Bräker/Geerken: Indonesien Gestern und Heute

Geekren 1 indexHorst H Geerken war in den Jahren zwischen 1963 bis 1981 für ein großes deutsches Industrieunternehmen in Indonesien tätig. In dieser Zeit entwickelte er sich zum Kenner des indonesischen Archipels, lernte Bahasa Indonesia, bereiste das Land und begann mit der  Erforschung der indonesischen Kultur und Geschichte. Mit seinen Büchern „Der Ruf des Geckos“ und „Hitlers Griff nach Asien“ hat er sich inzwischen den Ruf eines profunden Kenners der malaiischen Welt erworben.  Horst H. Geerken hatte dabei das seltene Glück über Jahrzehnte hinweg eine Frau mit ähnlichen Ambitionen an seiner Seite zu haben, seine Lebenspartnerin Annette Bräker, die ihn als Ratgeberin, Wissenschaftlerin, Lektorin und Reisepartnerin zur Seite stand. Im Jahre 2015 ist Annette Bräker verstorben.

Das vorliegende Buch ist deswegen nicht nur ein Reisebuch sondern auch eine Hommage des Autors an seine verstorbene Frau. Mit Ausnahme des einleitenden Kapitels  handelt es sich um eine chronologisch geordnete Zusammenfassung der Reisetagebücher von Annette Bräker, die ihr Ehemann in sorgfältiger Edition, manchmal auch mit der einen oder anderen Ergänzung nahestehender Personen, als eine Art Vermächtnis herausgegeben hat. Gerade weil Geerken sich selbst in diesen diese Reistagebüchern zurücknimmt und seiner Frau das Wort überlässt, erscheint die Konzeption des Buches umso berührender.

Aber auch ganz unabhängig von diesem Entstehungszusammenhang des Buches, der am Anfang und Ende nur sehr verhalten angedeutet wird, ist das vorliegende Buch als eine gelungene „Einladung nach Indonesien“ zu lesen, als eine Sammlung von „Reiseberichten der etwas anderen Art“ –  sehr persönlich, sehr fachkundig, aber auch sehr spontan, immer unterhaltsam und in einer unprätentiösen Sprache abgefasst, die die Dinge beim Namen nennt.  Innerhalb eines Zeitraumes von fast dreißig Jahren führen die Reisebilder von Annette Bräker den Leser durch den gesamten indonesischen Archipel, nach Borneo,  Bali, Sumba, Java, Sumatra und viele andere der insgesamt übeer 17.000 indonesischen Inseln.  Nicht nur für den Asieneinsteiger sondern auch für Indonesienkenner gibt es dabei viel Neues zu erfahren. Mir jedenfalls war unbekannt, wie man das Quaken der Frösche mit einer Taschenlampe beenden kann oder welche steuerlichen Vorteile das Bambushaus gegenüber einem Steinhaus aufweist. Bei ihrer Reise durch den Süden Borneos geraten Bräker und Geerken 2001 mitten hinein in die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den indigenen Dayaks und den eingewanderten Javanesen. Höhepunkt des Buches war für mich der Bericht über einer Reise mit der Pelni Fähre Dobonsolo in den Osten Indonesiens

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                                            Warten auf die Pelnifähre in Makassar

– von Bali über Timor und die Molukken bis nach West-Papua und zurück, eine spannende Reisereportage, die Lust darauf machte, diese Reise nachzureisen. (Leider verfügt die Dobonsolo inzwischen nur noch über Economy Class, und das ist nur etwas für Extra-Harte). Für mich war dieser Bericht Anlass genug, mit dem Autor Kontakt aufzunehmen und mir für meine nächste Indonesienreise wertvolle Tipps zu holen. Danke, Horst.

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