Nickerson: Das gefrorene Meer

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Nickerson: Das gefrorene Meer. Auf der Suche nach dem dunklen Herz des Nordens

Was für ein schöner Titel. Er macht neugierig auf das Buch, denn wen würde nicht das dunkle Herz des Nordens brennend interessieren?  In Wahrheit handelt es sich um ein Buch über das Verschwinden – angefangen von den beiden verschwundenen Bootsbesatzungen, die der russische Kapitän Chirikow 1741 bei der Entdeckung Alaskas verlor, über Fähr- und Schiffsunglücke, Flugzeugabstürze, Irrungen und Wirrungen, Unfälle und Missgeschicke. Die Autorin berichtet von Ertrunkenen in Flutwellen, Erfrorenen in

Die reisen Wand des Margerie Gletschers
                                                   Die  Wand des Margerie Gletschers

Stürmen und verbindet all das zu einer Anthologie des Verschwindens, um sich auf diese Weise dem dunklen Herz des Nordens anzunähern.

Was Alaska betrifft, so trifft die Autorin mit diesem Thema natürlich ins Schwarze. Denn es dürfte nur wenige Gegenden auf der Erde geben, in denen es so leicht ist, zu verschwinden und so schwer, jemanden überhaupt wieder zu finden. Bei der ersten Lektüre dieses Buches habe ich noch gedacht, dass der Autorin bei ihrer Darstellung der rote Faden ihres Themas ebenfalls verschwunden sei, bei einer zweiten Lektüre dagegen will mir scheinen, dass die feuilletonistische Betrachtung, mit der die verschiedenen Geschichten vom Verschwinden beschrieben werden, der Sache angemessen ist. Immerhin vermittelt die Autorin streiflichtartige Einblicke in ihren eigenen Lebenslauf, erzählt von den Hinterbliebenen, von der verwunschenen Lituya Bay im Norden des Panhandle, von Eismeerexpeditionen, Schamanen und beschreibt „Cairne“,  das sind  Steinbehälter, in denen man Suchtrupps mitteilen kann, wo man sich befindet. Für eine Reise durch Alaska durchaus geeignet – und sei es nur als Warnung davor, die ausgebauten Straßen und Wege zu weit zu verlassen. Man könnte ja verloren gehen, und was einmal in Alaska verschwunden ist, findet sich nicht so leicht wieder.             

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