Schweizer: Indien – Ein Kontinent im Umbruch

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Schweizer, Gerhard: Indien. Ein Kontinent im Umbruch, Stuttgart, 1995

Das seltene Beispiel eines Buches, das Landeskunde und Reiseerfahrungen miteinander verbindet. Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme der Krise Indiens am Ende des 20. Jhdt. sowie der sich andeutenden weiteren Entwicklungslinien. Das mit enormer Sachkenntnis, sicherem Stilgefühl und viel Liebe zu Indien verfasste Buch ist gut als Ergänzung und Fortsetzung von Naipaul zu lesen. Es beginnt mit einem für jeden Novizen lehrreichen Kapitel über den Kulturschock, den Indien bei jedem Besucher hervorruft. Hauptteil zwei und drei beschäftigen sich mit den indischen Religionen einschließlich ihrer neusten Entwicklungen und dem Kastensystem. In diesem Teil behandelt Schweizer einen der am meisten missverstandenen Sachverhalte der indischen Kultur – die so genannte „indische Toleranz“, die Schweizer „inklusivistische Toleranz“ nennt, womit er meint, dass Christen oder Sikhs nur dann wirklich toleriert werden, wenn sie sich den Alltagsgewohnheiten der indischen Gesellschaft ( z. B. Essensvorschriften, Kastenregeln) beugen. Am lohnendsten finde ich den vierten Hauptteil, der die religiöse Radikalisierung Indiens am Beispiel des Ayodhya Konfliktes thematisiert. Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen – und das, obwohl es im Buchhandel vergriffen ist. Es ist aber über die verschiedenen Portale als gebrauchtes Buch jederzeit für einen Spottpreis zu erwerben.  Allererste Wahl!

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