{"id":1158,"date":"2013-12-22T14:49:31","date_gmt":"2013-12-22T14:49:31","guid":{"rendered":"http:\/\/ludwig-witzani.de\/?page_id=1158"},"modified":"2025-06-03T10:32:55","modified_gmt":"2025-06-03T10:32:55","slug":"die-rueckkehr-der-regenbogenschlange","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ludwig-witzani.de\/zu-den-grossen-traeumen\/backpackers-welt\/die-rueckkehr-der-regenbogenschlange\/","title":{"rendered":"Die R\u00fcckkehr der Regenbogenschlange"},"content":{"rendered":"<h3 style=\"text-align: left;\" align=\"center\"><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image030.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1159\" alt=\"image030\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image030.jpg\" width=\"800\" height=\"536\" \/><\/a><\/h3>\n<h3 align=\"center\">Ayers Rock, die Olgas und der Kings Canyon <b>im roten Herzen Australiens<\/b><\/h3>\n<p>Am Anfang war die Regenbogenschlange. Danach entstanden das Licht, die Wolken und der Regen, und aus der Erde erhoben sich die Ahnen, um gemeinsam mit der Regenbogenschlange die Welt zu erschaffen. In der &#8222;Traumzeit&#8220; wanderten sie \u00fcber das Land und gaben allem, was ihnen begegnete einen Namen: Berge: Fl\u00fcsse, Schluchten, Brunnen, Tiere und Menschen &#8211; der Akt der Benennung war mit dem der Sch\u00f6pfung identisch: die Dinge der Welt erhielten\u00a0 Gestalt. Nach der Auffassung der Aborigines aber ist damit die Sch\u00f6pfung noch nicht beendet. Immer neue Erwanderungen der heimatlichen Erde, regelm\u00e4\u00dfige und rituell definierte Wiederholungen der uralten Benennungen in Liedern und T\u00e4nzen sind notwendig, um die Welt zu erhalten und eine spirituelle Br\u00fccke zur &#8222;Traumzeit&#8220; zu schlagen. Denn die Ahnen, die nach der Erschaffung der Welt wieder in der Erde zur\u00fcckkehrten, bleiben als Geister und Totems gegenw\u00e4rtig. Auch die Regenbogenschlange ist nicht wirklich verschwunden &#8211; sie hat sich nur zusammengerollt und in den Uluru, den heiligen Berg der Anangu-Aborigines, verwandelt.<\/p>\n<p>Das ist die erste Geschichte von der Entstehung des Ayers Rock. Die zweite ist profaner, doch nicht weniger spektakul\u00e4r. Schon in den Zeiten, als sich\u00a0 Australien zusammen mit Indien und Madagaskar Gondwanaland abspaltete und seine Reise durch die Urozeane antrat, existierte der Ayers Rock als ein aus seiner Umgebung herauserodierender und im zeitlosen Takt der Jahrmillionen immer weiter anwachsender Sedimentblock. Irgendwann einmal, lange bevor sich der gro\u00dfe S\u00fcdkontinent den Ausl\u00e4ufern S\u00fcdostasiens n\u00e4herte, muss sich der gigantische Block im Zuge einer geologischen Faltung in der Erde gedreht haben, so dass er nun, einen erdgeschichtlichen Augenblick sp\u00e4ter, im stolzen Alter von etwa 600 Millionen Jahren in der Senkrechten wie ein Eisberg in der australischen Erde steckt- nur knapp 350 Meter die topfebene Erde \u00fcberragend, w\u00e4hrend der Rest des Monolithen noch einige Kilometer tiefer in die Erde reicht.<\/p>\n<p>Welche der beiden Entstehungsgeschichten des Berges und man auch immer bevorzugen mag- in das Blickfeld der abendl\u00e4ndischen Geographie geriet der gro\u00dfe Felsen erst sp\u00e4t. Fast drei Generationen hatte die von S\u00fcdaustralien und New South Wales vorangetriebene S\u00fcd-\u00adNorderkundung bereits angedauert, als in den Jahren zwischen 1860 bis 1862 den Entdeckern Burke und Willis auf der einen Seite und John Stuart auf der anderen Seite fast zeitgleich die Durchquerung des australischen Kontinentes gelang. Bezahlten Burke und Willis ihre Entdeckung des Carpentaria Golfes mit dem Leben, wurde auf John Stuarts Route zwischen Adelaide und dem sp\u00e4teren Darwin kurz darauf die erste transkontinentale Telegraphenleitung errichtet. Kaum war im Jahre 1872 die Telegraphenstation Alice Springs mitten im Herzen Australiens etabliert, begann bereits die Suche nach der direkten Verbindung zwischen dem Zentrum des Kontinentes und der 3000 km entfernten westaustralischen Enklave Perth. Nicht weniger als sieben gro\u00dfe Expeditionen wurden ausger\u00fcstet, von denen die meisten an der Unwirtlichkeit der Gibson W\u00fcste, der Feindseligkeit der Eingeborenen oder der eigenen Unzul\u00e4nglichkeit scheiterten. Im Zuge dieser Erkundungen, die die beteiligten Forscher durchaus im Sinne eines &#8222;Wettrennens&#8220; auffassten, entdeckten William Gosse und Emest Giles wiederum fast gleichzeitig im Oktober 1873 einen gewaltigen Monolithen etwa 450 km s\u00fcd\u00f6stlich von Alice Springs- dazu auch ein etwa 36 Quadratkilometer gro\u00dfes Felsmassiv etwa f\u00fcnfunddrei\u00dfig Kilometer westlich. Ernest Giles, der seine Entdeckungen gerne in Anlehnung an Begriffe aus John Bunyans Werk &#8222;The Pilgrims Progress&#8220; mit so wunderlichen Namen wie ,,Durstige Schlucht&#8220; und &#8222;Stinkender Berg&#8220; schm\u00fcckte, trug den gro\u00dfen Roten Felsen als &#8222;Ayers Rock&#8220; in seine Karten ein &#8211; womit Sir Henry Ayers, der damalige Regierungschef von S\u00fcdaustralien ohne sein Zutun in den Atlanten der Welt genauso verewigt wurde wie die englischen Minister Sydney und Melboume oder der Chef des indischen Kartographenamtes George Everest.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das gro\u00dfe Felsenkonglomerat in Sichtweite des Ayers Rock, das die Aborigines gut nachvollziehbar ,,Kata Tjuta&#8220;, viele K\u00f6pfe, nennen, erhielt von Giles auf Anregung seines deutschen Mentors Ferdinand von M\u00fcller den nicht unbedingt naheliegenden Namen &#8222;Olgas &#8211; eine zweifelhafte Devotion zu Ehren einer s\u00fcddeutschen Adeligen, die den nach ihr benannten Berg niemals gesehen hat.<\/p>\n<p>Heute ben\u00f6tigt der Linienflug zwischen Perth und Ayers Rock nicht einmal drei Stunden, und die Endlosigkeit der Gisbon W\u00fcste, durch die Emest Giles schlie\u00dflich 1876 die erste \u00dcberlandexpedition nach Perth gef\u00fchrt hatte, erscheint aus luftigen H\u00f6hen wie ein heiter dahinschwindendes System pointillistischer Punkte. Doch der Ayers Rock, der heilige Berg der Anangu-Aborigines und die Zufallsentdeckung wei\u00dfer Forscher ist zum Wahrzeichen Australiens und zum touristischen H\u00f6hepunkt jeder Reise durch den F\u00fcnften Kontinent geworden. Mit den Entbehrungen des Outbacks muss sich allerdings heute kein Tourist mehr herumschlagen- verf\u00fcgt der Besucher nur \u00fcber eine hinreichend ausgestattete Reisekasse, kann er sich in dem Retortenst\u00e4dtchen Yulara in unmittelbarer N\u00e4he des kleinen Flughafens komfortabel einquartieren und die Sehensw\u00fcrdigkeiten der Umgebung auf erstklassigen Stra\u00dfen mit dem Mietwagen erkunden.<\/p>\n<p>Trotzdem \u00fcberrascht der Ayers Rock noch immer. Obwohl millionenfach als Foto oder Poster in der ganzen Welt verbreitet, ist sein erster Anblick frappierend. Wie in alten Cinemascope Filmen, in denen die Farben unnat\u00fcrlich leuchteten, so erscheint der Berg morgens in einem schrillen Rosa, eine Farbe, die im Laufe des Tages in ein immer kraftvolleres Rot chargiert, bis der Uluru unmittelbar nach dem Sonnenuntergang, zum Finale des Tages, einige Minuten lang wie ein blutroter Riese aus der Ebene ragt. Auch Wolken und Schatten treiben ihr Spiel mit dem Berg: je nach Perspektive und Tageszeit scheint er einem halb in der Erde versunkenen Elefanten, einem schlafenden B\u00e4ren oder einen L\u00f6wen vor dem Sprung zu gleichen. Allerdings verfl\u00fcchtigen sich diese Assoziationen schnell je l\u00e4nger man den Koloss betrachtet: dass sich ein einziger gigantischer Monolith, \u00e4lter als Australien selbst, auf einer topfebenen Fl\u00e4che erhebt, verleiht dem Berg bei all seiner Massivit\u00e4t beinahe etwas Abstraktes- ein wenig wie der rechteckige Monolith in Stanley Kubricks Meisterwerk &#8222;Odyssee im Weltraum 2001&#8220; scheint er etwas \u00dcbersch\u00fcssiges, etwas Hinzukommendes zu repr\u00e4sentieren, das den Bereich der blo\u00dfen Materie \u00fcbersteigt.<\/p>\n<p>Mit der zunehmenden Ann\u00e4herung an den gro\u00dfen roten Felsen \u00fcber die weit geschwungene Zufahrtsstra\u00dfe weicht das Gef\u00fchl der Abstraktion einer fast be\u00e4ngstigenden Empfindung der Monumentalit\u00e4t. Immer ungeheuerlicher scheint der Berg der Eben zu entwachsen bis seine Gesamtansicht hinter riesenhaften W\u00e4nden verschwindet. Auch wenn die Ausma\u00dfe der himmelhohen W\u00e4nde die Fassungskraft der menschlichen Vorstellungskraft \u00fcberfordert &#8211; die Risse, Rillen und Schluchten herausgebrochenen Wandfragmente und anmutig geschwungene Rundungen, die steinernen Runzeln einer halben Milliarde Jahre, sind vor der Einm\u00fcndung in die gro\u00dfe Umrundungsstra\u00dfe bereits deutlich zu erkennen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image029.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1167\" alt=\"image029\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image029.jpg\" width=\"800\" height=\"533\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ehe man sich dem gro\u00dfen berg jedoch auf Ber\u00fchrungsdistnaz ann\u00e4hert, ist jedem Besucher ein\u00a0 ein Besuch der nahegelegenen Ranger Station und des Maruku Arts Center empfohlen, in denen man sich anhand mehrsprachiger Informationsschriften zahlreicher Fotografien und Exponate \u00fcber die Geschichte des Berges und die Kultur der Aborigines informieren kann. Dass der Ayers Rock keineswegs der gr\u00f6\u00dfte Monolith der Erde ist &#8211; dieser Rang geb\u00fchrt dem fast doppelt so gro\u00dfen und fast g\u00e4nzlich unbekannten Mount Augustus in Westaustralien &#8211; erf\u00e4hrt man zwar nicht, daf\u00fcr aber wird die wechselvolle Geschichte des Parks nachgezeichnet. So wurde den Ureinwohnern der heilige Berg der Regenbogenschlange erst nach langen Rechtsstreitigkeiten im Jahre 1985 offiziell zur\u00fcckgegeben &#8211; seitdem beruht die Existenz des &#8222;Uluru-Kata Tjuta Nationalparks&#8220; auf einem Pachtvertrag zwischen den Ureinwohnern und der Zentralregierung, der unter anderem eine Beteiligung der Aborigines an der Parkverwaltung und den Parkeinnahmen vorsieht.<\/p>\n<p>,,Lehren und lernen&#8220; ist das Motto der mehrsprachigen Informationsschriften, in denen der Versuch unternommen wird, den europ\u00e4ischen, amerikanischen und japanischen Touristen &#8222;Tjukurpa&#8220;, den grundlegenden Begriff der altaustralischen Ontologie, zu erkl\u00e4ren. So erscheint Tjukurpa nicht nur als die universelle animistische Sch\u00f6pfungsenergie, aus Tjukurpa entspringen auch Verhaltensmaxime, Br\u00e4uche und Tabus, nach denen sich der traditionsbewusste Aborigines auch noch zu richten hat. Tjukurpa f\u00fchrte zur Entstehung der zahlreichen &#8222;iwaras&#8220;, der Traumpfade, auf denen die Sch\u00f6pfung mit Ges\u00e4ngen und Geschichten von eingeweihten Anangu-Aborigines immer aus Neue bekr\u00e4ftigt wird, Tjukurpa reguliert die Aufteilung der Territorien zwischen den zahlreichen St\u00e4mmen und gebietet Gastfreundschaft und Schutz f\u00fcr die Fremden, was die Aborigines unter anderem dazu veranlasst, alle Besucher zu bitten, in ihrem eigenen Interesse auf die nicht ganz ungef\u00e4hrliche Besteigung des Uluru zu verzichten.<\/p>\n<p>&#8222;We did not climb Ayers Rock&#8220; prangt deswegen wie ein Ausweis einer moralisch einwandfreien Gesinnung auf den T-Shirts mancher Wanderer, die es vorziehen anstelle der Besteigung den ganzen Berg im Rahmen einer mehrst\u00fcndigen Wanderung zu umrunden. Sie meditieren am Mutitjulu Point, einem kleinen See mit aboriginalen Felsenmalereien, nach dem Glauben der Aborigines einem bevorzugten Aufenthaltsort der Regenbogenschlage, durchstreifen die Spinifex Gr\u00e4ser und Eukalyptusw\u00e4lder in der unmittelbarenNachbarschaft der Abst\u00fcrze und entdecken mit ein wenig gutem Willen, dass die Oberfl\u00e4chenstruktur des gro\u00dfen Felsen in der Ber\u00fchrungsn\u00e4he tats\u00e4chlich einer schuppigen Schlangenhaut gleicht.<\/p>\n<p>Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Besucher bel\u00e4sst es allerdings bei einer Umrundung des Berges mit dem eigenen Fahrzeug um anschlie\u00dfend den Uluru \u00fcber den offiziellen Aufstiegspfad zu besteigen &#8211; ein keineswegs ungef\u00e4hrliches Unternehmen, denn trotz der eisernen Kette, die den Aufsteig sichert, kommt es immer wieder zu Abst\u00fcrzen, die bei den steilen Fallh\u00f6hen und der glatten absch\u00fcssigen Felswand t\u00f6dlich verlaufen k\u00f6nnen. Dessen ungeachtet hangeln sich tagaus tagein die Touristen mit zum Teil recht ungeeignetem Schuhwerk unverdrossen den gro\u00dfen Felsen hoch- gerade so als w\u00e4re der Aufstieg ein Picknickausflug f\u00fcr die ganze Familie, an der sich auch die Gro\u00dfmutter und das Enkelkind ohne sonderliche Gef\u00e4hrdung beteiligen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Wenn alles gut geht, erreicht man als Teil einer lang gezogenen Kraxelkarawane immerhin nach etwa einer halben Stunde das Plateau des Uluru. \u00dcbergangslos befindet sich der Wanderer nun in einer bewuchslosen Mondlandschaft, unterbrochen von Hunderten kleiner und gr\u00f6\u00dferer<br \/>\nMulden, durch die markierter Pfade nach einer weiteren Viertelstunde zu einem gusseisernen Richtungsanzeiger f\u00fchrt, der in einer H\u00f6he von 348 Metern \u00fcber der Ebene ziemlich exakt den h\u00f6chsten Punkt des Monolithen anzeigt. Wer allerdings ein imposante Aussicht erwartet h\u00e4tte, wird entt\u00e4uscht &#8211; am westlichen Horizont sind die Umrisse der Olgas zu erkennen, ansonsten gibt es nichts zu sehen als eine geradezu bedr\u00fcckende Leere soweit das Auge reicht. So bestraft der heilige Berg seine Missachter, sagen die Aborigines. Denn seine Erhabenheit bedarf der Ehrfurcht und der Distanz- auf seinem gro\u00dfen unansehnlichen R\u00fccken hat sie sich g\u00e4nzlich verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image033.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1162\" alt=\"image033\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image033.jpg\" width=\"800\" height=\"535\" \/><\/a>\u00a0Bei den etwa eine halben Fahrtstunde entfernten Olgas kommt man gar nicht erst in die Versuchung das Felsmassiv zu besteigen. Mit umgekippten Riesenk\u00fcrbissen, schlafenden Sauriern oder G\u00f6ttermurmeln hat man die Olgas gerne verglichen, die seitihrerEntdeckungniemals aus dem Schatten des weltber\u00fchmten Ayers Rock haben heraustreten k\u00f6nnen- doch daf\u00fcr gibt es in den Schluchten und Abh\u00e4ngen der verschachtelten Felsen f\u00fcr den Naturfreund erheblich mehr zu sehen als an den Abst\u00fcrzen des Ayers Rock. Nur wenige Schritten von Parkplatz und Viewing Point entfernt, verlieren sich die Touristenstr\u00f6me, und der Besucher erlebt im Valley of the Wind, in der Olga-Schlucht oder in einer der zahlreichen kleineren Schluchten eine weltentr\u00fcckte Einsamkeit vor der perfekte Outback-Kulisse. Vielleicht ist das abendliche Spiel von Licht und Schatten an den Olgas sogar noch eine Spur dramatischer als am Ayers Rock: in der Stunde des Sonnenunterganges beginnt der Mount Olga derart zu gl\u00fchen, dass man fast bef\u00fcrchtet, das Mulga-Gras k\u00f6nnte Feuer fangen, schwarze Schatten kriechen \u00fcber die Ebene heran wie eine Gezeitenflut, schlucken Formen und Farben, bis\u00a0\u00a0Mount Olga in der Dunkelheit versinkt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image034.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1163\" alt=\"image034\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image034.jpg\" width=\"800\" height=\"535\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ein Besuch im Roten Zentrum Australiens bleibt allerdings unvollst\u00e4ndig ohne einen Abstecher zum Kings Canyon etwa dreihundert Kilometer nord\u00f6stlich von Yulara. Der Kings Canyon bildet nicht nur den s\u00fcdlichsten Ausl\u00e4ufer der McDonnel Range, die sich \u00fcber dreihundert Kilometer L\u00e4nge bis nach Alice Springs hinzieht &#8211; er gilt au\u00dferdem als das geographisch-botanische Bindeglied dreier zentralaustralischer Gro\u00dflandschaften: der Simpson Desert im S\u00fcdosten, die von jeher den direkten Weg nach Perth versperrte, der Central Range im Nordosten und der Great Western Desert, so dass im Kings Canyon Landschafts- und Vegetationsformen, die sonst nur in ganz unterschiedlichen Gegenden Australiens anzutreffen sind, gleichsam nebeneinander studiert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gleich ob man sich dem Kings Canyon auf dem viert\u00e4gigen &#8222;Giles Track&#8220;, einer Tageswanderung \u00fcber die s\u00fcdlichen Grate des Canyons oder nur in Gestalt eines Spazierganges zum Lookout-Point in der gro\u00dfen Schlucht n\u00e4hert &#8211; \u00fcberall fasziniert der Canyon durch die brisante \u00c4sthetik seiner Erscheinung. Schwindelerregende nat\u00fcrliche Riesenbalkone \u00fcber unnat\u00fcrlich glatten W\u00e4nden, die Gleichzeitigkeit gro\u00dfartiger Ausblicke \u00fcber die Weiten des Umlands mit dem Einblick in g\u00e4hnende Abgr\u00fcnde vor den eigenen F\u00fc\u00dfen, der &#8222;Garden of Eden&#8220;, eine zauberhafte Palmenoase in einer abseits gelegenen Schlucht und der satte Kontrast des rostroten Felsenbrauns mit dem hyperariden blau des australischen Winters machen die Wanderung \u00fcber die Grate und Tiefen des Canyons zu einem Ausflug in eine g\u00e4nzlich anders dimensionierte Welt, an der sich die Phantasie der Aborigines und der Besucher gleicherma\u00dfen entz\u00fcndet. ,,Lost City&#8220; nennen die Touristen jene bizarre Ansammlung steinerner Rundh\u00fcgel, die eine erfinderische Natur mit Hilfe von Wasser, Wind und Erosion am nord\u00f6stlichen Ende der gro\u00dfen Schlucht erschuf. Was dem Reisenden wie eine ganze Galerie mittelamerikanischer Aztekentempel am ungewohnte Ort erscheint, sind fur die Luritja-Aborigines die versteinerten Katzenmenschen, die sich nach der Traumzeit-Sch\u00f6pfung im Kings Canyon zur Ruhe gelegt haben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image040.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1169\" alt=\"image040\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image040.jpg\" width=\"800\" height=\"535\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Weg \u00fcber die H\u00f6hen und Tiefen des Canyons stimuliert nicht nur die Phantasie &#8211; auch die Verwerfungen der Erdgeschichte sind auf Schritt und Tritt ersichtlich. Verwitterte Stomatolithen und fossile Versteinerungen am Rande von Abgr\u00fcnden zeugen von der dramatische Geschichte immer neuer Landschaftswechsel. Die Urformen jener zahlreichen feuchtigkeitsliebenden Pflanzenarten im Canyon, denen es bis auf den heutigen Tag gelungen\u00a0\u00a0 ist, in einem immer mehr austrocknenden Kontinent zu \u00fcberleben, entstanden in jenen erdgeschichtlichen Urzeiten, in denen nicht nur der Kings Canyon sondern die gesamte McDonald Range nichts weiter waren als der Grund eines gigantischen Binnenmeeres. Die Zikaden des Kings Canyon, die in einigen Miniaturbiotopen \u00fcberleben konnten, gelten Abk\u00f6mmlinge der transaustralischen Zikadenw\u00e4lder, die nach dem Verschwinden des Binnenmeeres einst gro\u00dfe Teile des Kontinentes bedeckten und damit als die botanischen Nachfahren einer der \u00e4ltesten Baumarten der Erde.<\/p>\n<p>Noch \u00e4lter als die Zikadenw\u00e4lder des Kings Canyon, sogar \u00e4lter noch als die Olgas und der Ayers Rock, ist nur noch der Himmel &#8211; verkl\u00e4rt und immer wieder aufs Neue beschworen geh\u00f6rt sein abendliches Farbenspiel zur romantischen Klaviatur jeder Outback-Reise. Auch auf dem R\u00fcckweg vom Kings Canyon zum Ayers Rock war schon lange vor dem Sonnenuntergang zu erkennen, dass die Natur heute wieder allein zur Freude ihrer selbst ein Fest feiern w\u00fcrde. Eine Mixtur von blauwei\u00dfen, grauen, roten und hellgelben Farbt\u00f6nen kolorierte den Horizont, als wolle die Natur vor der Vollendung ihres Tageswerkes noch einmal ihren Malkasten pr\u00e4sentieren, Wolkenberge zogen heran um sich unter der Regie des Windes zu immer neuen Formen zu verbinden &#8211; lange dunkle Schatten fielen \u00fcber die Erde, w\u00e4hrend die glei\u00dfenden Farbfont\u00e4enen am Himmel an Intensit\u00e4t gewannen. Dann zog sich die Wolkenfront pl\u00f6tzlich in die L\u00e4nge, \u00fcber dem blauschwarzen Grund des Himmels erschien ein langer hellgelber Streifen, rot eingedunkelt an seinen R\u00e4ndern und zerfasert an seinem Ende &#8211; ein Gebilde, das man mit einiger Phantasie gut und gerne fur eine Regenbogenschlange h\u00e4tte halten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image044.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1165\" alt=\"image044\" src=\"http:\/\/ludwig-witzani.de\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/image044.jpg\" width=\"800\" height=\"514\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ayers Rock, die Olgas und der Kings Canyon im roten Herzen Australiens Am Anfang war die Regenbogenschlange. 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