Ion Karagounis: Mit dem Zug durch Zentralasien und China – Auf der Seidenstraße von Schaffhausen nach Shanghai

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Ion Karagounis:Mit dem Zug durch Zentralasien und China

„Das Spektakuläre unserer Reise liegt im Unspektakulären. Unterwegs zu sein auf der Seidenstraße, der berühmtesten aller Handelsrouten, in der Eisenbahn, dem gewöhnlichsten aller Verkehrsmittel. Nicht ein Abenteuer außerhalb der Zivilisation zu suchen sondern eine Reise mitten im Alltag anderer zu machen “ –  das war das Ziel von Ion Karagounis und seiner Begleiterin Christina Rütimann, die sich im Sommer 2000 von Schaffhausen in der Schweiz aus aufmachten, um in siebzig Tagen Shanghai in China zu erreichen. Um es gleich vorweg zu sagen: der Autor des vorliegenden Buches ist gut in Shanghai angekommen, bereichert um ein ganzes Bündel von Erfahrungen und Einsichten, an denen er seine Leser ausführlich teilhaben lässt. Das herbe Ambiente zentralasiatischen Zugreisens, die Raffgierigkeit der Grenzbeamten, die Verödung des Aralsees und das ökologische Desaster der Baummwollmonokulturen, das Völkergemisch im Ferganatal und das Erlebnis von Chiva, Buchara und Samarkand – wie ein buntes Potpourri von Impressionen und Informationen zieht die fremdartige kasachisch-usbekisch-kirgisische Welt im ersten Teil des Buches vor dem inneren Auge des Lesers vorüber. Über den Torugartpass wird nach einer abenteuerlichen Busreise endlich Kaschgar in Xinjiang erreicht, von Uiguren bewohnt, doch unter der Knute der Chinesen, die an den Grenzen ihres Reiches mit ihren ethnischen Minderheiten nicht zimperlich umspringen. Über die klassische Seidenstraße und die Oasen Aqsu, Kuqa,  Turfan und Dunhuang, über Buddhagrotten, Garküchen,  und alle Arten von Bus- und Eisenbahnhöfen geht es weiter zum tibetischen Kloster Labrang und nach  Lanzhou, dem Tor zum Kernland Chinas, ehe die Reise nach Stationen in Szechuan, Guilin in der Metropole Shanghai endet.  Eine imponierende Reise, zweifellos –  ist es aber auch ein imponierendes Buch geworden? Ja und nein. Wer sich an kulturgeschichtlichen  Details und einer geschliffenen Sprache berauschen möchte, wird nicht uneingeschränkt auf seine Kosten  kommen. Dafür bietet das Buch auf engem Raum die erstaunlich abgerundete Skizze einer unbekannten Welt im Umbruch, eine Art persönlich kolorierter Asienkunde, die mit  Gewinn und Vergnügen zu lesen ist. Mehr noch: Der Enthusiasmus und das unverstellte Staunen des Autors, nicht zuletzt die erstklassig reproduzierten Farbabbildungen, stimulieren im Leser den Wunsch das, was der Autor zeigt und beschreibt, mit eigenen Augen zu sehen. Das ist mehr,  als man über die meisten Reisebücher sagen kann.

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