie nordamerikanische Tankstellenst\u00e4dte, nur dass hier im Westen die Berge und im Osten die See verliefen.<\/p>\n<p>An der K\u00fcste von Porto Seguro landete im Jahre 1500 der Portugiese Cabral, der \u2013 eigentlich auf dem Weg nach Indien \u2013 einen zu weiten Bogen um Afrika gesteuert hatte und der so unabsichtlich, aber gl\u00fccklich die weit nach Osten vorragende K\u00fcste Brasiliens entdeckte. M\u00f6glicherweise ist das der Grund, warum heute 200 Millionen Brasilieros nicht spanisch sondern portugiesisch sprechen, denn Papst Alexander VI hatte nur wenige Jahre vor Cabrals Entdeckung die Welt in zwei H\u00e4lften geteilt, und die K\u00fcste von Porto Seguro lag zuf\u00e4llig auf der portugiesischen Seite. Heute erinnert in Porto Seguro au\u00dfer einem bescheidenen Gedenkstein nichts mehr an die Ankunft der Portugiesen in der Neuen Welt. Stattdessen kommen reichlich G\u00e4ste aus dem wohlhabenderen S\u00fcden des Landes, um sich hier einen preiswerten, aber erholsamen Urlaub zu g\u00f6nnen. Und preiswert ist dieser Ort f\u00fcrwahr: f\u00fcr schlappe vier Dollar erhielten wir ein Doppelzimmer mit Fr\u00fchst\u00fcck in einer gepflegten Poussada mit Gartenzugang.<\/p>\n<p>Ehe ich mich versah, hatte Kurt bereits mit zwei jungen Brasilianerinnen, die das Nachbarappartment bewohnten,&nbsp; ein Abendessen zu viert vereinbart. Es handelte sich um zwei alleinreisende junge Frauen, die uns gleich am Eingang freundlich begr\u00fc\u00dft hatten. Damit war f\u00fcr den r\u00f6sigen Kurt der Fall klar. Die beiden waren \u201ef\u00e4llig\u201c, unklar war nur noch die Frage, mit welcher von beiden er denn wohl lieber eine Liebesnacht verbringen wollte.&nbsp; Beim Abendessen in einem kleinen Strandlokal direkt am Meer kam man sich dann n\u00e4her:&nbsp; wir waren die Caballeros aus Alemania, Maria und Claudia stellten sich vor als Sekret\u00e4rinnen aus der im Landesinnern gelegenen Millionenstadt Bello Horizonte. Beide waren nicht auf den Mund gefallen und rababerten, schnatterten und kicherten, was das Zeug hielt.&nbsp; Ach Kurt rababerte, kicherte und schnatterte mit so gut er konnte, obwohl er sich noch&nbsp; immer nicht sicher war, welches der beiden M\u00e4dchen den Vorzug erhalten sollte &#8211;&nbsp; w\u00fcrde er die etwas besser aussehende Maria vorziehen&nbsp; oder sich doch besser auf die vollbusigere Claudia konzentrieren? Als Maria in ihrer Unschuld Kurt aufforderte, er solle einmal einen Satz auf Deutsch formulieren, antwortete er \u201eHeute Nacht bist du dran!\u201c\u201eBist du bescheuert?\u201c&nbsp; frage ich. \u201cWas machen wir, wenn die M\u00e4dchen das verstehen?\u201c Aber Claudia und Maria kicherten weiter und wollten auf Englisch wissen, was ich denn gerade gesagt habe.\u201eEr hat gefragt, wo denn hier wohl der sch\u00f6nste Strand ist,\u201c antwortete ich schnell, worauf die beiden versprachen, und am n\u00e4chsten Tag zum sch\u00f6nste Strand der ganzen Gegend zu f\u00fchren. Kurt fiel bei dieser Mitteilung das Gesicht herunter, denn das konnte ja wohl nur bedeuten, dass man die Nacht doch nicht zusammen verbringen w\u00fcrde. Wie ein maurischer Sterndeuter, der kein Anzeichen ungedeutet l\u00e4sst, sch\u00f6pfte er jedoch gleich wieder Hoffnung, als sich Claudia bereit erkl\u00e4rte, von seinen Oliven zu kosten. Allerdings weigerte sich Kurt standhaft, ihr die Olive mit der Gabel zu reichen, sondern bestand darauf, sie ihr regelrecht in den Schlund schieben.&nbsp; Die M\u00e4dchen erkannten langsam, wohin der Hase laufen sollte, \u00fcberh\u00f6rten aber Kurts Avancen und blieben gut gelaunt und freundlich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-119.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1279\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-119.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (119)\" width=\"763\" height=\"420\"\/><\/a><\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag besuchten wir unter der F\u00fchrung von Maria und Claudia den Haperapua-Strand, und wir wurden nicht entt\u00e4uscht. Strahlend wei\u00dfer Sand, \u00fcppiger Palmenbewuchs bis fast zum Meeresufer und eine ganze Galerie&nbsp; kleiner Strandrestaurants verbanden sich zu einem perfekten Brasilien-Ambiente. Kurt aber wollte mehr, er wollte v\u00f6geln und war fest entschlossen, im Laufe des Tages im Unterholz eine Nummer zu schieben. Wie er zuraunte, war es jetzt auch egal, mit wem dieses Ereignis \u00fcber die B\u00fchne gehen sollte, aber mit einer von beiden musste es heute passieren, sonst w\u00fcrde er einen Hormonkoller bekommen.&nbsp; Leider aber stand den beiden der Sinn nach allem M\u00f6glichen, nur nicht nach Sex. Erst einmal wurde Nachlaufen und Frisbey gespielt, dann Strandboot gefahren und Musik geh\u00f6rt. Anschlie\u00dfend&nbsp; schmierten sich die beiden sich gegenseitig mit Sonnenschutz ein und aalten sich behaglich in der Sonne &#8211; lauter Aktivit\u00e4ten, die von Kurt sofort im Hinblick auf die eventuell steigenden oder sinkenden Chancen auf einen tropischen Spontankoitus interpretiert wurden.<\/p>\n<p>Aber es kam ganz anders. Maria und Claudia f\u00fchrten uns in ein kleines Strandrestaurant, wo wir am sp\u00e4ten Nachmittag unter makellosen Himmel und vom milden Winterwind Brasiliens umwehrt, einen erstklassigen Fisch zu uns nahmen. Ich spendierte ein Flasche Wei\u00dfwein, und zum Dank brachten mir die beiden ein St\u00e4ndchen, sie begannen einfach wie die V\u00f6gelchen zu singen, schwenkten die Arme im Takt, sprangen auf, wechselten in einen etwas fetzigeren Song und begannen, neben dem Tisch zu tanzen. Der Wirt klatschte und legte, als die beiden zu Ende gesungen hatten, eine Lambada Kassette ein, und es dauerte nicht lange, da erhoben sich auch die andere G\u00e4ste und tanzten neben ihren Tischen.&nbsp; Nat\u00fcrlich hatte ich auch schon zuhause Lambada Musik geh\u00f6rt, aber es war etwas ganz anderes diese Musik an einem brasilianischen Traumstrand live zu erleben. F\u00fcr einen ungelenken Mitteleurop\u00e4er erfordert dieser Tanz sehr viel \u00dcbung, denn es kommt darauf an, die Schwingungen von Oberk\u00f6rper und Armen ganz auf&nbsp; den Unterleib zu \u00fcbertragen, wobei die beiden T\u00e4nzer sich w\u00e4hrend des Tanzes derart aneinander reiben, dass ein Bein des einen Partners sich immer gef\u00e4hrlich weit im Schritt des anderen befindet. Dabei schwenken die T\u00e4nzer die Oberk\u00f6rper weit nach rechts und links aus, w\u00e4hrend die mit der Schritt-Beinstellung synchronisierten Unterleiber in einem&nbsp; erotischen Gleichtakt wackeln, der keinen Zweifel l\u00e4sst, was in diesem Tanz angedeutet werden soll.&nbsp; Kurt bekam ganz rote Ohren beim Anblick dieser Bewegungen, war aber viel zu steif, eine der beiden Damen zum Tanz aufzufordern. Nat\u00fcrlich lief nichts mit Maria und Claudia, und das war auch gut so. Wir verabschiedeten uns z\u00fcchtig vor den Appartments, nicht ohne dass ich als Zeichen der zunehmenden Vertrautheit einen Gute-Nacht-Kuss auf die Wange erhielt. Kurt ging leer aus, so kann es gehen, wenn man den M\u00e4dels zu aufdringlich auf den Busen glotzt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen war Kurt verschwunden. Er hatte in aller Fr\u00fche ausgecheckt und war, wie ich einer Nachricht entnahm, nach Rio zur\u00fcckgefahren. Gut so, dachte ich, da ist er f\u00fcr seine Zwecke auch besser aufgehoben. Ich fr\u00fchst\u00fcckte in aller Ruhe, packte meine Sachen, verabschiedete mich von Maria und Claudia und nahm am Mittag den Bus nach Salvador de Bahia.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-102.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1283\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-102.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (102)\" width=\"800\" height=\"518\"\/><\/a><\/p>\n<p>Der Westen Afrikas endet nicht in Ghana oder an der Elfenbeink\u00fcste sondern in Salvador de Bahia. Das jedenfalls mein erster Eindruck,&nbsp; als ich nach einer<\/p>\n<p>vierundzwanzigst\u00fcndigen Busfahrt mit dem Taxi in Salvador de Bahia einfuhr. Die weit \u00fcberwiegende Mehrheit der Bewohner Salvadors sind Nachkommen schwarzafrikanischer Sklaven, die sage und schreibe erst vor einhundert Jahren \u2013 als letzte Bev\u00f6lkerungsgruppe innerhalb des westlichen Kulturkreises \u2013 ihre Freiheit erhielten. Es sind gro\u00dfe kraftvolle Menschen, und als ich aus dem Taxi steige, um ein Hotel zu suchen, erkenne ich, was mich schon seit Beginn der Reise besch\u00e4ftigte, ohne dass ich genau wusste, was es war. Im Unterschied zu Asien, wo man als Europ\u00e4er fast immer k\u00f6rperlich gr\u00f6\u00dfer ist als die Einheimischen, ist man in Brasilien fast immer kleiner. Und besonders klein kam ich mir hier in Salvador vor, obwohl ich normale ein Meter achtzig gro\u00df bin. Aber die Bewohner der Kakaok\u00fcste sind nicht nur gro\u00df, sie sind auch richtiggehend gut aussehend.&nbsp; Sie besitzen die athletische Figur des Westafrikaners, meist kaffeebraune Hautfarbe, nicht krauses, sondern gewelltes Haar. Ihre Augen sind nicht, wie bei vielen Afrikanern im Hintergrund gelb sondern strahlend wei\u00df, ebenso die gro\u00dfen Z\u00e4hne, was im Kontrast zur Hautfarbe umwerfend aussieht. Die Lippen sind nicht wulstig sondern voll, die Nase ist nicht platt, sondern gerade, und auch wenn dieses Gleichgewicht nicht immer gl\u00fcckt: in der Summe vereinigt der sch\u00f6ne Bahianero in seiner Gestalt die physiognomischen Attraktivit\u00e4ten der V\u00f6lker. Von den Frauen erst gar nicht zu reden.<\/p>\n<p>Inzwischen hatte ich auch die tropischen Zonen erreicht, und so leistete ich mir in Salvador de Bahia ein Zimmer mit Air Conditon, muss aber feststellen, dass sie nicht funktionierte. Daf\u00fcr konnte ich von meinem Fenster das muntere Treiben auf der Stra\u00dfe beobachten. Dutzende&nbsp; von Jugendlichen standen an den Ecken herum, manche sa\u00dfen ganz ungeniert auf den parkenden Fahrzeugen, andere verkauften Drogen unter der Hand. Einen vorbeischlendernden Polizisten schien es nicht zu st\u00f6ren, denn er gr\u00fc\u00dfte die Gruppe der Jugendlichen mit jovialer Geste. \u00dcberall waren Kinder unterwegs, doch mir kam es vor, als spielten sie nicht sondern als seien sie als Transportkr\u00e4fte eingesetzt &#8211; einer trug einen gro\u00dfen Packen Zeitungen \u00fcber die Stra\u00dfe, ein anderer rannte mit einem Henkelmann die Treppen hoch, ein Dritter schleppte einen Karton voller kleiner Hunde durch die Gegend.<\/p>\n<p>Ich lese ein wenig in meinem Reisef\u00fchrer und erfahre, dass die Kriminalit\u00e4t in Salvador zu den h\u00f6chsten der Welt z\u00e4hlt. Die Stadt rivalisiert mit Caracas, Lagos und Johannesburg um den Rang der gef\u00e4hrlichsten Millionenstadt der Welt. Zugleich lese ich, dass die Einwohner an sich freundlich und hilfsbereit seien.&nbsp; Wie passt das zusammen?<\/p>\n<p>Mein erster Stadtrundgang f\u00fchrte mich in die ber\u00fchmteste Kirche der Stadt. Nicht, weil ich besonders religi\u00f6s bin, sondern weil ich auf Reisen die Ruhe in einem Gotteshaus sch\u00e4tze, ganz gleich ob es sich um eine Kathedrale, eine Moschee oder einen buddhistischen Tempel handelt.&nbsp; Ich hege sogar eine gewisse Vorliebe f\u00fcr Moscheen &#8211; einfach, weil diese Geb\u00e4ude in ihrem Innern fast immer mit weichen Teppichen ausgelegt sind, auf denen man in aller Stille ein Nickerchen halten kann. Im&nbsp; Innenraum der Kirche Sao Francisco herrschte eine wohltuhende K\u00fchle, kein Mensch war anwesend, und es roch ein ganz klein wenig nach Moder, als ich mich vor den Altar setzte und versuchte, mich in das ber\u00fchmte Werk Manuel Ignacio de Costas zu versenken. Doch es gelang mir nicht \u2013 die \u00fcber-bordende Vielfalt der Schnitzereien, Vergoldungen, Figuren und Formen f\u00fcgte sich zu keinem Eindruck.&nbsp; Woran es auch immer gelegen haben mag \u2013 dass ich ein Kunstwerk betrachte und es sich mir \u00fcberhaupt nicht erschlie\u00dft, ist immer auch ein Zeichen, dass die Reise langsam zu ende gehen muss.<\/p>\n<p>Als ich nach meinem Kirchenbesuch weiter durch die Stadt schlendere, f\u00fchle ich mich in keiner Weise bedroht. Im Unterschied etwa zum Maghreb, wo der Besucher sofort in den Fokus einer aggressiven Beobachtung ger\u00e4t, sind die Gesten der Menschen hier gleichg\u00fcltig, die Bewegungen und Blicke verraten keinerlei Gefahr, und als ich einen Maiskolben auf der Stra\u00dfe esse, kann ich inmitten Einheimischer auf einem Schemel sitzend unbeachtet vor mich hinfuttern. Ich fahre mit dem gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Aufzug von der Cidade Alta zur Baia Cidade, gehe ein wenig am Hafen spazieren und steige in der Abendd\u00e4mmerung spontan&nbsp; in den gro\u00dfen Circularbus, der die ganze Stadt in anderthalb Stunden einmal umkreist. Ich sa\u00df kaum einige Minuten im Bus, als die D\u00e4mmerung \u00fcbergangslos in Dunkelheit \u00fcber ging. Es wurde&nbsp; pl\u00f6tzlich so ungewohnt stockd\u00fcster, dass ich mir das zuerst gar nicht erkl\u00e4ren konnte, bis ich bemerkte, dass, je weiter der Bus in die Peripherien fuhr, immer weniger Stra\u00dfenlampen brannten. Schlie\u00dflich gab es \u00fcberhaupt keine Stra\u00dfenbeleuchtung mehr sondern nur offene Feuerstellen, in deren gespenstisch flackerndem Licht sich die Konturen der Menschen bewegte, als w\u00e4ren es tanzende Teufel. Das Licht des Busses erfasste wie die Lampe eines J\u00e4gers die unglaublichsten Szenen: ich sah ganze Familien am Stra\u00dfenrand auf Pappe liegen, bauf\u00e4llige Behausungen, die ihren Bewohnern nichts weiter boten als ein wackeliges Dach \u00fcber dem Kopf, Garagen, offene Metzgereien, in denen Tiere ausgeweidet wurden, Stra\u00dfenfriseure bei der Arbeit, schwarze Muskelm\u00e4nner, die wie K\u00f6nige auf kleinen St\u00fchlen sa\u00dfen, Abfallberge und immer wieder eingeschlagene Fensterscheiben an parkenden Fahrzeugen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-113.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1284\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-113.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (113)\" width=\"800\" height=\"525\"\/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den angenehmen Seiten des Reisens geh\u00f6rt, dass man nie lange allein bleibt. War ich Kurt nun gl\u00fccklich los, lernte ich im Hotelcafe\u00b4 am n\u00e4chsten Morgen den 45j\u00e4hrigen Schwarzw\u00e4lder Michael kennen. Er war eine markante Erscheinung mit hoher Stirn, leicht angegrauten Haaren, einem m\u00e4nnlichen Kinn und tief liegenden Augen. Wie er mir freim\u00fctig berichtete, war er vor sechs Jahren innerhalb von zwei Wochen aus einer gut b\u00fcrgerlichen Existenz mit Frau und Haus ausgebrochen, um eine Weltreise zu unternehmen. Er war in den letzten Jahren&nbsp; durch das ganze spanische S\u00fcdamerika gereist, hatte die argentinischen Riesensteaks in Buenos Aires&nbsp; genossen und pries die&nbsp; Gaucha als die sch\u00f6nste Frau des Kontinentes. Als Maschinenbauingenieur war es ihm nie schwer gefallen, Arbeit zu finden, so dass er bisher gut \u00fcber die Runden kam. In Brasilien lebte er seit einem haben Jahr mit einer&nbsp; einheimischen Partnerin, die allerdings letzte Woche&nbsp; mit einem Gro\u00dfteil seines Bargeldes abgehauen war, so dass er jetzt bald wieder auf die Haziendas muss, um Geld zu verdienen. Er erz\u00e4hlte mir dies mit zur\u00fcck haltender Sachlichkeit, ohne Jammern oder Prahlen, das verlorene Geld schien ihn nicht sonderlich zu kratzen.&nbsp; Ich fragte ihn, ob er daran d\u00e4chte, irgendwann einmal heimzukehren. Das glaube er nicht, gab er zur\u00fcck, daf\u00fcr sei er schon zu sehr Latino geworden, aber m\u00f6glich sei alles. Meine eigene Reisegeschichte nahm er h\u00f6flich zur Kenntnis, doch ich erkannte, wie mickrig all meine Weltreisen gegen\u00fcber Geschichten dieses Kalibers erschienen \u2013 einfach aufzubrechen, alles hinter mir zu lassen und sich ungesch\u00fctzt in den Ozean der Fremde zu st\u00fcrzen &#8211; dieser Gedanke war mir noch nie gekommen.<\/p>\n<p>Mit Michael fuhr ich am n\u00e4chsten Tag auf die vorgelagerte Insel Itaparica. Dort a\u00dfen wir in einem gehobenen Standlokal mit Blick auf die Skyline von Salvador de Bahia, die mir aus diese Entfernung vorkam wie Toronto oder Honolulu. Ein Kellner, der Michael offenbar kannte, fragte mich, ob ich Geld wechseln wollte, was ich erst verneinte, dann aber auf Michaels Rat doch tat. Schwarz tauschen ist in Brasilien Volkssport und trotzdem nicht ungef\u00e4hrlich. Betr\u00fcgereien und auch Raub\u00fcberf\u00e4lle waren in Rio an der Tagesordnung \u2013 warum also nicht hier die Gelegenheit wahrnehmen? Ich ging mit dem Kellner in die Herrentoilette und wechselte einhundert Dollar zu einem ausgezeichneten Kurs. Den Umtausch meiner Travellerchecks lehnte er allerdings ab. Zu viele Travellerchecks werden in Brasilien gef\u00e4lscht oder gestohlen, in den Banken sind sie ohnehin nur noch mit gro\u00dfen Abschl\u00e4gen umzutauschen. Als ich die Toilette verlie\u00df, passierte ich eine Gruppe, in der gerade ein Drogengesch\u00e4ft abgewickelt wurde. Dass ich den Deal voll mitbekam, schien aber niemanden zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Am Abend besuchten wir eine Candomble Veranstaltung im gro\u00dfen Standlokal von Salvador de Bahia. Candomble, Xingu oder Macumba sind Sammelnamen f\u00fcr religi\u00f6se Riten auf dem Hintergrund schwarzafrikanischer Sklaventraditionen. Sie haben inmitten eines barocken Katholizismus jahrhundertelang \u00fcberlebt und sind in der Empfindungswelt vieler Einheimischer l\u00e4ngst mit den Figuren des christlichen Kanons verschmolzen. So ist der heilige Antonius f\u00fcr die Candomble Anh\u00e4nger&nbsp; der Gott Ogum \u2013 oder umgekehrt! Omulu ist der heilige Lazarus, und die G\u00f6ttin Nana wird mit der heiligen Anna gleichgestellt. Ob Ogun, Omula oder Nan \u2013 die Candomble T\u00e4nzer fegten wie die Derwische \u00fcber die B\u00fchne, hinter ihren gro\u00dfen Masken&nbsp; sprangen und schrien sie wie au\u00dfer Sinnen&nbsp; und vollf\u00fchrten aneinander in einem fort rhythmische Kopulations-bewegungen zu einer ohrenbet\u00e4ubenden Beschallung.<\/p>\n<p>Der H\u00f6hepunkt des Abends vollzog sich als eine artistische Capoeira-Show. Capoeira war die alte&nbsp;&nbsp; Selbstverteidigungstechnik der schwarzafrikanischen Sklaven, eine Art Fu\u00dfkampftechnik, die lange verboten war und die sich in unserem Jahrhundert&nbsp; unter dem Einfluss europ\u00e4ischer Choreogtraphie zu eine Art Fu\u00dfkampf-Ballet entwickelt hat. Der ganze Saal geriet in Raserei, als die Capoeira-T\u00e4nzer ihre Fu\u00dfst\u00f6\u00dfe, Tritte, K\u00f6rperumdrehungen in perfekter Harmonie nur wenige Zentimeter am Gesicht des Partners vorbeivollf\u00fchrten.&nbsp; In der zweiten Reihe kam es zu einer Schl\u00e4gerei, weil einer der Zuschauer aufgesprungen war und mittanzen wollte, wobei er aber in seiner Unge\u00fcbtheit dem Vordermann ins Kreuz trat, was dieser mit einem Freistilangriff beantwortete. Nach einem kurzen Handgemenge war der Aufruhr jedoch schnell vorbei. Als wir das Lokal verlie\u00dfen, boten uns zwei blutjunge M\u00e4dchen ihre Dienste an, nicht sonderlich aufdringlich und sogar ein wenig verspielt. Kurt antwortete freundlich und verschwand mit einer der beiden in der Dunkelheit.&nbsp; Ich habe ihn nicht wieder gesehen. Als ich das Hotel am n\u00e4chsten Morgen verlie\u00df, war er nicht auf seinem Zimmer.<\/p>\n<p>Nun ist es endlich soweit. Regen \u00fcber \u00c4quatorialbrasilien. Wie aus K\u00fcbeln sch\u00fcttete es auf die Fahrzeuge, als ich Salvador de Bahia im \u00dcberlandbus verlie\u00df. Die Traumstr\u00e4nde von Maceio standen unter Wasser, ich kam, sah und haute gleich wieder ab. Danach hing ich einen Tag lang fest, weil alle Busse nach Norden voll waren. Schlie\u00dflich vereinbarte ich an einer Tankstelle mit einem Fahrer und seiner Frau, dass sie mich f\u00fcr einen fairen Betrag dreihundert Kilometer bis nach Recife mitnehmen sollten. Was sie nicht erz\u00e4hlt hatten, war, dass der Wagen praktisch keine R\u00fcckbank besa\u00df und ich vier Stunden lang&nbsp; praktisch auf der Achse sitzen musste. Auch Recife, die Millionenstadt und das Sprungbrett f\u00fcr meine Heimreise nach Lissabon war vom Sommerregen eingeh\u00fcllt. Hier goss es schon seit Tagen, schwarze Fluten schossen durch die Stra\u00dfen, es donnerte und&nbsp; blitzte, so dass ich mich dazu entschloss, ins Reiseb\u00fcro zu gehen und mich zum ersten Mal vorsichtig nach dem Heimflug zu erkundigen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-061.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1289\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Brasilien-1989-061.jpg\" alt=\"Brasilien 1989 (061)\" width=\"749\" height=\"402\"\/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reisen an der Lambada-K\u00fcste &nbsp;Rio liegt hinter mir. L\u00e4nger als eine Woche sollte man in dieser Stadt nicht bleiben, sonst kommt man gar nicht mehr weg. Abschied vom Corcovado, von Ipanema, von Zuckerhut, von Irina und vom Hotel Monte Blanco. 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