Krakauer: In die Wildnis


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John Krakauer: In die Wildnis. Allein nach Alaska

Das Buch erzählt die Geschichte von Chris McCandless, einem jungen Amerikaner, der nach seinem Studium zu einem jahrelangen Tramp durch Nordamerika aufbricht, den Kontakt zu seinen Eltern abbricht und schließlich – absolut mangelhaft ausgerüstet –  im Frühjahr 1992 nach Alaska entschwindet,  wo er nach einigen Monaten Aufenthalt im August 1992 verhungert aufgefunden wird. Das Buch, das Jahre später erfolgreich von Sean Penn verfilmt wurde, war für mich gleich aus mehreren Gründen interessant: image005Zunächst beschreibt es Alaska als die neue Grenze, als Chiffre für eine Ursprünglichkeit, die nirgendwo sonst mehr zu finden ist. Nach der Vermessung der ganzen Welt erscheint Alaska mit seinem hauchdünnen Firnis an Zivilisation als der letzte Mythos, der ganz unterschiedliche Charaktere anzieht. Sodann berichtet das Buch über eine Reihe ähnlicher Schicksale von Menschen, die in der Wildnis Alaskas zugrunde gingen: fünf Geschichten von Suchenden, die in Alaska umkamen und die absolut interessant zu lesen sind.

Durch den Film von Sean Penn wurde allerdings die Figur von Chris McCandless uminterpretiert. Aus dem unvorbereiteten und selbstbezüglichen Reisenden wurde ein fröhliches Kind Gottes, das kurz vor seinem Tod wenigstens in der Imagination zu seinen Eltern zurückfindet. Krakauer hatte seine Hauptfigur kritischer beurteilt. Bei McCandless handelt es ich um einen unvorbereiteten Menschen, der an seiner Fehleinschätzung der Natur zugrunde  Die Natur in ihrer Ursprünglichkeit vor allem in Alaska ist weder „freundlich“ noch „gut“, sondern sie stellt eine Herausforderung dar, der der Mensch – wenn überhaupt – nur unter Aufbietung image004all seiner Kräfte begegnen kann. Chris MacCandless dagegen entschwand ohne Axt und Karte in die Wildnis, gerade so wie ein Bär ohne Tatzen oder ein Fisch, der sich aufmacht, ohne Flossen über Land zu spazieren, weil er glaubt, jenseits seines Elementes sei es nicht wirklich gefährlich. Wenn man ganz hart urteilen wollte, könnte man sagen, dass es sich bei Erscheinungen wie Chris MacCandless um eine
emotional und geistig anspruchslose  Schwundstufe in der Geschichte des Welterlebens handelt. Unvorbereitete, schon in der normalen Gesellschaft kaum lebensfähige Existenzen wagen sich auf der Grundlage von Leseerlebnissen a la Jack London in eine Wildnis hinaus, die sie in ihrem Wesensgehalt nicht erkennen und die sie wie eine Laus zerquetscht.

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