Laos ist zuallererst Gemütszustand

In der laotischen Königsstadt Luang Prabang

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Im Jahre 1860, also in jenen alten Tagen, als das Reisen in die fremden Winkel der Erde nicht nur Zerstreuung, sondern auch Abenteuer und Gefahr beinhaltete, begann der junge Franzose Henri Mouhut seine Reise in die Tiefen der südostasiatischen Geschichte. Keine zwanzig Jahre waren seit der Veröffentlichung von Stephens und Catherwoods „Incidents of Travel in Central America, Chiapas und Yucatan“ vergangen, und das Jahrhundert fieberte nach der Wiederentdeckung der versunkenen Maya-Welt auf neue Sensationen aus der Vergangenheit.

Mouhut war den vagen Berichten eines buddhistischen Mönchs gefolgt und durchstreifte das Nordufer des Tonle-Sap-Sees im kambodschanischen Tiefland. Als er im Unterholz des Dschungels plötzlich den riesigen Augen einer überlebensgroßen Buddha-Skulptur gegenüberstand, mag er schon gehofft haben, einem großen Fund auf der Spur zu sein. Aber erst nach der Entdeckung von Tempelruinen und immer weiterer Tempelruinen in den folgenden Wochen begriff er dessen ganze Bedeutung: Über Hunderte von Quadratkilometern erstreckte sich, von Würgefeigen umschlungen, von Dschungelgewächsen überwuchert, Angkor Wat, die größte Tempelstadt der Erde.

Über die Grenzgebirge von Kambodscha und Vietnam führte Mouhuts Reise weiter in das südliche Laos, immer weiter den Mekong entlang nach Norden, vorüber an den großen Wasserfällen von Khong Pha Pheng, vorbei an der eine Generation zuvor von den Siamesen zerstörten Stadt Vientiane, bis er im Herbst 1861 die alte Tempelstadt Luang Prabang erreichte. Die Königsstadt der Lao, wie ein Schiffsbug am Zusammenfluss von Mekong und Nam Khan gelegen, hatte nichts von der gigantischen, toten Imposanz der großen Stadt Angkor, doch sie war lebendig. Sie war das pulsierende Herz einer exotischen Kultur in einem bis dahin unbekannten Winkel der Welt unmittelbar vor den südlichen Grenzen des Chinesischen Reiches.

Es war der 19. Oktober 1861, als Mouhut zum erstenmal in seinem Tagebuch eine kurze Bemerkung über einen Fieberanfall notierte. Was für die meisten Forschungsreisenden in den tropischen Zonen des neunzehnten Jahrhunderts das fast sichere Todesurteil bedeutete, war nun auch Mouhut widerfahren: Er hatte sich mit der schwarzen Malaria infiziert. „Mein Gott, hab Erbarmen mit mir . . .“ endet schon wenige Tage später das Tagebuch. Am 10. November 1861 starb der junge Forschungsreisende, gerade 36 Jahre alt. In einem kleinen Grab an der Uferböschung des Nam Khan bestattet, war der Entdecker von Angkor Wat und Luang Prabang bald von der Nachwelt vergessen.

Hat Ihnen dieser Anfang gefallen? Interessiert Sie der Ort, die Landschaft, die Geschichte? Weiter geht es in dem Buch „Der Garten der Welt. Reisen in Thailand, Burma, Laos, Kambodscha und Vietnam“,S.176ff. 

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