Helfritz: DuMont Kunstführer Indonesien

Helfritz IndonesienImmer, wenn ich einen Reiseführer von Hans Helfritz lese, dann muss ich das Konzept des spezifischen Gewichts denken. So wie Materialien bei gleichen Volumina Unterschiedliches wiegen können, so unterscheiden sich auch äußerlich gleiche DIN a 4 Seiten ganz erheblich je nach dem spezifischen Gewicht der Informationen, die sie transportieren. Die Texte, die Hans Helfritz in seinen Reiseführern und ganz besonders in dem vorliegenden Reiseführer „Indonesien“ vorlegt, besitzen eine sehr hohes informationsspezifisches Gewicht, sprich: sie sind extrem gehaltvoll und fordern dem Leser Einiges ab. Das ist natürlich als Kompliment gemeint, denn es dürfte wohl kaum jemanden geben, der  durch diese Buch nicht etwas Neues lernen könnte. Eine Warnung ist es aber auch. Nichts für den klassischen Backpacker und Hände weg für alle, für die drei Fremdwörter in einem Satz bereits als ko-Kriterium gelten.

Schon allein die ersten zehn Seiten über die geologische Struktur des indonesischen Archipels, den Vulkanismus oder die Verbreitung des Rechteckbeils zwischen Java und Japan konnte ich nur mit Notizblock und Bleistift bewältigen. Beide würde ich ohnehin bei der gesamten Lektüre der fünf Hauptkapitel empfehlen, die kräftesparend und in großen Zeitabständen angegangen werden sollten. Es handelt sich um ein einführendes Kapitel über Indonesien im Allgemeinen (I), über die frühgeschichtliche Kunst (II), über Hinduismus und  Buddhismus in Südostasien  (III) , über die neuindonesische Kunst (IV) und über Bali (V). Auch wenn die Lektüre nicht immer ein reines Vergnügen ist, ist die Detailbohrtiefe geradezu erstaunlich: Ob der Weg ins Totenreich bei den Tana Toraja (S.76), der javanesische Kris (S.163), das Wayang Kulit (S.167) oder die Gamelan Musik (s.213) – diese und viele andere noch viel speziellere Themen werden – um es einmal zuzuspitzen – so präzise und ausführlich behandelt, wie man es eigentlich gar nicht hatte wissen wollte. Was natürlich nicht gegen den Autor sondern gegen den Leser spricht. Ein reisepraktischer Anhang und ein ausführliches Personen und Ortsregister ergänzen das gewichtige Werk.

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