Im Vietkong Park

Wie inszeniert man Geschichte?Vietkong Park von Cu-Chi

So haben sich selbst die größten Fans des Vietkong den Krieg nicht vorgestellt: Hübsche und gut frisierte Befreiungskämpferinnen stillen ihre Babys, räumen die Bambushütten auf und knacken zwischendurch mal schnell mit einer Tellermine einen amerikanischen Panzer, der wild ballernd durch den Dschungel rollt. Ihre drahtigen Männer eilen derweil nach dem Einsatz im Schützengraben, das Gewehr noch über den Rücken, auf die Reisfelder um die Ernte einzubringen. Abends trifft sich die Familie in gelöster Heiterkeit bei der politischen Schulung, Ho Chi Minh schaut zufrieden auf die tapferen Kinder seines Volkes, alles könnte so wunderbar sein, würde der böse Feind doch endlich Ruhe geben. Aber nein, da ist er schon wieder, Bomben fallen vom Himmel und Panzer zermalmen, was ihnen vor die Ketten kommt. Doch die Bewohner des Dorfes verschwinden in einem geheimnisvollen Tunnelsystem unter der Erde, schwarze Löcher tun sich auf, in die nur der schlanke südostasiatische Menschenschlag hineinpasst, und die fetten Amerikaner müssen draußen bleiben.

Zwei Generationen sind diese Kämpfe nun schon vorüber, und wer wird es den siegreichen Freiheitskämpfern verdenken, dass sie den Film über diese Ereignisse als eine holprige Collage von Dokumentaraufnahmen und nachgestellten Szenen in aller Ruhe nach der Befreiung drehten? Heute zeigen sie ihn den westlichen Besuchern, die für zwanzigtausend Dong Eintrittsgebühr die Vietkong- Tunnels von Cu-Chi, funfunddreißig Kilometer nordwestlich von Saigon, besuchen. Tatsächlich ist die Vergangenheit dieses Ortes grotesk und makaber zugleich: während die GI’s oberhalb der Erde in einem gut klimatisierten Militärlager am Tage die Umgebung kontrollierten, kam der Vietkong in der Nacht aus seinen Verstecken, organisierte Versorgung und Logistik, bestrafte und herrschte in den Dörfern und verschwand am Morgen wieder unter die Erde.

Hat Ihnen dieser Anfang gefallen? Interessiert sie der Ort, die Landschaft, die Geschichte? Weiter geht es in „Der Garten der Welt. Reisen in Thailand, Burma, Laos, Kambodscha und Vietnam“, S. 286ff. 

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