Achebe: Heimkehr in ein fremdes Land

Heimkehr in ein fremdes Land

Chinua Achebe (1930-2013) ist ein schwarzafrikanischer Autor, der sein Leben lang bemüht war, die Literatur und Erzähltraditionen seines Landes mit der Weltliteratur in Kontakt zu bringen. Seine Afrikanische Trilogie, für die zahlreiche Preise, u.a. den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhielt, ist die Frucht dieser Bemühungen. In drei Bänden erzählt Ache in dieser Trilogie die Geschichte Okonkwos und seiner Nachfahren – zuerst in „Things fall Apart“, seinem Erstling, dem mittlerweile meistverkauften Buch eines schwarzafrikanischen Autors, gefolgt von „Arrow of Gold“ („Der Pfeil Gottes“) und „Lo langer at Ease“(„Heimkehr in ein fremdes Land“).
Heimkehr in ein fremdes Land ist die Geschichte von Okwonkos Enkel Obi Okwonko. Die Handlung spielt um 1960, Nigeria ist gerade erst frei geworden und benötigt kundige Verwaltungsbeamte. Unterstützt von der ganzen Dorfgemeinschaft Umofias ist Obi Okwonko deswegen nach London gereist, um dort zu studieren Problemlos erhält nach seiner Rückkehr eine Stelle im Staatsdienst, gerät aber bald in Konflikt mit seiner Umgebung, da er sich weigert, Bestechungsgelder anzunehmen. Außerdem reichen seine Einkünfte für den eignen Lebensunterhalt, für die Unterstützung des kranken Vaters und der kranken Mutter, für das Schulgeld des Bruders und für die Rückzahlung des Umofia-Kredites nicht aus. Außerdem liebt Obi die schöne Krankenschwester Clara, die aber „osu“ ist, als Heiratskandidatin tabu ist, weil einer ihrer Vorfahre ein Aussätziger. Obwohl Obis Familie inzwischen christlich geworden ist, verbietet Obi Vater dem Sohn die Heirat, womit sich die alten Tabus als stärker erweisen als die christlichen Lehren. Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Obi sich verschulden muss, um die die Kosten für eine Abtreibung einer ungewollten Schwangerschaft zu tragen. Derart in die Enge getrieben, beginnt er schließlich doch, Bestechungsgelder anzunehmen, womit sich seine finanziellen Probleme entkrampfen. Dann aber wird er gefasst und vor Gericht gestellt. Seine Karriere ist beendet und zerstört.
Wie schon der Erstling „Things fall apart“ ist auch dieses Buch locker zu lesen, und wie bei dem Erstling kommt Achebes Botschaft unaufdringlich daher. Sie lautet: das Land ist so korrupt und rückwärtsgewandt, dass es kaum möglich ist, moralisch integer zu bleiben. Bitter angekreidet wurde dem Autor, dass er die Hauptkritik am modernen Nigeria einem britischen Kolonialbeamten, dem unsympathischen Mr. Brown, in den Mund legt, der klipp und klar sagt, wie schnurzpiepegal der nigerianischen Elite das Schicksal des einfachen Volkes ist. Nicht zuletzt wegen dieser rund ähnlichen Mahnungen wurde Achebe im eigenen Land angefeindet, aus Nigeria herausgeekelt, so dass er den größten Teil seines Lebens im Exil verbringen musste.

 

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