DuMont Kunstreiseführer JAPAN

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In meiner Studentenzeit gab es beim DuMont Verlag in Köln regelmäßige Remittenten-Tage. An diesen Tagen  wurden vom Verlag leicht beschädigte Kunst-Reiseführer für kleines Geld unters Volk gebracht. Für mich, der ich damals knapp bei Kasse, aber voller Neugierde auf die Welt war, waren das bedeutende Ereignisse, für die ich schon im Vorfeld ein Budget zurücklegte, mit dem ich mir dann so viele Kunst-Reiseführer kaufte wie
möglich. So erwarb ich auch den vorliegenden Kunstführer Japan von Thomas Immoos und Erwin Halpern (Inzwischen gibt es eine Neuauflage, die ich aber – abgesehen von der Bebilderung –  keineswegs besser finde).

Was machte ich damals mit diesen kofferweise gekauften Kunst-Reiseführern? Ich trug sie nach Hause, stellte sie in den Schrank und labte mich an ihrem Anblick. Denn um die Wahrheit zu sagen: trotz meiner eitlen Ambitionen habe ich in meinen Zwanziger und Dreißiger Jahren mit den sehr komplizierten Texten der DuMont Kunstreiseführer wenig anfangen können. Außerdem waren die Bücher wegen ihres Einbandes und ihrer Seitenqualität zu schwer für den Rucksack, so dass ich sie daheim ließ, wenn ich auf Tour ging.

Erst Jahre später begann ich, die Kunstreiseführer auch zu lesen und stellte fest, dass ihr Nutzen in ihrer kunstgeschichtlichen Akribie lag, von der ich aber gar nicht sicher war, ob ich es wirklich so genau wissen wollte. Der vorliegende Japanreiseführer macht da keine Ausnahme. Er beschreibt Tempel, Gärten und Paläste, in einer Genauigkeit, als hinge das Schicksal der Welt davon ab. Zum Beispiel werden am Steinwaschbecken des Ryaonji Tempels in Kyoto sämtliche Schriftzeichen, Bedeutungen und Symbole so hingebungsvoll beschrieben, als drohe der Fluch der Sinto-Götter, wenn man auch nur ein Element vergäße. Die 32 Attribute der buddhistischen Ikonografie werden ebenso beschrieben wie die 20 Mudra Fingerstellungen. Was allerdings auf Seite 36-62 von den Autoren an Kompakten und gut Verständlichem zusammengetragen wurde, war  für mich der beste Geschichtsabriss, den ich bei der Vorbereitung meiner Japanreise gelesen habe. Eine Besonderheit des vorliegenden Buches,  die man sonst bei den Einzelbänden der DuMont Kunstreiseführer nicht findet,  besteht darüber hinaus in der Darstellung von 19 Reiserouten durch Japan. Hier gewinnt das Buch sogar praktische Reiseführerqualitäten, denn die Anfahrtswege zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten werden recht genau beschrieben.

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